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11.05.2026
Das Bühnenbanner gibt die Haltung des Dialogkreises und die Realität in Dortmund wieder: „Wir alle sind Dortmund.“ Unser Foto zeigt (v.l.n.r.): Rabbiner Avigdor Nosikos und Alexander Krimhand von der Jüdischen Kultusgemeinde, Prof. Dr. Naciye Kamicili-Yildis, Pfarrer Friedrich Stiller, Oberbürgermeister Alexander Kalouti, Superintendentin Heike Proske (Ev. Kirchenkreis), Imam Ahmad Aweimer sowie Propst Andres Coersmeier (katholische Stadtkirche).
Foto / Quelle: Kirchenkreis / Schütze

Mut machen – Hoffnung behalten

Religionen setzen zum Auftakt von DortBUNT ein starkes Zeichen.

Dortmund

„Glaube muss nicht trennen, er kann verbinden. Wir wollen ein Zeichen setzen: Für ein friedliches Zusammenleben der Religionen, für Frieden und Zusammenhalt.“ Mit diesem Leitgedanken ist am Sonntag das Programm des Stadtfestes DortBUNT eröffnet worden. Bereits zum neunten Mal fand auf dem Friedensplatz das Interreligiöse Friedensgebet des Dialogkreises der Abrahamsreligionen statt. Jüdinnen und Juden, Christinnen und Christen sowie Musliminnen und Muslime aus Dortmund und aus den Dortmunder Partnerstädten kamen zusammen, um sich gegenseitig zu stärken und zu unterstützen – passend zum diesjährigen Thema „Mut machen – Hoffnung behalten“.

Veranstaltet wird das Friedensgebet vom Dialogkreis der Abrahamsreligionen, in dem die evangelische und die katholische Kirche, die Jüdische Kultusgemeinde und die muslimischen Gemeinden Dortmunds seit 20 Jahren vertrauensvoll zusammenarbeiten. Diese kontinuierliche Zusammenarbeit über zwei Jahrzehnte hinweg ist bundesweit etwas Besonderes und prägt das gesellschaftliche Miteinander in Dortmund; beim Stadtfest durch das weithin sichtbare Bühnen-Banner „Wir alle sind Dortmund.“

Frieden, Freiheit und Demokratie brauchen Dialog

In der thematischen Einführung machten die Vertreterinnen und Vertreter der drei Religionen deutlich, was das Friedensgebet trägt: Der gemeinsame Einsatz für Frieden, Freiheit und Demokratie – über religiöse Grenzen hinweg.

„Frieden, Freiheit und Demokratie – dafür wollen wir religiösen Menschen uns gemeinsam einsetzen“, sagte Pfarrer Friedrich Stiller. Er erinnerte an den Theologen Hans Küng, der den Zusammenhang prägnant formuliert habe: „Kein Frieden unter den Nationen ohne Frieden zwischen den Religionen. Kein Frieden zwischen den Religionen ohne Dialog der Religionen.“

Dass dieser Weg nicht aus eigener Kraft gelingt, betonte Alexander Krimhand von der Jüdischen Kultusgemeinde Dortmund: „Wir sind im Glauben getrennt, aber in der Hoffnung geeint. Deshalb lesen wir aus unseren Heiligen Schriften – um Orientierung und moralische Kraft für unser Handeln zu gewinnen.“

Auch Prof. Dr. Naciye Kamcili-Yildiz vom Rat der Muslimischen Gemeinden unterstrich die Bedeutung gegenseitiger Ermutigung: „In diesen Tagen, in denen uns das Herz schwer ist, machen wir uns gegenseitig Mut. Die Geschichten unserer religiösen Traditionen erzählen von Standhaftigkeit, Gerechtigkeit und dem Eintreten für Würde und Freiheit – und sie können uns Kraft geben.“

Gleichzeitig wurden große Hoffnungen und große Enttäuschungen unserer Zeit benannt – von demokratischen Aufbrüchen bis hin zu Krieg und Gewalt. Doch das Friedensgebet blieb nicht bei der Ernüchterung stehen. Mutmachende Zeichen wie das geplante „Fest der Demokratie“ in Dortmund, die politische Unterstützung Europas für die Ukraine oder demokratische Entwicklungen in Europa wurden bewusst in den Blick genommen.

„Wir wollen die Hoffnung nicht verlieren, dass Frieden möglich ist – in Europa und im Nahen Osten“, so Kamcili-Yildiz weiter. „Frieden braucht Menschen, die sich engagieren, Verantwortung übernehmen und trotz Rückschlägen nicht aufgeben – im Kleinen und im Großen.“

Gelebte Selbstverpflichtung

Ein zentrales Element des Friedensgebetes war erneut die gemeinsam gesprochene „Dortmunder Selbstverpflichtung“. Darin bekannten sich die Beteiligten und viele Besucherinnen und Besucher zu Respekt, zum Abbau von Vorurteilen, zu Dialog und zum gemeinsamen Einsatz für Frieden und Menschenwürde in der Stadt.

Besondere Bedeutung hatte in diesem Jahr die erstmalige Teilnahme des neuen Oberbürgermeisters der Stadt Dortmund, Alexander Kalouti, der sich aktiv am Interreligiösen Friedensgebet beteiligte. Die Veranstalterinnen und Veranstalter zeigten sich ausdrücklich froh darüber, dass er dieses Zeichen des interreligiösen Miteinanders zum Beginn seiner Amtszeit mitträgt.

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