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29.09.2026
Landespfarrer Dieter Bökemeier.
Foto / Quelle: Lippische Landeskirche

Anziehungskraft für Nazis: Hermann und Externsteine

Fachleute informierten über die rechtsextreme Szene in Lippe.

Detmold/Kreis Lippe

Dass im Kreis Lippe zahlreiche rechtsextreme Personen, Gruppen und Organisationen vorhanden sind, ist lange bekannt. Mit der aktuellen Situation, mit Aktivitäten, Bewegungen, Querverbindungen und Hintergründen beschäftigt sich seit 1993 der Bielefelder Verein „Argumente & Kultur gegen rechts“. Janine Lehbrink und Jan Raabe berichteten auf Einladung der Lippischen Landeskirche und des Forums offenes Detmold über die rechtsextreme Szene in Ostwestfalen-Lippe, wobei der Schwerpunkt auf Lippe lag. Landespfarrer Dieter Bökemeier konnte in der vollen evangelisch-methodistischen Kirche Detmold 150 Personen begrüßen.

Der Verein analysiert zum Beispiel Jugend- und Musikkulturen, Zeitschriftenprojekte, Verlage und diverse andere Medien. Dabei geht es den Ehrenamtlichen darum, Argumentationsmuster zu identifizieren, Entwicklungen darzustellen und Problemlagen realistisch einzuschätzen.

Wiking-Jugend wurde 1992 verboten

Und diese Einschätzung war bedrückend und Besorgnis erregend. Ein Rückblick: 1952 formierte sich nach dem Vorbild der Hitlerjugend die Wiking-Jugend, die 1992 verboten wurde. Daraufhin bildete sich die Heimattreue Deutsche Jugend (HDJ). Sie wurde 2009 verboten, nicht zuletzt auf Grund zivilgesellschaftlichen Drucks. Schon vorher trat in Lippe die „Einheit Hermannsland“ auf. Eine aktive Rolle spielte und spielt weiterhin hier die Familie Ulrich in Detmold. Nach dem Verbot soll es im Umfeld ihres Wohnorts weitere Aktivitäten und Versammlungen gegeben haben. Später gehörten Familienmitglieder zur danach ebenfalls wegen der „Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus“ verbotenen „Artgemeinschaft“. Nach 2010 gründete sich außerdem die Gruppe „Jungadler“, die zur HDJ deutliche Parallelen aufweist.

Der Aufstieg der AfD und ihre Entwicklung zur rechtsextremen Partei – so stufte sie der Verfassungsschutz 2025 ein – hat Folgen auch in Lippe. Es gibt Überschneidungen und Verbindungen lippischer Kommunalpolitiker zur Neonazi-Szene. Der Detmolder AfD-Stadtrat Viktor Hübner, der Bürgermeister werden wollte, pflegte nachweislich Kontakte zur extrem rechten „Aktion Hermannsland“. Weitere Beispiele: Enrique Feldhaar, Mitglied des lippischen Kreistags, ist Finanzbeauftragter der AfD-Jugendorganisation „Generation Deutschland“ (GD). Er nahm 2023 in Detmold an einer Solidaritätsaktion für die „Artgemeinschaft“ teil. Der Ortsbürgermeister von Detmold-Herberhausen, Kornej Langlitz, den die AfD für dieses Amt vorgeschlagen hat, beteiligte sich an Schilder-Aktionen des mehrfach vorbestraften Neonazis Gerd Ulrich.

Besonders prominent in der Szene ist der lippische Influencer und Motorradclub-Präsident Timm Kellner, dem nach eigenen Angaben 487.000 Personen auf verschiedenen Kanälen folgen. Er nennt sich „love priest“, Liebespriester, und stand wegen Beleidigung bereits vor Gericht. Das nutzte er als Bühne und ließ sich anschließend von seinen Gefolgsleuten feiern. Seine Videos bezeichnet er als „Kunst“ und „Satire“ und verbreitet unter diesem Deckmantel rassistische, sexistische und andere menschenverachtende Positionen. Seine Kontakte zu dem österreichischen Rechtsextremen Martin Sellner sind öffentlich, die AfD holte ihn als Redner zu Veranstaltungen.

Fragwürdige Anziehungskraft

Dass das Hermannsdenkmal und die Externsteine auf Neonazis besondere Anziehungskraft ausüben, zeigt sich dort immer wieder an Treffen, Versammlungen und „patriotischen Wanderungen“. Im Verbund mit anderen Rechtsextremen benutzt die AfD die Figur des Hermann ideologisch, um ihn auf kitschigen Plakaten als Kämpfer gegen Windkrafträder zu präsentieren.

„Wir sammeln, informieren, analysieren“, sagte Jan Raabe zum Abschluss des Vortrags. „Wir brauchen die Diskussion darüber, wie die AfD nicht weiter hochkommt. Was zu tun ist, müssen wir gemeinsam herausfinden.“

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