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19.03.2026
Kulturvermittlerin Dr. Nicola Karthaus und Museumsleiter Ingo Grabowsky laden dazu ein, beim Tag des Schweigens im Kloster Dalheim (22. März) auf Worte zu verzichten.
Foto / Quelle: LWL/Dana Giebken

Schweige-Challenge im Kloster

Das Kloster Dalheim lädt am 22. März zum Tag des Schweigens ein.

Lichtenau-Dalheim

Bereit für die absolute Funkstille? Dann ist es Zeit für einen Besuch beim „Tag des Schweigens“ im LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Lichtenau-Dalheim (Kreis Paderborn). Wer am Sonntag, 22.März, die historische Klausur des ehemaligen Klosters Dalheim betritt, macht es wie die Dalheimer Ordensleute im Mittelalter und spart sich jedes Wort.

Zum achten Mal lässt die Stiftung Kloster Dalheim die klösterliche Tradition des Schweigens wieder aufleben: Passend zur Fastenzeit laden 23 Stationen von 10 bis 17 Uhr die Museumsgäste zur Schweige-Challenge ein. Sie reicht vom klangvollen „Weg in die Stille“ über einen japanischen Zen-Garten im Miniaturformat bis zur Entdeckung von Süßigkeiten, die doch beim Fasten erlaubt waren. Wagemutige können das Mobiltelefon wegschließen und sich in absolute Funkstille begeben – ganz analog.

Funkstille: Handy rein, Fach zu und sich dem Schweigen stellen. Ganz mutige Teilnehmer haben beim Tag des Schweigens die Möglichkeit, ihren digitalen Begleiter abzugeben und sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren.
Foto / Quelle: LWL/ Dana Giebken

Die Veranstaltung der Stiftung Kloster Dalheim. LWL-Landesmuseum für Klosterkultur baut auf die preisgekrönte Dauerausstellung in der mittelalterlichen Klausur des Klosters Dalheim auf, die den Alltag der Ordensleute in den Mittelpunkt rückt. „Der ‚Tag des Schweigens‘ geht noch einen Schritt weiter und lässt das Lebensgefühl der Dalheimer Ordensleute hinter die Klostermauern zurückkehren“, so Museumsdirektor Dr. Ingo Grabowsky. „Was bis heute in vielen Klöstern zum Alltag gehört, können Museumsgäste hier im Selbstversuch als Herausforderung erleben. Mit dem ‚Tag des Schweigens‘ beruft sich das Kloster Dalheim auf eine der ältesten Tugenden klösterlichen Lebens und knüpft gerade damit an die Gegenwart an. Dabei geht es um das bewusste Verweilen und den Verzicht in Zeiten, in denen wir ständig smalltalken, livestreamen, tiktoken, facetimen und Sprachnachrichten senden“, stellt Grabowsky fest.

Schweigen im Selbstversuch

Wenn die Besucherinnen und Besucher am Sonntag die Dalheimer Klausur betreten, wird es ernst mit dem Schweige-Experiment: „Der ,Tag des Schweigens‘ lädt dazu ein, an unterschiedlichen Stationen im Museum zur Ruhe zu kommen“, erläutert die Kulturvermittlerin Dr. Nicola Karthaus den Ansatz der Dalheimer Veranstaltung. Dabei machen Mitmach-Stationen auch auf die unterschiedlichen Aspekte und Wirkungen der Stille aufmerksam.

Das Team der Stiftung Kloster Dalheim hat 23 Mitmach-Stationen für seine Gäste zusammengestellt: Der Versammlungssaal des Konvents, der Kapitelsaal, erinnert an den Ursprung des klösterlichen Schweigens in der rund 1.500 Jahre alten Benediktregel. „Ein Thema, das auch in unserer kommenden Sonderausstellung ,Die Macht der Regeln. Zwischen Freiheit und Kontrolle‘ ab dem 20. Mai näher beleuchtet wird“, erläutert Grabowsky.

In der Klosterkirche lässt die eigene Wortlosigkeit die traditionellen klösterlichen Chorgesänge besonders eindringlich wirken. Im Kreuzgang erfahren die Museumsgäste, wie lang sich eine Minute ohne Worte anfühlen kann. Bei einem Balance-Tischspiel ist Geduld und Geschick gefragt, und im Kreuzgang kann ein japanischer Zen-Garten gestaltet werden: Das Formen des kleinen Steingartens lädt spielerisch zur Meditation ein. Im Kräuterkeller verrät die Heilige Hildegard von Bingen ihr Anti-Stress-Rezept. Und wenn jemand doch noch etwas loswerden will: Im Parlatorium darf mitten in der Klausur – wie auch schon im Mittelalter – gesprochen werden.

LWL

Hintergrund

Bereits bei den ägyptischen Mönchen im 3. Jahrhundert n. Chr. hatte das Schweigen eine große Bedeutung. Sie glaubten, dass zu viele Worte der Erfahrung Gottes im Wege stünden. Auch der Heilige Benedikt legte in seiner Klosterregel von 540 an mehreren Stellen fest, dass die Ordensleute – außer während der Liturgie – schweigen sollten. An ein solches Schweigegelübde halten sich Mitglieder vieler Ordensgemeinschaften bis heute. Im Zuge des Schweige-Experiments will das LWL-Museum seine Besucherinnen und Besucher auch einladen, über unterschiedliche Dimensionen des bewussten Verzichts gestern und heute zu reflektieren. So verbrachten die Augustiner-Chorherren in Dalheim einen Großteil ihres Klosterlebens im Schweigen. Sie verzichteten aber nicht nur auf das Sprechen, sondern mit dem Eintritt ins Kloster auch auf ihre alte Identität oder ihren privaten Besitz. Eintritt: Die Teilnahme am „Tag des Schweigens“ ist im Museumseintritt inbegriffen. Weitere Informationen unter https://www.stiftung-kloster-dalheim.lwl.org

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