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23.07.2026
Foto / Quelle: Corinne Simon/KNA

Leihmutterschafts-Debatte hält an - erste Signale aus Union und SPD

Wie weiter umgehen mit dem Thema Leihmutterschaft? Ein SPD-Bundestagsabgeordneter plädiert für eine offene Debatte in naher Zukunft. Ein CDU-Mann signalisiert Redebereitschaft – zumindest in einer Angelegenheit.

Berlin

Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Dirk Wiese, plädiert für eine neue Bundestagsdebatte zum Thema Leihmutterschaft. „Der Bundestag sollte sich mit einer Orientierungsdebatte dem Thema widmen“, sagte Wiese am Mittwoch in Berlin. Ein solcher offener Austausch „fernab von Fraktionsmeinungen, fernab von Parteimeinungen“ könne mit einem zeitlichen Abstand geführt werden. Zunächst müsse aber die Debatte um die Widerspruchslösung zur Organspende zu Ende gebracht werden.

Eine neue Diskussion über die Leihmutterschaft war aufgekommen, nachdem bekannt geworden war, dass der CDU-Politiker Jens Spahn mit seinem Ehepartner eine Leihmutterschaft in den USA in Anspruch genommen hatte. Er trat in der Folge als Unionsfraktionsvorsitzender zurück, weil er sich als CDU-Politiker für ein Verbot von Leihmutterschaft ausgesprochen hatte und ihm Kritiker Doppelmoral vorwarfen.

CDU-Abgeordneter teilweise redebereit

Der Vorsitzende des Verbands der Lesben und Schwulen in der Union, Sören Siegmann (CDU), wirbt für eine neue Debatte, zumindest über die altruistische – unbezahlte – Leihmutterschaft in seiner Partei. „Wir müssen einen Weg finden, uns mit allen Lebensrealitäten zu beschäftigen“, sagte der Osnabrücker Kreistagsabgeordnete der Tageszeitung taz. „Wenn ein Paar, egal ob gleichgeschlechtlich oder nicht, eine Freundin hat, die sagt: Ich habe euch lieb und ich freue mich, wenn ihr ein Kind bekommt und würde es für euch austragen, warum dann das nicht auch ermöglichen.“

Unterdessen verteidigte Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa das Verbot von Leihmutterschaften in Deutschland. Vor allem die kommerzielle Leihmutterschaft werfe eine große Reihe ethischer, rechtlicher und praktischer Fragen auf, sagte Welskop-Deffaa auf Anfrage. „Wir können unsere Augen nicht vor den Ausbeutungsgefahren verschließen, die mit diesem Geschäftsmodell verbunden sind.“

Umgehungen und Missbrauch

Weiter betonte die Caritas-Präsidentin, „eine neunmonatige Schwangerschaft, bei der die Frau erheblichen vertraglichen Verpflichtungen aus einem Leihmuttervertrag unterworfen ist, entspricht nicht unserem Verständnis von reproduktiver Selbstbestimmung, körperlicher Integrität und menschlicher Würde“.

Auch in altruistisch angelegten Modellen gebe es ein erhebliches Potenzial für Umgehungen und Missbrauch, warnte Welskop-Deffaa. Gefährdungspotenziale sehe sie zudem in der Ausbeutung von Frauen, Kinderhandel und in der Selektion nach „Qualitätsmerkmalen“ des Kindes wie Gesundheit, Geschlecht und ethnischen Kriterien. Ein Blick auf die Praxis mache deutlich, dass ökonomische Gründe und damit die Gefahr von Ausbeutung real seien. In der Ukraine etwa seien vor allem Kriegerwitwen Eizellspenderinnen und Leihmütter.

KNA
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