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26.06.2026
Foto / Quelle: Dominik Wolf/KNA

Steigende Eis-Preise: Armut schmeckt bitter, auch im Eissalon

Eine Kugel Vanille-Eis – die kostet an vielen Orten in Deutschland mittlerweile mindestens zwei Euro, in Berlin sogar meist mehr. Für manche Familien ist das zu teuer. Politiker ermuntern deshalb jetzt zum Soli-Eis.

Berlin/Hamburg

Wer als fünfköpfige Familie in Berlin Eis essen will, kommt unter zehn Euro in der Regel nicht aus der Nummer raus; oftmals reicht das Geld nicht einmal – denn mancherorts kostet eine Kugel sogar mehr als drei Euro wie etwa in den fünf Berliner Filialen von „Hokey Pokey“: 3,20 Euro muss man hier für eine einzelne Kugel hinlegen – teuer, auch wenn es sich um zugegebenermaßen außergewöhnliche handgemachte Sorten wie etwa Bananeneis mit Erdnussbutter handelt. Längst vorbei die Zeiten, in denen eine Kugel Schokoladeneis noch 40 Pfennig kostete.

Aus Geldgründen auf Eis aus dem Eissalon verzichten müssen – das sollte kein Kind, findet der Berliner Grünen-Politiker Benedikt Lux. „Soziale Ausgrenzung wird an so etwas wie einem Eisbesuch sichtbar“, so der vierköpfige Familienvater. „Das ist doch herzzerreißend.“ Es sei auch nicht dasselbe, wenn man mit seiner Familie in den Supermarkt gehe und sich dort eine Packung Eis kaufe, als seine selbst ausgesuchte Kugel im Hörnchen draußen vor der Eisdiele zu essen.

Hürden für Eiskauf niedriger machen

Deshalb ist er der Meinung, dass man die Hürden für den Eiskauf niedriger machen muss. Es brauche eine andere Kultur. „Das ist ein Appell der Mitmenschlichkeit“, so der Katholik, der sich in dieser Hinsicht vieles vorstellen kann. Er verweist auf die Eisdiele „SchneeEisschen“ in Berlin-Friedrichshain: Dort könnten Kunden etwa eine Kugel mehr bezahlen, als sie selbst essen. Oder man mache es von der Sorte abhängig – und verkaufe eine Sorte preiswerter, schlägt Lux vor.

Bereits im vergangenen Jahr hatte sich der Abgeordnete gemeinsam mit weiteren Berliner Grünen eine Art freiwillige Eispreisbremse von den Eisdielen gewünscht: Benachteiligte Kinder sollten die Kugel für maximal 50 Cent bekommen; die Resonanz der Eisdielen sei allerdings mäßig gewesen, gibt Lux zu.

Hamburger Aktion wieder eingestellt

Eine Solidaritätsaktion hat die Eiskette „Luicella’s Ice cream“ in Hamburg bereits vor ein paar Jahren gestartet: Dort konnte man im Sommer 2022 immer am letzten Montag des Monats die Kugel für die Hälfte des regulären Preises bekommen – das war damals ein Euro pro Kugel. Dafür sollte man einfach an der Kasse sagen, dass man sich eine normale Kugel gerade nicht leisten könne.

Betreiber Markus Deibler sagt allerdings, sie hätten das Angebot wieder eingestellt – weil es keine einzige Einlösung gegeben habe. „Es hat nicht eine Person genutzt.“ Dafür lohne sich der Aufwand nicht, alle Servicekräfte zu instruieren.

Lux findet das nachvollziehbar, sagt aber auch: „Armut ist mit Scham verbunden.“ Viele wollten sich vielleicht auch nicht outen – genau wie viele es vielleicht vermeiden, sich bei der Tafel wegen Lebensmitteln anzustellen, sagt er. Das heiße nicht, dass kein Bedarf da sei.

Die Tafel selbst sieht die Idee mit gemischten Gefühlen. Vorsitzender Andreas Steppuhn sagte der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA): „Vorschläge wie ein ‚Soli-Eis‘ mögen gut gemeint sein, lösen aber das eigentliche Problem nicht. Die Realität ist, dass sich viele Familien selbst kleine Alltagsfreuden wie eine Kugel Eis kaum noch leisten können. Statt über die Vergünstigung einzelner Produkte zu diskutieren, brauchen wir armutsfeste Sozialleistungen und wirksame Maßnahmen gegen Kinderarmut.“

Hohe Kosten der Eisdielen

Auch die Eisdielen kämpfen demnach mit gestiegenen Kosten. Der Hamburger Eisladen-Besitzer Deibler etwa findet die hohen Eis-Preise generell gerechtfertigt: „Es ist ein wenig schade, dass beim Produkt Eis immer mit dem Kugelpreis von vor einigen Jahrzehnten verglichen wird“, sagt er. „Es wird nicht beachtet, dass die Kugeln inzwischen viel größer sind – 80 statt 30 Gramm – und in welchem Ausmaß alle Kosten für die Eisdielen gestiegen sind.“ Als Beispiel nennt er vor allem die Personalkosten. „Vor 30 Jahren haben Aushilfen noch für 5 Mark gearbeitet, heute liegt der Mindestlohn bei 14 Euro.“ Das sei mehr als fünf Mal so viel. Ähnlich sei es bei Mieten, Rohwaren- und Energiekosten. „Niemandem machen Preiserhöhungen Spaß“, so Markus.

Trotzdem gibt es immer noch Eisdielen in Berlin und anderswo, die eine Kugel für unter zwei Euro verkaufen. Das nachhaltig produzierte Florida-Eis etwa – in den beiden Spandauer Eisdielen kostet eine Kugel 1,70 Euro. Oder das Restaurant „Miteinander“ in Berlin-Friedenau: Dort kann man nachmittags die ganze Woche lang handgemachtes Eis in der Waffel kaufen – für den Preis von 1,50 Euro pro Kugel.

KNA
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