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07.05.2026
Susanne Leimbach ist die hauptamtliche Geschäftsführerin des SkF Minden.
Foto / Quelle: Patrick Kleibold

Anlaufstelle für alle, die Hilfe brauchen

„Alle im Blick – Frauen im Fokus“: Unter diesem Motto feiert der SkF Minden sein 100-­jähriges Bestehen.

Minden

Mit ihrem karitativen Einsatz für Benachteiligte und Menschen in akuten Notlagen erntete sie viel Lob und Anerkennung, doch einer schien mit Gertrud Heinzes Engagement nicht so ganz zufrieden zu sein: Als sie im Februar 1926 in Minden gemeinsam mit anderen Frauen den „Katholischen Fürsorgeverein für Frauen, Mädchen und Kinder“ gründete, schien einer nicht so begeistert zu sein: Ihr Ehemann klagte laut Erinnerung der Enkelin: „Tue ich nicht schon genug ehrenamtlich, musst du jetzt auch noch damit anfangen?“ Er selbst war engagiertes Gemeindemitglied und ehrenamtlicher Rendant der Mindener Domgemeinde, doch seine Frau hätte er wohl lieber an nicht so exponierter Position gesehen.

Die gesellschaftliche Stellung der Frau mag sich in den vergangenen 100 Jahren gewandelt haben und statt Unverständnis ernten Frauen heute Anerkennung für soziales Engagement. Eines ist allerdings geblieben: die Notwendigkeit dieses Einsatzes. Gertrud Heinze sah Not und handelte. Gehandelt in ihrem Sinne wird heute noch immer – auch wenn sich Notlagen gewandelt haben und man vielleicht genauer hinschauen muss.

In der Broschüre „100 Jahre wir“, die der Mindener SkF zum Jubiläum herausgegeben hat und die den Bogen vom Jahr der Gründung bis heute schlägt, heißt es zu diesem Wandel: „Was 1926 aus bürgerschaftlichem Engagement engagierter Frauen entstand, ist heute ein etablierter sozialer Träger und verlässlicher Partner für Kommunen, den Kreis, das Land sowie für die in der Arbeitsgemeinschaft der Wohlfahrtsverbände zusammengeschlossenen Organisationen der Freien Wohlfahrtspflege.“

Vielfältige Arbeitsfelder –Prävention steht im Mittelpunkt

Dass diese durchaus selbstbewusste Einschätzung den Kern der Sache trifft, wurde beim offiziellen Festakt im Mindener „Haus am Dom“ deutlich – insbesondere in den Grußworten von Bürgermeister Peter Kock und Landrat Ali Dogan. Beide betonten den Stellenwert der Arbeit des SkF und die Tatsache, dass der Beitrag des SkF zur sozialen Daseinsvorsorge sowohl von Menschlichkeit auf der einen wie von Effektivität auf der anderen Seite geprägt sei.

Ein Punkt, den auch Geschäftsführerin Susanne Leimbach im Gespräch mit dem DOM hervorhob: Als überschaubarer Fachverband ohne überbordende Strukturen und Bürokratie in der Diaspora sei man schnell handlungsfähig und verfüge über ein entsprechendes regionales Netzwerk, um genau dort aktiv zu werden, wo es nötig sei.

Zu den Arbeitsfeldern des SkF Minden gehören unter anderem die Allgemeine Sozialberatung, die Schuldner- und Insolvenzberatung, die Schwangerschafts- und Familienberatung, Rechtliche Betreuungen und Vorsorge sowie die Wohnungslosenhilfe und die Unterstützung von Menschen in besonderen sozialen Schwierigkeiten. Hinzu kommen weitere niedrigschwellige Hilfs- und Projektangebote.

Rückblick auf 100 bewegte Jahre in Bildern und schriftlichen Erinnerungen: Deutlich wird, dass die Gründungsidee bis heute nichts von ihrer Aktualität verloren hat.
Foto / Quelle: SkF Minden

Zur grundsätzlichen Ausrichtung aller Angebote heißt es in der Jubiläumsbroschüre: „Unsere Arbeit folgt dem Grundsatz, präventiv statt reparierend, ressourcenorientiert statt defizitfokussiert und partizipativ statt bevormundend zu handeln. Ziel ist es, Menschen zu stabilisieren, ihre Selbstständigkeit zu stärken und langfristige Perspektiven zu eröffnen. Damit tragen wir zur Armutsprävention, zur Stärkung von Familien und zur sozialen Integration bei.“

„Ehrenamtliche Mitarbeit ist seit der Gründung ein tragender Pfeiler unserer Arbeit. Haupt- und ehrenamtliches Engagement ergänzen sich und tragen gemeinsam zur Qualität und Nachhaltigkeit unserer Angebote bei“ – das Modell einer guten Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen beim SkF Minden geht ebenfalls auf eine Idee von Gründerin Gertrud Heinze zurück: 1929 konnte die erste professionelle Fürsorgerin eingestellt werden. Aktuell gibt es 14 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, gemeinsam mit ihnen sind rund 50 Ehrenamtliche aktiv. Zurzeit bilden Elke Walden als Vorsitzende, ihre Stellvertreterin Jutta Eschenbach-­Kittel, Delia Lübker als Schriftführerin und Propst Roland Falkenhahn als geistlicher Beirat sowie Geschäftsführerin Susanne Leimbach den Vorstand.

Situation wohnungsloser Frauen besonders im Blick

In der Broschüre „100 Jahre wir“ wird aus den Erinnerungen von Ingeborg Simon zitiert. Sie war von 1950 bis 1972 hauptamtliche Sozialarbeiterin beim SkF. Ihr Bericht schildert in eindringlichen Worten insbesondere das Elend junger Frauen. Ein wichtiger Schritt war 1953 die Einrichtung eines „Auffangheims“ mit zwölf Betten.

Dass Frauen auch Jahrzehnte später noch mit struktureller Benachteiligung zu kämpfen haben, die unter Umständen ihre Existenz bedroht, zeigt sich beispielhaft beim Thema Wohnungslosigkeit. Susanne Leimbach: „Mietverträge laufen oft auf den männlichen Partner, wenn Frauen im wahrsten Sinne des Wortes vor die Tür gesetzt werden, stehen sie oft ohne alles da.“ Standards sind heute andere, doch der Anspruch, in existenziellen Notlagen schnell zu helfen, ist weiter aktuell: Ende vergangenen Jahres startete ein Projekt, das erstmals eine separate Übernachtungsmöglichkeit für einzelne Nächte speziell für obdachlose Frauen in den Wintermonaten anbot.

Hintergrund

Der SkF wurde 1899 in Dortmund von Agnes Neuhaus als „Verein zum guten Hirten“ gegründet. Motiviert wurde sie dabei von der Idee, dass es Not- und Konfliktsituationen gibt, die Frauen in besonderer Weise erleben und in denen Frauen anderen Frauen, Kindern und Familien wirksam helfen können. www.skf-zentrale.de

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