2 Min.
16.10.2026
Ankunft von Papst Leo XIV. bei der Gemelli-Klinik am 13. Oktober 2026 in Rom (Italien).
Foto / Quelle: Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA

Sie haben das Leben des Papstes in ihrer Hand

Zwei Mediziner sind derzeit entscheidend: Der eine ist Notfallmediziner, der andere hoch spezialisiert auf dem Gebiet der Thorax-Chirurgie.

Rom

Mediziner, die sich um das Wohlergehen eines Papstes kümmern, bleiben meist im Hintergrund – bis es ernst wird und von ihrem medizinischen Handeln das Leben eines der prominentesten Menschen auf Erden abhängt. Plötzlich stehen sie im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses – und übernehmen dann auch die Regie bei der medizinischen Kommunikation.

So ergeht es derzeit den beiden italienischen Ärzten Luigi Carbone (54) und Stefano Margaritora (66). Beide sind auf ihrem Gebiet absolute Profis. Carbone ist eigentlich Spezialist für Notfallmedizin. Auf diesem Gebiet sind rasche Diagnostik und schnelles Handeln auch in ungewöhnlichen Situationen gefordert.

Carbone ist mehr als nur "Leibarzt"

Das prädestiniert ihn für die Rolle des „Leibarztes“, der den Papst auf seinen oft extrem anstrengenden und potenziell auch riskanten Reisen begleitet. Ob bei einem Attentat, bei einem Unfall oder bei einem medizinischen Notfall wie einem Infarkt oder einem Schlaganfall – Carbone wäre in jedem Fall der Mann der Stunde.

Daneben leitet der Mediziner, gewissermaßen im Hauptberuf, im Vatikan den wichtigen Bereich für Gesundheit und Hygiene. Denn der Ministaat, in dem fast 5.000 Menschen arbeiten, ist in medizinischer Hinsicht kein einfaches Pflaster. Überdurchschnittlich viele Menschen in leitenden Positionen sind hier alt oder hochbetagt – liegt doch die „Aktivitätsgrenze“ für Kurienkardinäle bei 80 Jahren. Hinzu kommt eine bunte Mixtur von Menschen aus unterschiedlichsten, auch tropischen Ländern, von denen manche komplizierte medizinische Vorgeschichten mitbringen.

Als Leibarzt des Papstes ist Carbone auch dann immer mit im Boot, wenn es um Diagnosen, Operationen und andere planbare Eingriffe und Behandlungen geht. Er begleitete Leo XIV. am 13. Oktober in die Gemelli-Klinik, wo dem 71-Jährigen ein Lungenlappen entfernt wurde, in dem sich ein bösartiger Tumor gebildet hatte.

Ein Thorax-Chirurg übernahm die Regie

Die Regie bei der Operation, an der insgesamt acht Ärzte mitwirkten, übernahm dann Professor Margaritora. Der leitende Thorax-Chirurg der Gemmelli-Klinik ist weit über Italiens Grenzen hinaus als Spezialist für Operationen im Atemwegsbereich bekannt. Er spezialisiert sich seit vielen Jahren auf Eingriffe, die dank der Unterstützung spezieller Mikro-Kameras ohne das Aufschneiden des Brustkorbs auskommen.

Diese als „Uniportal Video Assisted Thoracic Surgery“ (Mikroinvasive videounterstützte Thorax-Chirurgie) bekannte Technik beherrscht er wie nur wenige andere. Er hat darüber zahlreiche wissenschaftliche Publikationen geschrieben und Vorträge gehalten, unter anderem auch 2017 an der Charité in Berlin. Mit dieser Technik konnte Margaritora schon zahllose Krebs-Patienten operieren und ihnen das Leben retten – ohne sie dem traumatischen Eingriff einer chirurgischen Öffnung des Brustkorbs auszusetzen.

Schon einmal hätten sich die Wege des prominenten Chirurgen und seines noch prominenteren Patienten kreuzen können: 1988, als Pater Robert Prevost noch Missionsdirektor der Augustinerprovinz von Illinois war, absolvierte Margaritora gerade ein Auslandsstudium im benachbarten US-Bundesstaat Michigan.

Heikle Kommunikation an die Medien

Nach der Lungen-OP des Papstes haben die beiden so unterschiedlichen Mediziner Carbone und Margaritora gemeinsam die heikle Kommunikation an die Medien übernommen. Sie veröffentlichen dabei keine kompletten ärztlichen Bulletins mit Daten wie Herzfrequenz oder Blutdruck des Patienten. Vielmehr beschränken sie sich auf die wesentlichen Informationen.

Sie tun dies in einer Sprache, die medizinisch eindeutig, aber auch für Nichtmediziner einigermaßen verständlich ist. In der Mitteilung nach der päpstlichen Lungen-OP sprachen sie unmissverständlich von einem Adenokarzinom, das entfernt wurde.

Von da an war allen klar, dass es sich um einen bösartigen Tumor handelte. An welchem Punkt und in welchem Umfang die Mitteilungen der beiden Spitzen-Mediziner noch durch das vatikanische Staatssekretariat verändert und gefiltert werden, bleibt dennoch eines der bestgehüteten Geheimnisse im Staat des Papstes.

KNA
0 Kommentare
Älteste
Neuste