Zum Schutz junger Menschen
Kommende-Forum diskutiert Aufgaben für Kirche und Gesellschaft.
Wie können junge Menschen wirksam vor sexualisierter Gewalt geschützt werden? Welche Verantwortung tragen Kirche, Gesellschaft und pädagogische Einrichtungen? Und wie gelingt Prävention, die nicht nur auf dem Papier steht, sondern Haltung und Kultur verändert? Mit diesen Fragen beschäftigte sich jetzt das „Kommende-Forum: Junge Menschen schützen. Aufgaben für Kirche und Gesellschaft heute“ in der Kommende Dortmund, dem vom Erzbistum Paderborn getragenen Sozialinstitut in Dortmund.
Im Mittelpunkt des Forums standen Beiträge des Jesuitenpaters und international tätigen Präventionsexperten Professor Dr. Hans Zollner SJ aus Rom sowie von Lena Topp, Vorsitzende des BDKJ im Erzbistum Paderborn und Vorstandsmitglied der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW. Beide machten deutlich: Prävention sexualisierter Gewalt ist eine durchgehende und andauernde Aufgabe, die strukturelle Maßnahmen ebenso braucht wie eine veränderte Haltung sowie eine Kultur der Achtsamkeit.
Prävention braucht Kulturwandel
Professor Dr. Hans Zollner SJ ordnete die Entwicklung der Prävention sexualisierter Gewalt der vergangenen Jahre in Deutschland ein und verwies zugleich auf bestehende Herausforderungen. „In Deutschland steht das Thema erst seit 16 Jahren im Vordergrund und gleichzeitig gibt es weiterhin viel Unbehagen, Unwissenheit und eine mangelnde Bereitschaft, sich damit auseinanderzusetzen“, erklärte der Jesuitenpater. Gleichzeitig betonte Zollner, dass sich die katholische Kirche international intensiv mit Schutzkonzepten und Präventionsarbeit befasse: „Keine Religion oder Konfession unternimmt so viel zum Schutz junger Menschen wie derzeit die Katholische Kirche – aber wir tun uns schwer, die Verwundungen zu erkennen und entsprechend zu begleiten.“
Kritisch wandte sich Pater Zollner gegen die Vorstellung, mit Leitlinien und institutionellen Schutzkonzepten sei die Aufgabe der Prävention sexualisierter Gewalt bereits erfüllt. Notwendig seien vielmehr eine echte Auseinandersetzung mit Machtmissbrauch und ein umfassender Kulturwandel. Den international etablierten Begriff „Safeguarding“ beschrieb der Jesuit anhand von vier Dimensionen: „sichere Räume“ – analog wie digital –, „sichere Beziehungen“, „sichere Praktiken und Prozesse“ sowie „sichere Strukturen“. Letztlich gehe es darum, Bedingungen zu schaffen, die Leben schützen und Entwicklung ermöglichen.
Präventionsexperte Zollner warb für eine weltkirchliche und kultursensible Perspektive. Einheitliche Lösungen für alle Ortskirchen könne es nicht geben, unterstrich der Jesuit mit Blick auf unterschiedliche gesellschaftliche und familiäre Kontexte weltweit. Schutzkonzepte müssten die jeweilige Lebenswirklichkeit berücksichtigen und zugleich klar benennen, welche Faktoren Schutz fördern, und welche Risiken begünstigen.
Kinder und Jugendliche beteiligen
Lena Topp bekräftigte, dass in den vergangenen Jahren wichtige Fortschritte erreicht worden seien. Präventions- und Interventionsordnungen sowie institutionelle Schutzkonzepte hätten die kirchliche Arbeit verändert. „Wir sind weiter als vor 15 Jahren“, betonte die Vorsitzende des BDKJ im Erzbistum Paderborn . Gleichzeitig sei Prävention nur dann nachhaltig wirksam, wenn Kinder und Jugendliche selbst beteiligt würden. „Kinder und Jugendliche sollen Akteure ihres eigenen Schutzes und nicht Zielgruppe von Schutzmaßnahmen sein“, zeigte sich Lena Topp überzeugt.
Dabei dürften „Prävention sexualisierter Gewalt“ und „sexuelle Bildung“ nicht gegeneinander ausgespielt werden. Vielmehr brauche es Sprachfähigkeit und Offenheit im Umgang mit dem Thema. Kinder und Jugendliche müssten befähigt werden, eigene Grenzen wahrzunehmen und Unwohlsein ausdrücken zu können. Wo Sexualität tabuisiert werde, entstehe Sprachlosigkeit. Prävention brauche deshalb eine Kultur der Achtsamkeit und des Hinsehens.
Als gelungenes Beispiel aus der Praxis stellte Lena Topp ein Notfalltelefon für Ferienfreizeiten des BDKJ vor. Ehrenamtliche hätten dort die Möglichkeit, sich in schwierigen Situationen kurzfristig von geschulten Fachkräften beraten zu lassen. Zugleich machte die Vorsitzende des BDKJ im Erzbistum Paderborn deutlich, dass Präventionsarbeit ein dauerhafter Prozess bleibe: „Grundsätzlich sind wir noch nicht am Ziel.“
pdp
Hintergrund
Am 20. Mai vertiefte ein Fachtag in der Kommende Dortmund mit Pater Professor Dr. Hans Zollner SJ und weiteren Beteiligten die Themen des Forums und bot Fachkräften, Haupt- und Ehrenamtlichen Raum für Austausch, Fortbildung und Vernetzung. Deutlich wurde dabei: Der Schutz junger Menschen bleibt eine gemeinsame Aufgabe von Kirche und Gesellschaft, die dauerhaft Aufmerksamkeit, Sensibilität und konkrete Handlungsschritte erfordert.