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05.09.2026
Blick von unten auf den Korb und in einen fahrenden Heißluftballon.
Foto / Quelle: Chris Harrass/KNA

Dem Alltag in einem Ballon entschweben

Als Geburtstagsgeschenk oder als Punkt auf der persönlichen „Bucket List“ erstrebenswerter Lebensziele: Einmal Ballonfahren steht bei Vielen hoch im Kurs.

Köln

Sich dem Wind anvertrauen, den Alltag hinter sich lassen, die Welt aus einer anderen Perspektive erleben und nicht wissen, wo man wieder landen wird: Diese besondere Mischung macht für viele den Reiz des Ballonfahrens aus. „Es ist für manche ein Lebenstraum, einmal über die Erde zu schweben. Man genießt die Aussicht und kann die Seele ein bisschen baumeln lassen“, sagt Ballonpilot Hans-Joachim Häuser.

Sein Unternehmen bietet seit über 20 Jahren Ballonfahrten an und ist laut Häuser europaweit der größte Anbieter solcher Touren. Hierzulande gebe es derzeit rund 1.500 Ballonpiloten, in Australien gerade einmal 200. Nur in Frankreich sei das Ballonfahren noch ähnlich beliebt wie in Deutschland. Und das hat auch historische Gründe.

Der Schwerkraft getrotzt

Am 21. November 1783 stieg im Park von Schloss „La Muette“ bei Paris vor den Augen einer staunenden Menschenmenge ein riesiger Heißluftballon in den Himmel auf. Zum ersten Mal in der Geschichte trotzten Menschen damit der Schwerkraft und erhoben sich in die Luft.

Ihr 22 Meter hohes Gefährt war von den Brüdern Joseph Michel und Jacques Etienne Montgolfier entwickelt und konstruiert worden. Bereits zwei Jahre später überquerten der Franzose Jean Pierre Blanchard und der Amerikaner John Jeffries mit einem Gasballon den Ärmelkanal.

Häuser und sein Team bieten heute auch Alpenüberquerungen oder winterliche Fahrten über Lappland an. Meist aber sind es rund 60- bis 90-minütige Fahrten von verschiedenen Standorten in Deutschland, wegen der Thermik kurz nach Sonnenaufgang oder vor Sonnenuntergang. Im Schnitt schweben die Teilnehmenden in einer Höhe zwischen 300 und 500 Metern über der Erde. Zu hoch sollte man nicht unterwegs sein, findet Häuser: „Man will ja auch sehen, was die Leute unten so grillen.“

Blick auf die Wiese des Heißluftballonfestival mit vielen Heißluftballons in Bonn.
Foto / Quelle: Chris Harrass/KNA

Das Ballonfahren habe durchaus etwas Anachronistisches, räumt der Pilot ein. „In unserer kurzlebigen Zeit muss alles schnell gehen und planbar sein.“ Ein Ballon aber widersetzt sich diesen Zwängen. Dort habe man „nur einen begrenzten Einfluss, man treibt mit dem Wind“ und könne den Ballon auch nicht in eine bestimmte Richtung steuern. Wo der Pilot landen kann und wie die Landung dann verläuft, sei im Vorfeld nicht absehbar.

„Man muss eine Ballonfahrt genau planen, aber es gibt die Ungewissheit, ob alles so eintrifft“, erklärt Häuser. Deshalb müsse der Pilot frühzeitig die Landesituation im Blick haben, damit er schließlich so auskommt, „dass er sich nicht mitten über einer Stadt oder einem großen Waldgebiet befindet“.

Der große Moment

Und dann kommt schließlich der große Moment – „das Abenteuer ist die Landung“, sagt Häuser. Schon vor Abflug werden die Gäste auf mögliche Szenarien eingestimmt: im besten Fall ein sanftes Aufsetzen, aber es könne auch etwas ruckeliger werden. Bei stärkerem Wind könnte es sein, „dass der Ballon kippt oder über ein Feld schleift“, was zu einer „sportlicheren Landung“ führe.

Deshalb müssen die Gäste immer einige Grundregeln beachten: sich gut festhalten, mit dem Rücken in Fahrtrichtung in der Hocke gegen den Korb lehnen und locker in die Knie gehen, um Erschütterungen abfedern zu können. Daher ist das Ballonfahren auch nicht für jede und jeden etwas, etwa bei körperlichen Einschränkungen. Da kaum ein Korb Türen hat, müssen Ballonfahrer hineinklettern; meist gibt es kleine Öffnungen im Korb, die als Tritte dienen.

Er habe auch schon eine Hundertjährige und andere Hochbetagte an Bord gehabt, die fitter gewesen seien als mancher 50-Jähriger, betont Häuser. Auch jüngere Menschen kämen beim Ein- und Ausstieg mitunter an ihre Grenzen.

Ein Ballon wird befüllt auf der Wiese bei der Montgolfiade in Bonn.
Foto / Quelle: Chris Harrass/KNA

Wi

Als Unfall werde auch vermerkt, wenn bei einer Landung der Korb umkippt. Deshalb müsse man die Zahlen in Relation setzen. 2025 habe es zwei Unfälle mit zwei Schwerverletzten gegeben, die länger als 48 Stunden im Krankenhaus bleiben mussten oder einen Knochenbruch erlitten, präzisiert Freitag.

Wer ohnehin Höhenangst hat, den dürften diese Zahlen nicht beruhigen. „Menschen mit panischer Höhenangst steigen aber gar nicht erst ein“, weiß Häuser. Wer aber nur ein mulmiges Gefühl hat wie beim Besteigen einer Leiter oder beim Blick von einer hohen Brücke, den kann der Ballonpilot beruhigen. „Wenn man erstmal eingestiegen ist, ist das kein Thema mehr.“ Sein Tipp: anfangs nur in die Ferne oder zum Horizont schauen. „Ich kenne keinen, der am Ende nicht runtergucken konnte.“

KNA
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