"Jüngstes Gericht" vor dreimonatigem Frühjahrsputz
Hunderttausende wollen jährlich das „Jüngste Gericht“ in der Sixtinischen Kapelle sehen. Das hinterlässt Spuren.
Michelangelos „Jüngstes Gericht“, eines der berühmtesten Fresken der Welt, verschwindet für rund drei Monate hinter einem Gerüst. Erstmals seit 1994 erhält das Meisterwerk in der Sixtinischen Kapelle eine Grundreinigung, wie die Vatikanischen Museen am Montag mitteilten. Die Kapelle selbst bleibt für Besucher geöffnet. Die Restauratoren arbeiten hinter einer Plane, die eine Abbildung des Werkes zeigt.
Die Arbeiten dürften etwa bis Ende April dauern. Damit wird die etwa 180 Quadratmeter große Sehenswürdigkeit mit ihren 391 Figuren nicht für Osterurlauber zu besichtigen sein.
Jahrelange Arbeit am "Jüngsten Gericht"
Papst Clemens VII. hatte das „Jüngste Gericht“ 1533 bei Michelangelo Buonarroti (1475-1564) für die Westwand der Sixtina in Auftrag gegeben. Begonnen wurde es jedoch erst unter Papst Paul III., der den Künstler zum leitenden Architekten, Bildhauer und Maler ernannte. Damit entband er Michelangelo von seiner vertraglichen Verpflichtung für das Grabmal von Papst Julius II. im Petersdom, so dass er sich ganz der Ausmalung der Sixtina widmen konnte.
Michelangelo begann damit im Sommer 1536 und vollendete das immense Werk im Herbst 1541. Das Gemälde, das Christus als Weltrichter auf eisblauem Hintergrund zeigt, umgeben von „Verdammten“ und „Gerechten“, ist auch berühmt als Kulisse der Papstwahl.
Angesichts des hohen täglichen Besucheraufkommens kontrollieren die Vatikanischen Museen fortlaufend den Zustand der Gemälde in der Sixtinischen Kapelle und befreien sie regelmäßig von angesammelten Ablagerungen. Von den Maßnahmen, die ausschließlich nachts mithilfe von mobilen Arbeitsbühnen vorgenommen werden, war das „Jüngste Gericht“ jedoch bisher ausgenommen.
Weißlicher Schleier
Doch inzwischen ist es mit einem weißlichen Schleier bedeckt, verursacht durch Mikropartikel fremder Substanzen, die durch Luftbewegungen transportiert wurden und im Laufe der Zeit die Hell-Dunkel-Kontraste abgeschwächt haben. So erklärt es Paolo Violini, Leiter des Restaurierungslabors für Gemälde und Holzwerkstoffe. Um die von Michelangelo beabsichtigte Farb- und Leuchtkraft wiederherzustellen, seien Sondermaßnahmen mit einem feststehenden Gerüst erforderlich.
pdp