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05.11.2026
Papst Leo XIV. verlässt am 17. Oktober 2026 das Gemelli-Krankenhaus in Rom (Italien). Jetzt steht seine Südamerika-Reise bevor.
Foto / Quelle: Alessia Giuliani/CPP/KNA

Leo XIV. vor seiner bislang längsten Reise

Nach seiner Lungen-OP besucht der Papst drei Länder Südamerikas.

Vatikanstadt

Bei den öffentlichen Auftritten des Papstes in den vergangenen Tagen hat wohl niemand mehr an der gesundheitlichen Verfassung von Leo XIV. gezweifelt. Doch nach seiner Krebs-OP Mitte Oktober gab es Spekulationen, ob seine bisher längste Auslandsreise als Papst wie geplant stattfinden kann. Einen für den 27. Oktober geplanten kurzen Hubschrauberflug von Rom nach Assisi hatte Leo XIV. noch abgesagt – auf ärztliches Anraten, wie der Vatikan mitteilte, um seine Genesung nach der Lungenkrebs-Operation nicht zu gefährden.

Tatsächlich hatte der überraschende und kurze medizinische Eingriff vom 13. Oktober, bei dem etwa 20 Prozent des Lungengewebes mitsamt einem Tumor entfernt wurden, tiefe Besorgnis ausgelöst. Im Vatikan, aber auch in den drei Ländern, die der Papst besuchen will, fragten sich die Verantwortlichen, ob der 71-Jährige trotzdem an seinem anstrengenden transatlantischen Reiseprogramm festhalten würde.

Ärzte gaben grünes Licht

Doch die betreuenden Ärzte und der Vatikan versichern, dass angesichts der vollständigen Entfernung des Tumors und der guten Genesungsfortschritte des prominenten Patienten der Reise aus medizinischer Sicht nichts im Wege stehe. Und so freuen sich in Uruguays Hauptstadt Montevideo viele Menschen, wenn am 6. November nachmittags (Ortszeit) der Papst dort seine elftägige Reise durch drei Länder Südamerikas beginnt.

Dem kleinen Land zwischen Argentinien und Brasilien, das als eines der am wenigsten katholischen Länder Lateinamerikas gilt, wird die besondere Ehre zuteil, den fließend Spanisch sprechenden US-Amerikaner im Papstamt als erstes zu begrüßen. Knapp drei Tage wird Leo XIV. dort sein und vermutlich versuchen, der vergleichsweise kleinen und politisch nicht sehr einflussreichen Kirche des Landes Mut zu machen.

Ähnlich wie in vielen europäischen Ländern werden auch in Uruguay Themen wie die Krise der traditionellen Familie, die Liberalisierung der Abtreibungsgesetze und die aktive Hilfe zum Suizid bei Schwerstkranken diskutiert. Doch bleiben dem relativ wohlhabenden und stabilen Land extreme politische Spannungen zwischen linken und rechten Parteien bisher erspart, wie sie in fast allen anderen Ländern in Lateinamerika zu beobachten sind.

In Argentinien geht es um Sozialpolitik

Scharfe politische Gegensätze prägen hingegen das zweite Land im päpstlichen Reiseprogramm. In Argentinien regiert seit knapp drei Jahren der einstige Wirtschaftsprofessor Javier Milei. Er hat dem über Jahrzehnte von Inflation und Korruption geplagten Land eine Rosskur aus radikal reduzierten Staatsausgaben, freier Marktwirtschaft und innerer Sicherheit verordnet.

Die Ergebnisse sind umstritten. Doch scheinen Mileis Sieg über die galoppierende Inflation, sein robustes Vorgehen „mit der Kettensäge“ gegen die Wucherungen des Staatsapparats und sein radikales Freiheits-Ethos bei vielen seiner Landsleute anzukommen.

Mit Spannung wird zu beobachten sein, wie sich Leo XIV. zu Milei und dessen Ideen verhält. Der Papst aus Chicago beruft sich auffallend oft auf die in Teilen marktkritische katholische Soziallehre – so wie es auch Argentiniens Bischöfe tun, wenn sie Mileis radikalliberale Wirtschaftspolitik kritisieren.

Das Erbe von Papst Franziskus

Daneben wird aber auch das Erbe von Papst Franziskus (2013-2025) in Argentinien immer wieder eine Rolle spielen. Er selbst hat sein Heimatland als Papst nie bereist. Leo XIV. besucht mehrere Orte, die mit der Biografie seines Vorgängers eng verknüpft sind: Dazu gehört dessen langjährige Bischofsstadt Buenos Aires ebenso wie die „Nummer zwei“ unter Argentiniens Städten, die intellektuelle Hochburg Córdoba.

Dort verbrachte der damalige Jesuit Jorge Mario Bergoglio die Jahre von 1990 bis 1992 in einer Art „innerer Verbannung“, nachdem er zuvor als Oberer der argentinischen Jesuiten wegen eines zu autoritären Führungsstils bei seinen Mitbrüdern angeeckt war. Auf den Spuren von Bergoglio/Franziskus bewegt sich Leo XIV. auch im populären Marienwallfahrtsort Luján. Gleich westlich der Hauptstadt Buenos Aires gelegen war die dortige neugotische Basilika für Bergoglio ein wichtiger geistlicher Bezugspunkt, an dem er immer wieder im Umfeld einer lebendigen Volksfrömmigkeit neue Kraft schöpfte.

Von Luján aus fliegt Leo XIV. dann am 11. November weiter zu der für ihn persönlich wohl wichtigsten Station der Reise: nach Peru. Das Land, das vom Amazonasbecken über die Anden bis zum Pazifik reicht, war für den heutigen Papst viele Jahre lang seine zweite Heimat. Dort machte er von 1985 bis 2001 seine Erfahrungen als Missionar und als Ausbilder von Missionaren.

Nach einem zwölfjährigen Intermezzo in Rom kehrte er 2014 für weitere neun Jahre nach Peru zurück und wurde nun Bischof in Chiclayo im Norden des Landes. In dieser Zeit wurde er auch peruanischer Staatsbürger.

Kein reiner Nostalgie-Trip

Dennoch macht Leo XIV. seinen Besuch in Peru keineswegs zu einem Nostalgie-Trip auf den Spuren der eigenen Vergangenheit. Er hält sich im Norden Perus, wo sein ehemaliges Bistum Chiclayo liegt, rund 48 Stunden auf – mit zwei Übernachtungen. Schon jetzt ist absehbar, dass die Menschen ihn dort mit noch mehr Begeisterung feiern werden als anderswo. Den Rest seiner fünftägigen Reise durch Peru widmet der Papst der Hauptstadt Lima, der Andenstadt Cusco und dem Amazonas-Ort Pucallpa.

Politisch dürfte die größte Herausforderung für den Papst in Peru sein Beitrag zur Bewältigung der blutigen Jahrzehnte sein, die das Land Ende des 20. Jahrhunderts heimsuchten. Die heutige Präsidentin, Keiko Fujimori, erinnert schon durch ihre Abstammung an eine der herausragenden Gestalten dieser bürgerkriegsähnlichen Zeit: Ihr Vater Alberto Fujimori regierte Peru von 1990 bis 2000 mit harter Hand und verletzte im Kampf gegen die unbarmherzig mordenden Linksterroristen des „Leuchtenden Pfads“ immer wieder Menschenrechte.

Diese grausamen Jahre hat der jetzige Papst einst in Peru miterlebt. Deshalb sind die Erwartungen hoch, dass er – als Zeitzeuge und nun zudem noch in der Rolle der höchsten moralischen Autorität – die richtigen Worte findet. Es geht darum, Jahre des Terrors und des Anti-Terrors aufzuarbeiten, Wunden zu heilen, Tote zu ehren und ein bis heute gespaltenes Land wieder zusammenzuführen.

Dass Leo XIV. das Land, die Menschen und ihre Sprache kennt, ist bei allen Stationen in Südamerika eine große Hilfe. In Peru kann er sogar in zwei Sprachen reden: auf Spanisch und auf Quechua, das vor allem die Menschen in der Region Cusco sprechen. Als Missionar und Bischof hat Prevost einst auch diese Sprache erlernt. Am Vormittag des 17. November wird Papst Leo XIV. in Rom zurückerwartet.

KNA
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