So viel tragen Milliardäre zum Klimawandel bei
Zum Wohl des Klimas sollte jeder an seinem Lebensstil feilen. Doch was wenn eine kleine Gruppe viel mehr CO2 produziert als alle anderen zusammen?
Der Lifestyle der Superreichen dieser Welt trägt laut einer neuen Berechnung an nur einem Tag mehr zum Klimawandel bei als andere Menschen im ganzen Jahr. Besonders Privatjets und Investitionen in klimaschädliche Industrien wie Öl, Gas oder Chemie sind dabei die maßgeblichen Treiber, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Bericht der Entwicklungsorganisation Oxfam hervorgeht. Dazu wurde der Lebensstil von 1.000 Milliardärinnen und Milliardären untersucht.
Demnach haben alleine die Privatjets der Superreichen im vergangenen Jahr zusammengenommen in nur zwei Sekunden mehr klimaschädliches Kohlenstoffdioxid produziert als ein Mensch aus den ärmeren 50 Prozent der Weltbevölkerung im ganzen Jahr. Insgesamt verursachten Privatjets 2025 rund 16 Millionen Tonnen CO2, ein einzelner Flug stößt durchschnittlich 3,7 Tonnen des Treibhausgases aus – fast so viel wie ein Mensch im weltweiten Durchschnitt in einem Jahr.
Zudem investierten Milliardärinnen und Milliardäre durchschnittlich 71 Prozent ihres Vermögens in klimaschädliche Sektoren. Die daraus folgenden Investitionsemissionen beliefen sich auf 486 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente; damit hat ein Milliardär im Durchschnitt durch Investitionen in etwas mehr als einer Minute mehr CO2 verursacht als ein Mensch aus der ärmeren Hälfte der Menschheit im Jahr.
Deutsche Reiche über dem Durchschnitt
Auch zu 49 Superreichen aus Deutschland gibt der Bericht konkrete Zahlen. Bei diesen lagen demnach die Investitionsemissionen bei 704.881 Tonnen CO2-Äquivalenten und damit weit über dem internationalen Durchschnitt. Die rund 55.000 Starts von Privatjets an deutschen Flughäfen 2025 hätten in weniger als einer halben Stunde mehr CO2 als ein Durchschnittsbundesbürger im gesamten Jahr produziert.
Das Entwicklungswerk verurteilt eine Unverhältnismäßigkeit. „Überreiche treiben die Welt in den Klimakollaps“, so der Oxfam-Referent Manuel Schmitt. „Nur die Wenigsten nutzen überhaupt Privatjets oder besitzen Milliardenvermögen. Diese kleine Minderheit verantwortet mit ihrem Luxuskonsum und ihren Investitionen jedoch unverhältnismäßig viele Emissionen – auf Kosten der Mehrheit.“
Wer CO2 produziert soll auch zahlen
Die Klimakrise sei deshalb auch eine Frage der sozialen Ungleichheit. Oxfam fordert, Superreiche stärker finanziell zur Bekämpfung des Klimawandels in die Pflicht zu nehmen, etwa durch zusätzliche Besteuerung. „Hohe Vermögen, Privatjets und Übergewinne, insbesondere fossiler Konzerne, müssen stärker besteuert werden, damit diejenigen, die besonders viel zur Klimakrise beitragen, auch einen besonders hohen Beitrag zu ihrer Bewältigung leisten“, erklärte Schmitt.
Zudem müssten wirtschaftlich benachteiligte Länder und ärmere Bevölkerungsschichten stärker bei der Bewältigung der Klimakrise unterstützt werden.
KNA