Vorbereitung für ein nationales Kirchengremium
Am Samstag endete die letzte Vollversammlung des Synodalen Wegs zur Zukunft der katholischen Kirche in Deutschland.
Nach dem offiziellen Abschluss des Reformprojekts Synodaler Weg laufen die Vorbereitungen für ein neues nationales Gremium der katholischen Kirche in Deutschland. In einer Synodalkonferenz wollen Bischöfe und Laien ihre Beratungen über mögliche Reformen fortsetzen. Wie das geplante Gremium besetzt sein soll, war Thema einer der Aussprachen auf der letzten Vollversammlung des Synodalen Weges, die am Samstag in Stuttgart endete.
Gesetzt sind die Bischöfe der 27 deutschen Bistümer. Dazu kommen 27 Vertreter des Zentralkomitees der deutschen Katholiken sowie 27 weitere Katholikinnen und Katholiken. Nach welchen Kriterien und Modalitäten diese 27 Plätze zu besetzen sind, soll in den kommenden Wochen geklärt werden.
Bestätigung aus Rom erforderlich
Damit die Synodalkonferenz wie vorgesehen ihre Arbeit ab November aufnehmen kann, müssen die Bischöfe das neue Gremium bestätigen. Außerdem bedarf es einer Zustimmung aus dem Vatikan. Am Rande der Synodalversammlung in Stuttgart kündigte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck an, bald nach Rom zu reisen, um diesen Schritt in einem abschließenden Klärungsgespräch vorzubereiten.
Unterdessen zog das Präsidium des Synodalen Weges nach mehr als fünf Jahren intensiver und teils kontroverser Debatten von Bischöfen und Laien eine positive Bilanz des Ende 2019 gestarteten Dialogs zur Zukunft der Kirche. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, sagte: „Es geht um Erneuerung und um Umkehr der Kirche. Das verbindet den synodalen Prozess auf Weltebene mit dem Synodalen Weg in Deutschland.“ Das Prinzip der Synodalität schwäche nicht die Autorität der Bischöfe sondern stärke sie.
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, erinnerte an den Missbrauchsskandal als Auslöser des Prozesses. Die Kirche könne nun mit einem Mehr an Menschenrechten und Teilhabe ihre Aufgabe in der Gesellschaft wirkungsvoller angehen, sie müsse ein Gegengewicht gegen undemokratische Tendenzen in der Welt sein.
Kontrovers beurteilten die rund 180 Teilnehmenden in Stuttgart die Wirksamkeit des bisherigen Dialogs sowie die Umsetzung der gefassten Beschlüsse. Dazu zählen Forderungen nach mehr Mitbestimmung und Befugnissen für Laien, also Nichtgeistliche, der Zugang von Frauen zu Weiheämtern, Segnungen für homosexuelle Paare und eine bessere Missbrauchsprävention.
Unmut und Enttäuschung gab es bei dem dreitägigen Treffen in Stuttgart etwa über das Ausbleiben von Antworten aus Rom auf Briefe des Synodalen Wegs. Ein Monitoring zur Umsetzung der Beschlüsse ergab, dass zwar viele Bistümer damit begonnen haben, bis zu einer umfassenden Umsetzung aber vielerorts noch ein weiter Weg sei. Als Hindernisse wurden knappe personelle und finanzielle Ressourcen genannt.
Johannes Norpoth, Mitglied im Betroffenenbeirat bei der Deutschen Bischofskonferenz, beklagte weiterhin bestehende massive Defizite bei der Missbrauchsaufarbeitung. Es gebe aber auch positive Effekte: „Dass wir heute hier sitzen und offen über Macht und Gewaltenteilung, über Geschlechtergerechtigkeit, über die Sexuallehre dieser Kirche und über die Lebensform des Klerus sprechen, ist keine Selbstverständlichkeit.“
Enttabuisierung von Themen
Eine vorgestellte Evaluation der Katholischen Universität Eichstätt untersuchte die Effekte des Synodalen Wegs aus Sicht der Teilnehmer; etwa die Hälfte beteiligte sich daran. Demnach haben die Befragten mehrheitlich den Eindruck, dass der Synodale Weg nur „einen geringen Beitrag zur Behebung systemischer Ursachen sexualisierter Gewalt oder im Wiedergewinnen verloren gegangenen Vertrauens in der Kirche“ erbracht habe. Einen „großen Beitrag“ habe der Synodale Weg hingegen zur Enttabuisierung von Themen und zur Anerkennung diskriminierter Gruppen geleistet.
Der Synodale Weg war 2019 unter dem Eindruck des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche ins Leben gerufen worden. Initiiert hatten ihn die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam mit dem Laien-Dachverband ZdK. Der Vatikan zeigte im Verlauf des Prozesses immer wieder Grenzen auf, zuletzt kam es aber zu einer Annäherung.
KNA