Hier gibt’s alles!
„Wo hast du das her?“ Immer öfter lautet die Antwort: „Aus dem Internet!“ Ordern vom Sofa aus am Bildschirm mag bequem sein, doch etwas Wichtiges fehlt!
Genau das bekommt man auf dem Pottmarkt zu Libori quasi an jeder Ecke, und doch immer wieder unterschiedlich und abwechslungsreich: das vielzitierte „Einkaufserlebnis“ – und zwar so, wie nur in dieser einen Woche rund um den Paderborner Dom. Wobei ein wichtiger Punkt noch hinzukommt: Man findet dort Dinge, die man gar nicht gesucht hat! Vieles davon möchte man nach dieser unverhofften Entdeckung nicht mehr missen! Mancher wird sich verwundert die Frage stellen, wie er eigentlich so lange ohne auskommen konnte.
Vielleicht zählt die Grillmatte, die an einem Stand im Schatten des Doms angeboten wird, auch zu dieser Art von Utensilien. Von Männern heißt es ja, dass sie technischen Innovationen besonders aufgeschlossen gegenüberstehen. Vielleicht eine interessante Sache: das eher „archaische“ Zubereiten von Fleisch oder Gemüse auf offenem Feuer in Kombination mit einem „Hightech“-Produkt. Laut „Big Alex“ hebt das von ihm angebotene Produkt das Grillen „auf eine neue Ebene“. Wie das geht, zeigt er in der Praxis: Virtuos schwingt er die Grillzange, wendet Fleisch- und Gemüsestücke, um sie anschließend mit den passenden Worten seinem Publikum zu präsentieren.
Das klingt nicht nur überzeugend, sondern sieht auch noch ausgesprochen schmackhaft aus. Und die Tatsache, dass er nicht nur Fleisch auf dem Grill hat, dürfte auch diejenigen seiner Zuhörer überzeugen, für die es kein „Sakrileg“ darstellt, neben den üblichen Würstchen und Nackensteaks auch Pflanzliches von Aubergine bis Zucchini auf offenem Feuer zuzubereiten. Abgesehen davon wird vom Mann mit dem grauen Vollbart auch noch jede Menge „Grill-Grundwissen“ vermittelt, etwa wenn er erklärt, was welche Temperatur braucht oder was man unbedingt vermeiden sollte, damit Geschmack und Gesundheit nicht leiden.
Grillmatten bei „Big Alex“
Wenn jemand so imposant, freundlich und kompetent für sein Produkt wirbt wie „Big Alex“, kann man eigentlich nicht Nein sagen. Denn jeder kennt doch die ärgerliche Erkenntnis, wenn man eine Gelegenheit verpasst hat und zu sich selbst sagen muss: „Warum hab´ ich eigentlich nicht?“ Hatte der Mann mit der Grillzange das nicht auch gesagt: „Guck genau hin, dann siehst du, warum du genau diese Grillmatte brauchst!“ „Big Alex“ ist zum ersten Mal auf Libori mit seinem Produkt vertreten und er weiß, dass er hier einiges an Überzeugungsarbeit zu leisten hat. Auf der anderen Seite freut er sich, einen Standplatz bekommen zu haben: „Libori ist unter den Volksfesten schon eine große Nummer!“
André Borgmann aus Münster mag es dagegen eher puristisch: Für seine Waren wird ein Allerweltswerkstoff aus der Natur verwendet, den Menschen schon seit Jahrtausenden in allen möglichen Zusammenhängen nutzen. In diesem Zusammenhang ist er allerdings absolut exotisch: Der Kaufmann aus Münster präsentiert an seinem Stand unter anderem Holzfliegen oder Handyhüllen aus Holz. Maserung und Farbe machen jedes einzelne Stück zum Unikat, und schöner als Kunststoff sind die Handyhüllen auf jeden Fall. Sie fühlen sich angenehmer an, und nachhaltiger sind solche Hülle mit Sicherheit auch!
Wie es um den Tragekomfort einer Fliege aus Eichen- oder Buchenholz bestellt ist, lässt sich wahrscheinlich im Selbstversuch am besten testen. Fest steht: Dieses modische Accessoire besticht neben dem ausgefallenen Material auch dadurch, dass es immer in Form bleibt! Und während die textile Version vor Mottenfraß geschützt werden muss, ist hier eher der Holzwurm der Feind des eleganten Auftritts.
Ein paar Schritte weiter geht es dann wieder eher um technische Raffinesse – in der Kombination mit menschlicher Geschicklichkeit: „TNS 3000“, hinter diesem Kürzel verbirgt sich ein Küchenutensil, das eine eher ungeliebte Arbeit beim Kochen zwar nicht ins reine Vergnügen verwandelt, sie aber auf jeden Fall wesentlich leichter von der Hand gehen lässt, wie Anja und Michael Zehentmaier bei jeder Vorführung an ihrem Stand beweisen. Der Gemüsehobel „TNS 3000“ verwandelt in Rekordzeit Gurken, Möhren oder Kohlrabi in ebenso präzise wie appetitlich anzuschauende Gemüsesticks und -scheiben.
Das gehe kinderleicht, erklärt Anja Zehentmaier und fügt hinzu, dass jeder mit etwas Übung das genauso schnell hinbekommen kann wie sie und ihr Ehemann: „Die Geschwindigkeit kommt von selbst!“ Ein im wahrsten Sinne des Wortes „schnittiges“ Requisit für die heimische Küche. Und was die Qualität des „TNS 3000“ betrifft, argumentieren die beiden Standbetreiber ebenso „messerscharf“ wie ihr Produkt: „Wenn der Hobel nichts taugen würde, wären wir nicht jedes Jahr zu Libori wieder hier!“
Unter denjenigen, die durch die Gassen zwischen den einzelnen Ständen schlendern, dürften nicht wenige sein, die das auch wegen des Unterhaltungswertes tun, den eine ganze Reihe von Marktbeschickern bei den Vorführungen ihrer Produkte bieten – egal ob es sich um Fensterleder, Wischmopps, „Wundermittel“ gegen verkrustete Herde oder Schuhcreme, die auch den letzten Latschen wieder in glänzende Fußbekleidung verwandelt, handelt. Wer nicht auf den Mund gefallen ist, darf mit der Aufmerksamkeit der Besucher rechnen. Und wer erst nur zuhört, zückt vielleicht anschließend auch die Geldbörse.
Ein Mann an einem Stand, wo es spezielle Wischer zum Fensterputzen gibt, filmt die Vorführung des Gerätes sogar – und zwar aus ganz praktischen Erwägungen: „Ich habe mir das Teil gekauft, und damit ich beim Einsatz alles richtig mache, nehme ich das auf“, erklärt der ältere Herr und muss dabei selbst ein bisschen lachen. Auf jeden Fall eine pfiffige Idee: Der Standbetreiber zeigt detailliert, wie es geht, und spart nicht mit Tipps und Hinweisen. Erstaunlich, wie viele Fehler man beim Fensterputzen machen kann!
Liebgewordene Tradition
Und nicht zuletzt ist der Pottmarkt nicht nur für einen Großteil der Libori-Besucher eine liebgewordene Tradition: Auch viele der Standbetreiber kommen seit Jahrzehnten und haben ihren Stammplatz. Petra Wiedig ist schon seit mehr als 50 Jahren mit ihrem Angebot an Putztüchern für jeden Zweck dabei. Während sie einer Kundin das „Grüne Tuch – das Putztuch für alles“ hinüberreicht und fünf Euro kassiert, erklärt sie, dass es allerdings in diesem Jahr wohl das letzte Mal sei für sie: „Ich liebe das hier, das ist mein Leben, aber ich muss langsam kürzertreten!“
Ihr Nachfolger, Harry Gehrmann, ist in diesem Jahr schon dabei, sodass die langjährige Inhaberin ihn bereits ihren Stammkunden vorstellen kann: „Viele kommen jedes Jahr und decken sich hier mit allem ein, was sie brauchen!“ Überhaupt kann sie über die Paderborner Kundschaft nur Gutes sagen: „Die Leute sind spitze hier!“
Sie werde das alles vermissen, ist sie sicher, und leicht falle ihr dieser Schritt nicht: „Aber jeden Tag elf Stunden arbeiten und dann noch der Auf- und Abbau – das schaffe ich auf Dauer nicht mehr!“ So sehr ihr der Kontakt mit den Menschen und das Leben im Wohnwagen fehlen werden: „Der Ruhestand hat ja durchaus auch seine schönen Seiten!“
Das bunte Nebeneinander von eingelegten Gurken und japanischem Heilpflanzenöl, von Socken, Lederwaren und Bürsten – das macht den besonderen Reiz dieses völlig analogen Einkaufsparadieses rund um den Dom aus. Und nicht zuletzt die kulinarischen Genüsse: Ob traditionelle Bratwurst, Honigkuchen für den „süßen Zahn“ oder Landschinken – für jeden Geschmack ist etwas dabei.
Es gibt Dinge, die bekommt man vielleicht woanders auch, eventuell sogar ein paar Cent günstiger, aber so richtig schön sind sie für echte Libori-Fans erst, wenn sie auf dem Pottmarkt erworben wurden – ganz egal ob Pfanne, Putzmittel, Gemüsehobel oder Gewürzmischung! Und selbst wer trotz des in dieser Form einmaligen Angebots nichts kauft, kann etwas mitnehmen: neben guter Unterhaltung und vielen praktischen Tipps bleibende Eindrücke und eine Atmopshäre, die man so woanders kaum findet. Und auf keinen Fall im Internet!