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22.06.2026
Blick in die Eishöhle über dem Marktschellenberg.
Foto / Quelle: Peter R. Hofmann/KNA

In Höhlen lässt es sich gut erfrischen, besonders in einer

Die erste Hitzewelle des Sommers läuft – wo kann man sich abkühlen? Alte Kirchen, frische Bergseen, aber auch Höhlen versprechen frische Temperaturen.

München/Marktschellenberg

Deutschland stöhnt unter der ersten Hitzewelle des Sommers. Lust auf angenehme sieben bis neun Grad? Dann ab in eine der 53 Schauhöhlen, die der Verband der deutschen Höhlen- und Karstforscher auf seiner Internetseite auflistet: Zwischen der Kalkberghöhle Bad Segeberg in Schleswig-Holstein und der Sturmannshöhle im Oberallgäu sollte für jeden ein wohnortnahes Ziel dabei sein.

Im äußersten Südostwinkel Bayerns kann man sogar Temperaturen kaum über dem Gefrierpunkt genießen: in Deutschlands einziger touristisch erschlossener Eishöhle hoch über Marktschellenberg im Berchtesgadener Land.

Unter einer Felswand auf 1.570 Metern

Einen Wermutstropfen hat die Erfrischungsgelegenheit: Sie liegt auf 1.570 Metern direkt unter den Felsabstürzen des Untersbergs. Da muss man erst einmal hinkommen. Und das ist zwangsläufig eine schweißtreibende Sache, selbst bei kühlerer Witterung.

Aus dem Tal sind gut 1.000 Höhenmeter zu überwinden. Für den Fußmarsch sollten 3,5 Stunden eingeplant werden. Wer es eine Stunde kürzer haben will, nimmt die österreichische Untersbergbahn zum Geiereck, wandert aussichtsreich über den Salzburger Hochthron und wählt den Thomas-Eder-Steig die Ostwand hinab. Aber Achtung: Diese teils in den Fels gesprengte Route führt über Treppen und durch Tunnels. Sie erfordert absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit.

Besucher sind auf einem Trampelpfad unterwegs auf dem Weg zur Eishöhle über Marktschellenberg.
Foto / Quelle: Peter R. Hofmann/KNA

Deutschlands kälteste Natureiskammer ist zwischen Juni und Oktober im Rahmen von Führungen zugänglich. Wer einen Ausflug ins Bergesinnere erwägt, sollte zuvor unbedingt auf der Internetseite des Höhlenvereins die genauen Öffnungszeiten in Erfahrung bringen. Eine Erkundung auf eigene Faust ist nicht drin.

Etwa eine Dreiviertelstunde lässt sich die kristalline Unterwelt auf gut gesichertem Pfad erleben, begleitet von fachkundigen Höhlenkundlern. Immerhin rund 5.000 Menschen pro Jahr lassen sich dieses eiskalte Vergnügen nicht entgehen.

Die Besucher werden mit Grubenlampen und Helmen ausgestattet. Wer einmal die 15 Meter hohe Eisgrotte im sogenannten Mörkdom aus der Nähe bewundert hat, weiß: Die Mühen des Aufstiegs haben sich gelohnt. Und: Der dicke Pulli war nicht umsonst im Rucksack.

3,6 Kilometer tiefes Labyrinth

Das „Schellenberger Eisloch“ findet sich schon auf Karten des frühen 19. Jahrhunderts. Bald interessierten sich Forscher für den gewaltigen Hohlraum, von dem inzwischen mehr als 3,6 Kilometer erforscht sind. Der örtliche Verein für Höhlenkunde feierte 2025 sein 100-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass erschien ein reich bebilderter Jubiläumsband mit den neuesten Erkenntnissen über den unterirdischen Gletscher, verfasst vom Bochumer Höhlenklimaforscher Andreas Pflitsch.

Wie aber kommt das Eis überhaupt in die Höhle? Das hat viel mit ihrer speziellen Lage zu tun. Anders als in manch anderen Eishöhlen gibt es in ihr keinen kühlenden Durchzug. Bei frostigen Temperaturen muss Kaltluft von oben in sie hineinfallen. Weil diese schwerer ist als warme Luft, kann sie von dieser nicht verdrängt werden. Von oben durch Klüfte und Ritzen einsickerndes Regen- oder Schmelzwasser gefriert dann.

Besucher am 28. Juli 2018 in der Eishöhle über Marktschellenberg.
Foto / Quelle: Peter R. Hofmann/KNA

Wohl um die 60.000 Kubikmeter Eis haben sich so gebildet, an manchen Stellen bis zu 30 Meter mächtig. Dabei gibt es durchaus Unterschiede zwischen einzelnen Hohlräumen. In manchen ist das Eis nur wenige Jahrzehnte alt, in der Fuggerhalle wurden in Bohrkernen Pflanzenreste aus dem ersten Jahrtausend vor Christus gefunden.

Pflitsch spricht von einem „einzigartigen, mehrstöckigen Klimaarchiv“, das sich in der Schellenberger Eishöhle erhalten habe. Es reiche von neuzeitlichen Kältephasen zurück bis in die Vorantike. Allerdings ist das Archiv in Zeiten der Klimaerwärmung zunehmend bedroht.

Auch in der Unterwelt schmilzt es

Langjährige Messreihen zeigen: Seit mindestens 20 Jahren schmilzt die Glitzerpracht in der Unterwelt Berchtesgadens kontinuierlich dahin. In der Angermeyerhalle ist das Eisniveau seit 2013 um fast vier Meter gesunken.

Selbst einen Meter tief im Felsen gibt es keinen Permafrost mehr. Eindringende Warmluft wird deshalb nicht mehr von den steinernen Wänden automatisch abgekühlt. Wie für die Gletscher auf der Oberfläche gilt auch unter Tage: Das „Ewige Eis“ ist nicht ewig.

KNA
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