Zahl der Kriegsdienstverweigerer drastisch gestiegen
Seit Jahresbeginn gilt das neue Wehrdienstgesetz. Das kommt bei vielen jungen Männern offenbar nicht gut an: Tausende verweigern den Dienst an der Waffe.
Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer in Deutschland ist in diesem Jahr drastisch gestiegen. Wie die Funke-Medien am Dienstag berichten, gingen von Januar bis Ende August bereits 12.102 Anträge beim zuständigen Bundesamt ein. Damit liege die Zahl der entsprechenden Anträge schon jetzt mehr als dreimal so hoch wie im gesamten Jahr 2025, für das 3.879 registriert wurden.
Wie stark der Trend zuletzt zugenommen hat, zeigt demnach ein Vergleich mit der Halbjahres-Bilanz: Bis Ende Juni 2026 hatte das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben den Angaben zufolge den Eingang von 5.862 Anträgen gemeldet. Innerhalb von zwei Monaten habe sich die Zahl seitdem also verdoppelt.
Neues Gesetz schreckt viele Männer ab
Ein Grund für die Entwicklung ist laut dem Bericht das Inkrafttreten des neuen Wehrdienstgesetzes zum Jahresanfang. Alle deutschen Staatsbürger erhalten demnach im Jahr ihrer Volljährigkeit Fragebögen, um ihre Eignung für den Dienst an der Waffe abzufragen.
Für Männer ist das Ausfüllen des Fragebogens verpflichtend, für Frauen und übrige Geschlechtsidentitäten freiwillig. Generell besteht danach jedoch noch keine Verpflichtung zum Wehrdienst. Dennoch haben Männer, die von einer möglichen Wehrpflicht betroffen sind, das Recht, den Dienst bei der Bundeswehr vorsorglich zu verweigern.
Das zuständige Bundesamt berichtet laut den Funke-Medien von massiven Problemen bei der Bearbeitung der Anträge. Aktuell werde eine „hohe Zahl an fehlgeleiteten Anträgen beobachtet, die mit nicht anerkennungsfähigem Inhalt eingehen und unbearbeitet zurückgesandt werden müssen“, so eine Behördensprecherin.
Ausführliche Begründung notwendig
Ein Antrag auf Kriegsdienstverweigerung ist schriftlich beim Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr einzureichen. Das leitet ihn – in der Regel nach Feststellung der gesundheitlichen Eignung durch die Musterung – an das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben weiter, das über den Antrag entscheidet.
Verlangt werden ein kurzes Anschreiben mit Berufung auf das Grundrecht der Kriegsdienstverweigerung samt Unterschrift, ein vollständiger tabellarischer Lebenslauf sowie eine ausführliche und persönlich verfasste Begründung der Gewissensentscheidung.