2 Min.
10.09.2026
Chantal Prinzensing
Foto / Quelle: Christina Frampton

Wozu sind Sie da, Frau Prinzensing?

Wozu bist du da? Die Aufgabe des Menschen besteht darin, die Frage für sich zu beantworten. Wir fragen nach, heute bei Chantal Prinzensing.

Paderborn
Aufgezeichnet und fotografiert von Christina Frampton

Selbst nach über 30 Jahren freue ich mich noch auf meine Arbeit. Denn Menschen verbringen ihre Freizeit mit mir. Meine Aufgabe ist es, ihnen die Zeit hier bei uns so schön wie möglich zu gestalten. Tanzen ist mein Beruf und mein Hobby zugleich.

Schon mit 14 Jahren wusste ich, dass ich diesen Beruf ausüben möchte. Ich hatte mich damals, wie es sich gehörte, für einen Tanzkurs angemeldet und wusste vorher gar nicht, was auf mich zukommen würde. Doch dann hat es mich direkt gepackt, und mir war klar: Das ist mein Traumberuf.

Bis ich mit 18 Jahren meine Ausbildung endlich anfangen konnte, habe ich alles in der Tanzschule gemacht, was ging. Ich habe an der Bar bedient, ich habe an der Garderobe gearbeitet, ich habe mit dem Tanzlehrer vorgetanzt. Bestimmt fünf Tage die Woche war ich dort, weil ich es so toll fand. Ich war total begeistert von den Menschen und von der familiären Atmosphäre. Und dieses herzliche Miteinander schätze ich bis heute. Hier gibt es kein richtig oder falsch. Die Menschen hier verbindet, dass sie gerne tanzen und mit anderen zusammen sind.

Seit etwa zweieinhalb Jahren bin ich nun die Geschäftsführerin der Tanzschule und unterrichte dadurch weniger. Am Vormittag kümmere ich mich um alles, was im Büro anfällt, aber abends gebe ich nach wie vor Tanzkurse. Das möchte ich nicht missen.

Einige meiner Tanzkreise kenne ich schon seit Jahren. Die Menschen haben sich bei uns kennengelernt und aus dem gemeinsamen Tanzen sind Freundschaften entstanden, die über den Tanzkurs hinausgehen.

Genauso schön finde ich es aber auch, neue Leute in den Grundkursen zu unterrichten. Oft ist es ja so, dass bei einem Tanzpaar eine Person mit Tanzen eigentlich nicht so viel am Hut hat und nicht immer ganz so freiwillig mitkommt. Es ist für mich ein großes Kompliment, wenn so jemand am Ende dann auf mich zukommt, weil er ganz überrascht ist, wie viel Spaß er eigentlich hatte, und gerne weitermachen möchte.

Dabei ist mir wichtig, dass sie sich alle in der Stunde wohlfühlen. Denn jemand, der vermeintlich zwei linke Füße hat, ist erst mal unsicher und denkt vielleicht, dass alle anderen auf ihn schauen. Dabei ist das gar nicht so. Ich versuche erst mal, alle einfach mitmachen und erleben zu lassen. Erst einmal laufen und ein Gefühl für die Bewegung zu bekommen.

Bei uns tanzen Klein und Groß. Die jüngsten sind zwei Jahre alt und kommen mit Mama oder Papa. Unsere älteste Tänzerin wird im Dezember 90 Jahre alt. Bei unserem Tanz- und Fitnessangebot „MOVITA“ für Damen im besten Alter hält sie sich fit. Nachdem ich vor ca. zwölf Jahren die Zusatzausbildung absolviert habe, habe ich diese Sparte bei uns eingeführt und aufgebaut. Hier kommen Frauen zu uns, die ganz ohne Partner viel Spaß beim Tanzen haben. Besonders schön ist auch der gemeinsame Kaffee danach. Dann sitzen alle noch eine Weile zusammen und können sich austauschen.

Tanzen ist einfach toll und ist etwas, was ich aus meinem Leben nicht mehr wegdenken möchte. Meine persönlichen Lieblingstänze sind Rumba und Slowfox, weil sie langsam und gefühlvoll sind.

Dabei braucht es für mich nicht immer eine strenge Definition. Wenn ich mich zur Musik bewege, dann ist das Tanzen – ganz egal, ob dieser Tanz einen Namen hat oder ob es einfach nur Bewegung zur Musik ist. Es macht einfach glücklich.

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