Religiosität kann gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken
Neue Studie zeigt: Zwischen den Religionsgemeinschaften gibt es deutliche Unterschiede.
Religiosität kann einer neuen Studie zufolge den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Menschen mit mittlerer oder hoher Religiosität erreichen im neuen Religionsmonitor der Bertelsmann-Stiftung im Durchschnitt höhere Zusammenhaltswerte als wenig oder gar nicht religiöse Menschen. Zugleich zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Religionsgemeinschaften.
Wie die Stiftung am Dienstag mitteilte, erreichen wenig oder gar nicht religiöse Befragte im Gesamtindex durchschnittlich 49 Punkte. Bei mittelreligiösen Menschen sind es 53 Punkte, bei Hochreligiösen 52 Punkte.
Gelebter Glaube zählt
„Religion kann soziale Beziehungen festigen, Hilfsbereitschaft fördern und Menschen zum Engagement motivieren“, erklärte die Mitautorin der Studie, Yasemin El-Menouar. Entscheidend sei offenbar weniger die bloße Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft als die gelebte religiöse Praxis und die soziale Einbindung, so die Soziologin und Islamwissenschaftlerin.
Für die repräsentative Untersuchung wurden im März gut 5.000 Menschen zwischen 18 und 94 Jahren befragt. Der Index misst den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf einer Skala von 0 bis 100. Dabei bündelt er Angaben der Befragten zu sozialen Kontakten, Vertrauen, Zugehörigkeit, Engagement und weiteren Faktoren.
Insgesamt hat sich demnach der gesellschaftliche Zusammenhalt in Deutschland nach einem deutlichen Rückgang wieder verbessert. Der Gesamtindex stieg von 46 Punkten im Jahr 2023 auf 51 Punkte. 2017 hatte er bei 54 Punkten und 2020 bei 55 Punkten gelegen. Das frühere Niveau ist damit noch nicht wieder erreicht.
Muslime erreichen niedrigsten Wert
Besonders erholt haben sich die sozialen Beziehungen. Deren Wert stieg von 49 Punkten 2023 auf 57 Punkte. Das Vertrauen in die Bundesregierung liegt dagegen wie 2023 bei 37 Punkten. Das Gerechtigkeitsempfinden fällt mit 25 Punkten auf den niedrigsten Wert seit 2017.
Evangelische Befragte erreichen im Gesamtindex durchschnittlich 55 Punkte, katholische 53 Punkte, Konfessionslose 49 und muslimische Befragte 46 Punkte. Die Stiftung warnt jedoch, den vergleichsweise niedrigeren Wert muslimischer Befragter mit einer geringeren Bereitschaft zu Solidarität oder gesellschaftlichem Engagement gleichzusetzen.