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20.07.2026
Foto / Quelle: Julia Steinbrecht/KNA

Leihmutterschaft - wo eine Ethikerin die heikelsten Fragen sieht

Freiheit oder Not? In der Debatte um Leihmutterschaft geht es laut Philosophin Julia Inthorn vor allem um Gerechtigkeit. Warum die Erwachsenen dabei mehr im Blick sind als die Kinder selbst.

Köln

Gerechtigkeit und die Frage nach dem weiblichen Körper als handelbare Ware – aus Sicht der Münchner Philosophin Julia Inthorn sind das die ethische Kernpunkte der Debatte um Leihmutterschaft. Die Professorin für Angewandte Ethik in München sagte am Montag im Deutschlandfunk-Interview: Es stelle sich die Frage, ob es sich dabei um eine „Kommodifizierung“ einer Frau, eine Umwandlung in eine handelbare Ware, handle. „Also ist es grundsätzlich etwas, was wir mit menschlichen Körpern nicht tun wollen?“

Konkret stelle sich hier die Frage, ob man den weiblichen Körper dazu benutzen darf, und den Frauen die Entscheidung freigeben sollte, nach vorheriger vertraglicher Regelung ein Kind zur Welt zu bringen, das für andere Eltern gedacht ist. Die Philosophin betonte, keinesfalls gehe es in der Debatte um Leihmutterschaft um die Würde der Kinder. Diese stehe außer Frage und werde von niemandem in Zweifel gezogen.

Die Utopie der freien Entscheidung

Die Gerechtigkeitsfrage stelle sich nicht nur mit Blick auf die Finanzierbarkeit von Leihmutterschaft für Eltern. Hier gehe es um die Leihmutter selbst: Wer ist aus welchen Lebenssituationen heraus dazu gezwungen, diese Art von Dienstleistung anzubieten? Die Utopie der freien Entscheidung für diese Art von Arbeit sei selten tatsächlich gegeben.

Stattdessen entschieden sich die meisten Frauen aus Notsituationen heraus dazu, ihren Körper für diese Form der Dienstleistung anzubieten. Als Beispiel für den US-amerikanischen Kontext nannte Inthorn, dass die Verdienste aus Leihmutterschaft oft dafür eingesetzt würden, um in der eigenen Familie wahrgenommene Defizite zu überbrücken, etwa um das College für die Kinder zu bezahlen. Daher sei die Frage: „Was heißt Freiheit konkret in bestimmten Konstellationen, die mit hohen moralischen Dilemmata belegt sind?“

KNA
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