Menschen denken an den Tod - sprechen aber selten darüber
Tod und Trauer haben laut einer Umfrage oft eine abschreckende Wirkung: Sorge, etwas Falsches zu sagen, oder gleich die Angst vor dem eigenen Lebensende.
Jede und jeder Dritte denkt offenbar mindestens einmal pro Woche an den Tod: Das zeigt eine Umfrage des Senders 1live für Nordrhein-Westfalen. Je ein Fünftel der jüngeren Befragten (16 bis 34 Jahre) gibt an, mehrmals im Monat oder mehrmals im Jahr an den Tod zu denken, ein weiteres Fünftel noch seltener.
Etwa jede siebte Person erklärte, Trauernden schon einmal aus dem Weg gegangen zu sein. „Das ist gar nicht böse gemeint, sondern Überforderung“, sagte die Psychologin und Psychotherapeutin Franca Cerutti dem Sender. „Ganz viele Menschen sind ein bisschen panisch, etwas Falsches zu sagen. Wir haben dafür kein Drehbuch und kein Skript.“ Zugleich sagten 41 Prozent der jüngeren Befragten, dass zu wenig über den Tod gesprochen werde.
Ablenkung nach Trauerfall - sinnvoll oder riskant?
71 Prozent der jungen Altersgruppe erklärten, sich nach einem Todesfall schon einmal über Wochen abgelenkt zu haben. Unter Befragten über 35 Jahren sagten dies 52 Prozent. Eine Mehrheit wählt demnach Treffen und Gespräche mit anderen Menschen, um auf andere Gedanken zu kommen (67 beziehungsweise 64 Prozent), darauf folgen Sport, Bewegung und Hobbys (59 beziehungsweise 49 Prozent). Alkohol oder andere Rauschmittel nennen 17 Prozent unter den Jüngeren sowie 6 Prozent in der Altersgruppe 35plus.
Comedian Ryko schilderte dem Sender den Eindruck, dass der Tod tabuisiert werde: „Über Geld spricht man nicht. Und über den Tod schon gar nicht“, sagte er. Entweder verbringe man die Zeit mit Witzen oder Erinnerungen an Menschen, „die irgendwann mal gegangen sind. Oder wir fressen alles in uns rein und kriegen panische Angst, irgendwann zu sterben“.
Er selbst habe nach dem Tod seiner Mutter „viel gesoffen, viel gekifft“, fügte der 28-Jährige hinzu. „Aber ich hab‘ irgendwann gemerkt: Das ist nicht der Weg.“ Ablenkung sei grundsätzlich nichts Schlechtes und könne sogar bei der Verarbeitung von Trauer helfen, erklärte Psychologin Cerutti. Dies könne jedoch kippen.
Befragt wurden laut Angaben gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap 1.100 Menschen im bevölkerungsreichsten Bundesland.