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09.04.2024
Am Sonntag (14.4.) lädt die Stiftung Kloster Dalheim zum Familientag "Et labora! Handwerk im Kloster" in das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Lichtenau-Dalheim (Kreis Paderborn) ein.
Foto / Quelle: Kloster Dalheim

Historisches Handwerk zum Mitmachen

Familientag „Et labora!“ im Kloster Dalheim mit Programm  für Kinder und Erwachsene

Lichtenau-Dalheim

Es fliegen die Funken, das Mühlrad klappert und der Backofen glüht: Am Sonntag (14.4.) lädt die Stiftung Kloster Dalheim zum Familientag „Et labora! Handwerk im Kloster“ in das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Lichtenau-Dalheim (Kreis Paderborn) ein.

Von 11 bis 17 Uhr lassen 17 Gewerke auf dem weitläufigen Gelände des ehemaligen Klosters Dalheim historische Handwerkskunst von der Bäckerei bis zur Weberei lebendig werden. Familien gehen gemeinsam auf Entdeckertour über das Klostergelände und schauen den Handwerker:innen in Bäckerei, Brauerei, Brennerei, Drechslerei, Gärtnerei, Imkerei, Korbflechterei, Mühle, Schäferei, Schmiede, Schreinerei, Stellmacherei, Töpferei und Weberei bei ihrer Arbeit über die Schulter.

Beim Mitmach-Programm werden Kinder an insgesamt zwölf Stationen selbst aktiv. Die Veranstaltung findet zum achten Mal statt und ist mittlerweile fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders des LWL-Landesmuseums für Klosterkultur. Für schlechtes Wetter hat das Museum eine Regenvariante vorbereitet.

Mitmach-Programm für Kinder

Herzstück des „Et-labora!“-Programms sind die Mitmach-Aktionen für Kinder. An zwölf Stationen auf dem Klostergelände ist am Sonntag ihr Einsatz gefragt: Los geht es in der Gärtnerei, wo sie Saatkugeln mit verschiedenen Pflanzensamen drehen können. In der Bäckerei wartet süßer Brezelteig darauf, in Form gebracht und in den historischen Ofen geschoben zu werden. Für den kleinen Durst zwischendurch ist in der Brauerei vorgesorgt: Hier gibt es Wasser zum Aromatisieren und Selbstabfüllen. Nach dem Vorbild der großen Reeperbahnen werden in der Seilerei Kordeln aus Jutegarn gedreht.

In der Zimmerei üben sich die Kinder beim Bau eines Fachwerkhauses. Sie erkunden den Wald- und Holzparcours beim Gewerk Försterei, wickeln Pompontiere aus Wolle in der Schäferei, rollen Kerzen aus Bienenwachs und gießen dazu passende Kerzenständer aus Gips in der Imkerei. In der Stellmacherei werden Holzscheiben zu kleinen Tiere, und in der Korbflechterei flechten Kinder Körbchen aus Peddigrohr. Für den heimischen Garten oder Balkon biegen sie in der Schmiede Pflanzenstecker aus Aludraht. In der Weberei werden Freundschaftsbänder gefertigt und Baumwolltaschen bedruckt, um die in eigener Handarbeit hergestellten Klosterwerkstücke sicher nach Hause zu bringen. Eine kleine Erinnerung an den Handwerkertag im Kloster erstellen sich die Kinder an der Button-Presse.

Wer möchte, erkundet das Klostergelände und den Ort Dalheim auf der Pferdekutsche. Zum Austoben gibt es den Klosterspielplatz oder es geht gemeinsam mit den Eltern in den Bewegungsparcours der DJK Dortmund. Schafe und Hühner freuen sich über Besuch und Streicheleinheiten.

Geschichte zum Anfassen

Insgesamt 17 Gewerke warten beim Familientag „Et labora!“ auf junge und erwachsene Besuchende. Viele präsentieren sich auf dem rund 7,5 Hektar großen Klostergelände an den historischen Stätten darunter Bäckerei, Brauerei, Mühle, Schmiede und Stellmacherei – einige von ihnen stammen noch aus Klosterzeiten, andere wurden in der Zwischenzeit restauriert oder modernisiert. Rund 2,5 Hektar Gartenfläche hat das Museum nach barockem Vorbild neugestaltet. Im ehemaligen „Sassenhaus“ zogen große Schaftwebstühle und Spinnräder ein. Schafe, Bienen und Esel leben wieder auf dem Klostergelände.

Sie alle lassen traditionelles, teils vergessenes, Handwerk wieder lebendig werden. „Die vielfältigen Eindrücke machen die große Faszination des Programms aus. Die Gäste lauschen dem Schleifen des Mahlsteins in der Mühle, beobachten das Treiben rund um einen Bienenstock, sehen in Schreinerei und Drechslerei die Späne fliegen und legen selbst Hand an“, sagt Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky. „Eine solche Veranstaltung ist ein idealer Familienausflug. Kinder und Erwachsene können hier gemeinsam einen ganzen Tag verbringen, zusammen staunen, werkeln und nebenbei etwas über unsere Geschichte lernen.“

Das Handwerk: Der Herzschlag eines Klosters

Mit dem „Et labora!“-Tag geht das Museum auch einer wichtigen Facette der klösterlichen Kultur nach: Bereits vor 1.500 Jahren ernannte der Heilige Benedikt neben dem Gebet auch die Arbeit zu einem der Grundpfeiler des Klosterlebens. Später wurde daraus das berühmte „Ora et labora“ (lat.: Bete und arbeite). An diese Regel hielten sich auch die Augustiner-Chorherren, die sich in Dalheim im 15. Jahrhundert ansiedelten. Als Selbstversorger betrieben sie unter anderem eine Brauerei, bewirtschafteten Felder und züchteten Schafe. Weil sie fast alles, was sie zum Leben brauchten, innerhalb der Klostermauern selbst herstellten, waren sie unabhängig von der Außenwelt. „Mit ‚Et labora!‘ begeben wir uns auf die Spuren der ehemaligen Bewohner des Klosters, die schon vor mehr als 500 Jahren in Dalheim Hammer und Meißel schwangen“, so Dr. Christiane Wabinski, Referentin für Kulturvermittlung der Stiftung Kloster Dalheim.

„Heute sind es vor allem unsere Handwerkerinnen und Handwerker, die die Werkstätten und das Gelände mit Leben erfüllen“, sagte Grabowsky. Er bedankte sich bei Willi Zacharias (Bäckerei), Hermann Zinser (Brennerei), Linus Kämper (Drechslerei), Andreas Meyer (Försterei), Andreas Bogel (Gärtnerei), Andreas Gievers (Imkerei), Claudia Gensch (Korbflechterei), Burkhard Jüstel (Mühle), Georg Münstermann (Schäferei), Werner Gerke (Schmiede), Joachim Ernesti (Schreinerei), Franz-Josef Mertens und Hannes Andre (Stellmacherei), Sr. Catherina aus der Benediktinerinnenabtei Herstelle (Töpferei) sowie Roswitha Neumann und Ulrike Loth (Weberei) für ihr Engagement. 

Foto / Quelle: Kloster Dalheim

Ein Stück Dalheim für Zuhause

Neben den Handwerksvorführungen und dem Mitmachprogramm für Kinder können Interessierte die Produkte aus dem Kloster Dalheim probieren und mitnehmen: frischgebackenes Brot und Kuchen aus dem historischen Dalheimer Steinbackofen, Spirituosen aus der Brennerei und Dalheimer Honig. Im Klostergarten ernten Besucher:innen Samen und können gegen eine kleine Spende überschüssige Stauden mit nach Hause nehmen.

Rahmenprogramm

Der Verein der Freunde des Klosters Dalheim e.V. lädt zum ersten Mal beim „Et-labora!“-Tag zu einem Kräuterrätsel ein. Bei kostenlosen öffentlichen Führungen lernen Besucher:innen die mittelalterliche Klausur (13.30 Uhr und 15 Uhr) kennen. Für Essen und Trinken sorgt Familie Brand vom Dalheimer Klosterwirtshaus mit einem Verpflegungsstand auf dem Gelände, und das Blechbläserensemble „Feinblech“ steuert die musikalische Untermalung bei.

Eintrittspreise

Erwachsene zahlen beim „Et labora!“-Tag 7 Euro, Ermäßigte 3,50 Euro. Für Kinder/Jugendliche (bis 17 Jahre) sowie Besitzer der LWL-MuseumsCard (auch LVR-Museumskarte) ist der Eintritt frei. Bei der Teilnahme am Kinderprogramm entstehen Materialkosten von 7 Euro pro Kind. Ab 16 Uhr kostet das Mitmachprogramm 3,50 Euro, da ab dann nicht mehr alle Stationen durchlaufen werden können. Ein freier Zugang zum Klosterwirtshaus ist am „Et labora!“-Tag nicht möglich.

Hintergrund

Die Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur ist eines der 18 Museen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) und Deutschlands einziges Landesmuseum für klösterliche Kulturgeschichte. Es wird gemeinsam vom LWL und der Stiftung Kloster Dalheim getragen und ist beheimatet in dem rund 800 Jahre alten ehemaligen Kloster Dalheim. Ausgehend von der eigenen Geschichte lädt das Haus ein, die Welt der europäischen Klosterkultur zu entdecken.

(lwl)
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