Helfen hat viele Gesichter
Internationaler Tag der Wohltätigkeit / Von kleinen Gespräch bis zur großen Spende.
Den Hund der kranken Nachbarin ausführen, Schulkindern vorlesen oder Herz und Portemonnaie für eine großzügige Spende öffnen – Wohltätigkeit kann viele Formen annehmen. Sie ist den Deutschen wichtig: Im vergangenen Jahr haben sie 4,64 Milliarden Euro gespendet und 2024, nach der letzten Statistik, 4,5 bis 4,7 Milliarden Ehrenamtsstunden geleistet.
Am 5. September erinnert der Internationale Tag der Wohltätigkeit daran, wie wichtig Hilfe und Solidarität für jede Gesellschaft sind. Die Vereinten Nationen riefen den Gedenktag 2012 ins Leben, erstmals begangen wurde er 2013. Ziel ist es, weltweit das Bewusstsein für die Bedeutung von Wohltätigkeit zu schärfen und Menschen, Nichtregierungsorganisationen und andere Akteure zu freiwilligem und philanthropischem Engagement zu ermutigen.
Vorbild: Mutter Teresa
Das Datum war mit Absicht gewählt: Der 5. September ist der Todestag von Mutter Teresa (1910-1997), die 1979 den Friedensnobelpreis für ihren Einsatz gegen Armut und Not erhielt. Im indischen Kolkata, dem früheren Kalkutta, kümmerte sie sich mit ihrem Orden der Missionarinnen der Nächstenliebe um arme, kranke, obdachlose und sterbende Menschen.
Weltweit galt sie bereits zu Lebzeiten als vielbewunderte Ikone der Nächstenliebe. Vor 10 Jahren, am 4. September 2016, wurde sie in Rom von Papst Franziskus heiliggesprochen.
Dass jeder die Welt ein Stück besser machen kann, zeigt das Beispiel des Stuttgarter Obdachlosen, der sich „Schwalbe“ nennt. Kurz vor Weihnachten 2025 spendete er 200 Euro, die er durch das Sammeln von Pfandflaschen erarbeitet hatte, an den Sozialdienst katholischer Frauen für alleinerziehende Mütter in Not.
Als diese großherzige Geste bekannt wurde, löste das bundesweit eine Spendenwelle aus. Mittlerweile wurde die „Schwalbennest Stiftung“ gegründet, die gezielt wohnungslose Frauen unterstützt. Es gilt als bundesweit einmalig, dass eine obdachlose Person einen Stiftungsfonds initiiert und mitgründet.
Seine Geschichte zeigt: Wohltätigkeit ist keine Frage des persönlichen Wohlstands. Entscheidend ist vielmehr die Bereitschaft, etwas abzugeben – selbst wenn man selbst nicht viel besitzt.
Wohltätigkeit wird oft zunächst mit Geld verbunden. Eine Spende an eine Hilfsorganisation, einen Förderverein oder eine Stiftung ist tatsächlich eine wichtige Möglichkeit, Not zu lindern. Gerade bei Katastrophen wie Erdbeben oder humanitären Krisen können Hilfsorganisationen damit schnell Nahrung, Trinkwasser, medizinische Versorgung oder Unterkünfte bereitstellen.
Die Vereinten Nationen zählen ausdrücklich aber auch freiwillige Arbeit und das Einbringen von Zeit und Fähigkeiten zu den Formen von Wohltätigkeit. Diese Hilfe muss nicht unbedingt spektakulär sein, denn jeder kann schon mit kleinen Dingen viel bewirken, die vielleicht in dem Moment etwas Zeit und Aufwand kosten. Ein Anruf bei einer Person, von der man vermutet, sie könne einsam sein, oder Unterstützung bei einem Behördengang wie auch ein Ehrenamt können das Leben anderer Menschen leichter machen.
Helfen kann auch glücklich machen
Wer anderen Menschen hilft, tut sich offenbar auch selbst etwas Gutes. Wissenschaftler beschäftigen sich seit Jahren mit der Frage, ob prosoziales Verhalten – also etwa Spenden, Helfen oder freiwilliges Engagement – das eigene Wohlbefinden steigert.
Eine Meta-Analyse von 2020 wertete 201 Studien mit insgesamt 198.213 Teilnehmern aus und fand einen kleinen, aber statistisch bedeutsamen Zusammenhang zwischen prosozialem Verhalten und Wohlbefinden. Besonders deutlich war der Zusammenhang mit dem sogenannten eudaimonischen Wohlbefinden, also dem Gefühl, ein sinnvolles und erfülltes Leben zu führen.
Wohltätigkeit hat aber durchaus auch Grenzen, denn sie kann staatliche Verantwortung nicht ersetzen. Spenden oder ehrenamtliche Hilfe können die strukturellen Ursachen von Armut, Hunger oder Ausgrenzung nicht allein beseitigen. Im besten Fall geht deshalb beides Hand in Hand: die unmittelbare Hilfe für Menschen in Not und der politische Wille, die Ursachen ihrer Not zu bekämpfen.ext