Liberal? Unmenschlich!

Ein Kommentar von Andreas Wiedenhaus

Wenn es um die Legalisierung von Sterbehilfe geht, sind die Niederlande weltweit Vorreiter: Seit 2002 ist dort die aktive Sterbehilfe erlaubt. Nun will die Regierung in Den Haag diese Entwicklung noch weiter vorantreiben.

Galt die Regelung bisher nur für schwer kranke Menschen, soll sie nun auf alle Menschen ausgeweitet werden, die ihr Leben als „vollendet“ ansehen und es „abschließen“ wollen.

Eine solche Regelung ist vieles – eines aber mit Sicherheit nicht: eines Landes, das sich viel auf seine humanitäre Tradition zugute hält, würdig. Sie ist zutiefst unmenschlich. Statt Ausdruck von Liberalität stellt es die Bankrotterklärung einer Gesellschaft in einem zentralen Punkt dar. Wer als Gesetzgeber Todkranken den Suizid als „Lösung“ nahelegt, begibt sich moralisch bereits auf sehr dünnes Eis. Setzt man mit der aktuellen Regelung bereits jetzt kranke Menschen unter Druck, so öffnet man mit den geplanten Ausweitungen Türen, die man wohl kaum jemals wieder wird schließen können.

Wie viele schwer kranke oder pflegebedürftige Menschen „freiwillig“ Sterbehilfe in Anspruch nehmen oder sich vielleicht doch zu dieser Entscheidung gedrängt sehen, kann niemand nachvollziehen. Was mögen demnächst Menschen empfinden, die nicht „ins Raster passen“? Erfahren sie Zuwendung und Hilfe oder bekommen sie den dezenten Hinweis auf die „finale Lösung“?

Über die Folgen einer unbegrenzten Sterbehilfe-Regelung möchte man kaum nachdenken. Schon gar nicht in einem Umfeld, das zunehmend von wirtschaftlichen Maßstäben geprägt ist. Was ist ein Leben vor diesem Hintergrund wert, wann ist es „abgeschlossen“?

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