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07.09.2026
Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
Foto / Quelle: Frank Drechsler/epd-bild/KNA

Bischof Kramer nach Wahl: Riss geht tief durch Gesellschaft

Sachsen-Anhalt hat gewählt: Die AfD kommt auf 44 Prozent. Für eine Alleinregierung reicht es nicht. Landesbischof Friedrich Kramer sagte im ARD-Brennpunkt, wie er das Ergebnis deutet und was es nun braucht.

Magdeburg

Der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer hat das Ergebnis der Landtagswahl mit Bedauern zur Kenntnis genommen. „Damit werden wir uns auseinandersetzen müssen. Es zeigt sehr klar, dass ein Riss tief durch die Gesellschaft geht“, sagte er am Sonntagabend im ARD-Brennpunkt. Die Regierungsbildung werde nun schwer. Er forderte, dass eine künftige Regierung die Menschenwürde, das Recht und Minderheiten schützen müsse.

Wichtig sei jetzt, zu schauen, wie man wieder zusammenkomme: „Das wird schwierig. Und gleichzeitig geht es vielleicht auch leichter, wenn die Erregung ein bisschen runterkommt.“ Kramer sagte: „Wir beten auch für unsere Feinde.“ Zudem betonte er: „Wir müssen lernen, nicht zu sagen, Demokratie ja oder nein, sondern: Bist du für eine liberale, freiheitliche Demokratie, die Minderheitenrechte schützt, oder bist du eher für eine autoritäre Demokratie à la Trump oder anderswo auf der Welt? Und da haben wir einen klaren Auftrag als Kirche.“

Bei der Landtagswahl kommt laut einer Hochrechnung von infratest dimap die AfD auf 44 Prozent, die CDU auf 17,8 Prozent, die SPD auf 9,1 Prozent, die Linken auf 8,8 Prozent, die Grünen auf 8,7 Prozent und das BSW auf 5,1 Prozent. Damit hat die AfD keine Mehrheit für eine Alleinregierung. Das BSW hatte als einzige signalisiert, die in Sachsen-Anhalt gesichert rechtsextreme AfD punktuell zu unterstützen. Die Wahlbeteiligung lag sehr hoch bei über 76 Prozent.

Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg.
Foto / Quelle: Dominik Wolf/KNA

Die Kirchen hatten im Vorfeld der Landtagswahl eindringlich vor den Folgen einer AfD-Regierung und dem völkischen Nationalismus der Partei gewarnt. Unter anderem initiierten sie die Aktionen „Bewusst wählen“ und „Herz statt Hetze“.

Der katholische Magdeburger Bischof Gerhard Feige rief am Vormittag bei der Bistumswallfahrt nochmals zum Einsatz gegen Extremismus und eine „zunehmende Verwahrlosung des menschlichen Miteinanders“ auf: „Gegenwärtig heißt das wohl in besonderer Weise, dem nationalistischen und fremdenfeindlichen Ungeist zu widerstehen.“ Er dankte allen, die sich für Menschenwürde, Nächstenliebe, Solidarität, Dialog sowie ein tolerantes und weltoffenes Miteinander einsetzten.

Ein Segen für andere zu sein, sei schon bislang nicht unbedingt einfach, sagte der Bischof. „Nunmehr aber ist es unter verschärfteren Bedingungen eine noch größere Herausforderung für uns alle – jedoch die allein wirklich überzeugende und heilsame Alternative in den Auseinandersetzungen unserer Zeit.“

KNA
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