Hub Oosterhuis :„Ich bin kleiner als mein Lied“ 

Der niederländische Theologe und Lieddichter Huub Oosterhuis ist am Ostersonntag mit 89 Jahren gestorben. Er ist bekannt für Texte und Lieder, die in katholischen und protestantischen Kirchen weit verbreitet sind.

Oosterhuis wuchs in Amsterdam auf. 1952 trat er den Jesuiten bei und wurde 1964 zum Priester geweiht. Doch nach einem Konflikt um den Zölibat wurde Oosterhuis 1969 aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen und als Priester suspendiert.(Foto:KNA)
Oosterhuis wuchs in Amsterdam auf. 1952 trat er den Jesuiten bei und wurde 1964 zum Priester geweiht. Doch nach einem Konflikt um den Zölibat wurde Oosterhuis 1969 aus dem Jesuitenorden ausgeschlossen und als Priester suspendiert.(Foto: KNA)
veröffentlicht am 13.04.2023
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Der niederländische Theologe und Lieddichter Huub Oosterhuis ist am Ostersonntag mit 89 Jahren gestorben. Er ist bekannt für Texte und Lieder, die in katholischen und protestantischen Kirchen weit verbreitet sind.

Bonn (KNA). Kirchenlieder klingen mitunter wie aus der Zeit gefallen. Anders bei Titeln von Huub Oosterhuis: Seine Lieder und Gebete, theologischen Essays und Lyrik bringen Fragen und Nöte des modernen Menschen auf den Punkt. Und so prägten und prägen Oosterhuis‘ beliebte Texte die liturgische und kirchenmusikalische Landschaft in seiner niederländischen Heimat. Über religiöse Grenzen hinweg war er eine geachtete Autorität. Am Ostersonntag ist der große Dichter und Liturgiereformer nun mit 89 Jahren gestorben; nach kurzer Krankheit, wie seine Familie mitteilte.

Ökumenischer Predigtpreis

Nicht nur in den Niederlanden war Oosterhuis eine Größe. 2014 erhielt er für sein Lebenswerk den Ökumenischen Predigtpreis des Verlags für die Deutsche Wirtschaft. Mit seinen Liedern, Gebeten und liturgischen Texten zähle er auch im deutschsprachigen Raum zu den wichtigsten Gestaltern des religiösen Lebens, lobte die Jury. Seine Texte drückten das Lebensgefühl von Christen in der Gegenwart beispielhaft aus.

Oosterhuis war Jesuit, katholischer Priester und seit 1965 Pfarrer der Amsterdamer Studentengemeinde. Diese „Studentenekklesia“ war stark vom Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) beeinflusst und verstand sich früh als eine Werkstatt für die Erneuerung der Liturgie. Der eigenständige Weg, den die Gemeinde ging, führte in der Folge zu Auseinandersetzungen mit der Bistumsleitung. 1970 löste sich die Studentenekklesia vom Bistum und als existierte fort Basisgemeinde. Oosterhuis führte die Gemeinde weiter, auch nachdem er 1969 aus dem Jesuitenorden ausgetreten war und später heiratete. Der Verbreitung seiner Texte und Lieder auch in der katholischen Kirche hat dies nicht geschadet.

Bis heute umfasst Oosterhuis‘ Werk mehr als 30 Bücher; seine Lieder und Gottesdienste sind auf 25 CDs versammelt. Seine Texte wurden in viele Sprachen übersetzt. In das katholische Gesangbuch Gotteslob haben fünf Lieder Eingang gefunden.

„Ich bin kleiner als mein Lied“

Die Person Oosterhuis trat hinter seinem Werk immer stark zurück – ganz im Sinne des Autors, der diese Haltung mit den Worten „Ich bin kleiner als mein Lied“ auf eine einprägsame Formel brachte. Bei großen Auftritten verzichtete er auf jedes Pathos. Etwa als er bei der Beisetzung seines Freundes, des niederländischen Prinzen Claus, die Trauerrede hielt.

Nicht zufällig fällt der Beginn seines literarischen Wirkens in die Zeit des Konzils – dessen Anspruch war, die Zeichen der Zeit zu erkennen und das Evangelium in die Gegenwart des heutigen Menschen zu tragen. Dieses Evangelium bestimmte Oosterhuis‘ literarische und liturgische Arbeit von Anfang an. „Wir streben eine Liturgie an“, schrieb er schon 1962, „die dem modernen Leben nicht wie eine unverständliche Welt gegenübersteht, sondern die ihre Worte und Handlungen mindestens ebenso sehr am heutigen existenziellen Erleben wie am Stil der Tradition ausrichtet“.

Seine Texte sind keine leichte Kost. Es sind formstrenge Werke, die auf der Grundlage einer exakten Bibelexegese entstanden sind und ein genaues Hinhören verlangen. Ein gefälliges Arrangement und forcierte Popularität sucht man hier vergebens. Nicht nur ein Großteil des neuen geistlichen Liedguts der 70er und 80er Jahre, auch die in Bet-Sing-Messen weit verbreiteten neueren Kirchenlieder aus dem Thurmair-Umfeld wirken – stellt man sie Oosterhuis‘ Gesängen gegenüber – inhaltsarm, unverbindlich und oft banal.

Im Mittelpunkt seiner Texte steht der suchende, unerlöste, ungeborgene Mensch auf der Suche nach Gott, der – wie ein alttestamentarischer Psalmbeter – Gott gegenüber auch Distanz und Unverständnis ausdrücken darf. Mit seinen Texten zählte Oosterhuis zu den bedeutendsten religiösen Autoren der Gegenwart.

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