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09.05.2026
In Deutschland gibt es nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu 17 Millionen Privatgärten.
Foto / Quelle: Harald Oppitz/KNA

Gärten werden wilder, lebendiger und nachhaltiger

Ein Rückzugsort und Lebensraum für Tier und Mensch zugleich.

Bonn

Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, und die Temperaturen sind angenehm. Für Gartenfreunde ist der Frühling eine großartige Zeit. Um ihr kleines, irdisches Paradies zu gestalten, führt die meisten nun ihr Weg in ein Gartencenter. Dort beladen sie ihre Einkaufswagen mit Erde, Pflanzen und Zubehör für die Arbeit im eigenen grünen Reich.

Die Hobbygärtner Anja und Raimo in ihrem Schrebergarten in Köln.
Foto / Quelle: Harald Oppitz/KNA

In Deutschland gibt es nach Angaben des Naturschutzbundes Nabu 17 Millionen Privatgärten – der Gartenmarkt ist somit ein großer Wirtschaftsfaktor. Laut diy Fachmagazin für die Baumarkt- und Gartenbranche hat er im vergangenen Jahr ein Gesamtvolumen von knapp 20 Milliarden Euro erreicht. Davon entfielen rund 10 Milliarden Euro Umsatz auf die größte Warengruppe, das lebende Grün, wie es in der Fachsprache heißt, also Pflanzen.

Knapp 7,3 Milliarden Euro gaben die Deutschen demnach außerdem für die sogenannte Gartenhartware aus, also Gartenmöbel, Gartengeräte wie Rasenmäher oder Deko. 2,36 Milliarden Euro wurden für Erde und Dünger investiert.

Naturnah und klimaresilient

Nach Analysen großer Fachportale und Branchenexperten liegt der Fokus in diesem Jahr auf Klimaresilienz, Biodiversität und dem Garten als „erweitertem Wohnzimmer“. Naturnahe Gärten im Landhausstil sind in – die Trendpflanzen sind Lupinen, Rittersporn und Fingerhut. Aber aufgepasst: Beim Fingerhut sind alle Pflanzenteile giftig.

Der klassische englische Rasen hat laut Analysen ausgedient, stattdessen sind Wildblumenwiesen angesagt. Gartenliebhaber bevorzugen nun offenbar lebendige, insektenfreundliche Flächen, Totholz, Naturstein und offene Bodenbereiche, die Biodiversität fördern und weniger Pflege brauchen.·

Ein Schmetterling sitzt auf einer blühenden Schneeheide.
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Stichwort Biodiversität: Dieser Trend gewinne immer mehr an Bedeutung, heißt es. Denn Gartenbesitzer erkennen, dass ihr Garten zu einem kleinen Naturschutzgebiet für Bienen, Schmetterlinge und Vögel werden kann. Eine Studie zur Biodiversität des Nabu ergab, dass heute 65 Prozent der Gartenbesitzer bewusst „unordentliche“ Ecken wie Laubhaufen oder Totholz zur Förderung der Artenvielfalt akzeptieren.

Bei der Nutzung des Gartens steht nach Erkenntnis der Studie bei 52 Prozent der ökologische Nutzen der Pflanzen im Vordergrund, erst danach folgt die Optik. Welche Pflanzen bieten sich dann an? Zum Beispiel Knöterich, Wilder Majoran, Großes Zittergras oder Königinkraut.

Klimawandel als Herausforderung

Auch der Klimawandel ist ein großes Thema für Gartenfreunde, denn viel Hitze, Trockenheit oder Starkregen erfordern eine entsprechende Bepflanzung. Nach Angaben von Experten beginnt ein klimaresistenter Garten mit der richtigen Pflanzenauswahl. Pflanzen mit tiefen Wurzeln überstehen demnach Trockenperioden und helfen gleichzeitig, Regenwasser im Boden zu speichern. Sie empfehlen die Prachtkerze, Schafgarbe, Steppensalbei oder Lampenputzergras.

Um Ressourcen zu sparen, setzen Gärtner immer mehr auf Smart Gardening. Dazu gehören unter anderem automatische Bewässerungssysteme, die den Feuchtigkeitsgehalt der Erde messen und die Wassermenge dann entsprechend anpassen.

Hochbeete mit unterschiedlichen Blumen und Gemüsesorten in einem Kleingarten in einer Schrebergarten-Kolonie in Köln.
Foto / Quelle: Harald Oppitz/KNA

Die Trends zeigen einen tiefgreifenden Bewusstseinswandel unter Deutschlands Gartenbesitzern. War früher Ordnung und Perfektion gefragt, wird der Garten heute als lebendiges Ökosystem betrachtet, das sowohl den Herausforderungen des Klimawandels trotzen als auch Raum für Entspannung bieten kann.

Letztlich bedeutet ein Garten Lebensqualität: Es ist das unschlagbare Gefühl, beim Beobachten einer Hummel im Lavendel oder beim Grillabend mit Freunden genau dort zu sein, wo die Welt noch in Ordnung ist – im eigenen Garten.

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