Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz hält ein AfD-Verbot nicht für ausreichend, um Rechtspopulismus zurückzudrängen.
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Erzbischof Bentz: AfD-Verbot beseitigt Rechtspopulismus nicht

Der Paderborner Erzbischof Bentz fordert eine inhaltliche Auseinandersetzung mit der AfD und das Gespräch mit ihren Wählern.

Paderborn

Der Paderborner Erzbischof Udo Markus Bentz hält ein AfD-Verbot nicht für ausreichend, um Rechtspopulismus zurückzudrängen. „Rechtspopulismus werden wir nicht abschaffen können, auch nicht durch ein Parteienverbot“, sagte der katholische Geistliche am Mittwochabend vor Journalisten in Paderborn. Stattdessen müsse man ihn entlarven. Rechtspopulismus sei für ihn eine Form von Betäubung. „Über Wut, Angst und Versprechen werde ich betäubt, um gar nicht wahrzunehmen, um welchen Umbau es tatsächlich gesellschaftlich geht“, so Bentz wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Zugleich warnte der Erzbischof vor einer pauschalen Verurteilung von AfD-Wählern. Er wolle auf keinen Fall ein „Wähler-Bashing“ betreiben. „Das geheime Wahlrecht ist einer der höchsten Werte in der Demokratie.“ Die Kirche muss nach Auffassung von Bentz vielmehr das Gespräch auch mit Katholiken suchen, die im Rechtspopulismus für sich eine politische Perspektive sehen.

Kirche soll selbstbewusst auftreten

Der Erzbischof mahnte zu einer selbstbewussten politischen Rolle der Kirche. Ihre Auseinandersetzung mit der AfD und dem Rechtspopulismus dürfe nicht den Eindruck erwecken, sie verteidige lediglich eigene Interessen wie Kirchensteuer, Staatsleistungen oder ihre institutionelle Stellung. Die Kirche müsse deutlich machen, dass sie sich für Fragen einsetze, die die gesamte Gesellschaft betreffen.

„Wir als Kirche brauchen eine Souveränität und nicht das ängstliche Kreisen um uns selbst“, so Bentz. Die Kirche solle ein „Glutnest“ für Freiheit, Gerechtigkeit, Demokratie und Menschenwürde sein.

Nach Ansicht des Erzbischofs greifen rechtspopulistische Parteien vorhandene gesellschaftliche Ängste und Unzufriedenheit auf, verstärken und instrumentalisieren sie aber zugleich. Dabei würden tatsächliche Probleme mit gefühlten oder projizierten Problemen vermischt. Als Beispiel nannte Bentz die Migration, die die AfD im Vorfeld der Wahl am Sonntag in Sachsen-Anhalt zum Hauptthema mache. Die echten Herausforderungen seien jedoch der demografische Wandel, wirtschaftliche Probleme, die medizinische Versorgung und Bildung.

Bentz verwies auch auf Entwicklungen in anderen Ländern. Rechtspopulismus verändere die Welt derzeit massiv, habe aus seiner Sicht aber an keiner einzigen Stelle zu einer wirklichen Verbesserung geführt. Als Beispiele nannte er den Brexit sowie politische Entwicklungen in Polen, Ungarn und den USA. Aufgabe der Kirche sei es, solche Entwicklungen kritisch zu analysieren und Menschen zu ermutigen, politische Versprechen an ihren tatsächlichen Folgen zu messen.

KNA
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