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04.07.2026
Oliver Gunia, Krankenpfleger und Leiter der Wundambulanz der Obdachlosenhilfe Sankt Bonifaz, gibt Tipps für die Reiseapotheke.
Foto / Quelle: Christoph Renzikowski/KNA

"Im Auto-Verbandskoffer ist nicht alles drin"

Der Urlaub naht – Zeit zum Kofferpacken. Ist auch wirklich alles dabei? Eine kleine Apotheke sollte nicht fehlen.

München

Urlaub ist die schönste Zeit – aber unterwegs kann immer etwas passieren. Deshalb sollte für Unfälle oder kleinere Gesundheitsprobleme immer eine Reiseapotheke eingepackt werden. Der Münchner Krankenpfleger Oliver Gunia (58) ist bundesweit gefragter Wundexperte und weiß, was da hinein muss. Seinen wichtigsten Tipp gibt er vorweg: „Die beste Wunde ist die, die gar nicht erst entsteht.“ Daher: vor Sonne schützen, große Hitze meiden, genug trinken, am Strand auf jeden Schritt achten und zum Wandern nicht ohne gutes Schuhwerk aufbrechen.

Was muss unbedingt in die Reiseapotheke?

Zur Grundausstattung gehören Wunddesinfektionsmittel, Pflaster, sterile Kompressen, Schmerzmittel, Sonnenschutz sowie persönliche Medikamente. Der Experte empfiehlt außerdem Mittel gegen Durchfall, Übelkeit und Insektenstiche. Bewährt haben sich eine Pinzette zur Entfernung kleiner Splitter sowie eine Zeckenkarte oder Zeckenzange. Als Vater möchte er auf einen elektrischen Stichheiler nicht mehr verzichten. Bei Insektenstichen verschafft er häufig schnell Erleichterung.

Wer mit dem Auto in den Urlaub fährt, hat die Erste-Hilfe-Box schon an Bord. Ist da alles drin?

Nein. Das gesetzlich vorgeschriebene Kfz-Set enthält Verbandsmaterial, aber meist kein Wunddesinfektionsmittel, keine Schmerzmittel und oft nur eine begrenzte Auswahl an Pflastern. Eine Ergänzung ist daher sinnvoll.

Das Kind hat sich draußen beim Spielen das Knie aufgeschlagen. Genügt ein Pflaster?

Zunächst sollte die Wunde von Schmutz und Fremdkörpern gereinigt werden. Anschließend empfiehlt sich eine Wunddesinfektion und eine sterile Abdeckung. Ein Pflaster allein genügt nur bei sehr kleinen, sauberen Verletzungen.

Ich habe mir beim Salatschnippeln auf dem Campingplatz in den Finger geschnitten und spontan das Blut abgeleckt. Richtig oder falsch?

Falsch. Der Mund enthält viele Bakterien. Besser die Wunde mit sauberem Trinkwasser oder einer sterilen Wundspüllösung reinigen, dann desinfizieren und abdecken.

Wann muss eine Wunde sofort gereinigt werden?

Immer dann, wenn sie verschmutzt ist oder Fremdkörper enthält. Erde, Sand, Splitt oder Pflanzenreste erhöhen das Infektionsrisiko und sollten möglichst rasch entfernt werden. Wichtig ist außerdem, den Tetanusschutz zu überprüfen.

Welches Desinfektionsmittel ist das richtige für unterwegs?

Geeignet sind farblose, gut verträgliche Wundantiseptika, die ausdrücklich für offene Wunden zugelassen sind. Gerade bei Kindern empfiehlt Gunia möglichst schmerzfreie Präparate, da sie die Akzeptanz der Wundversorgung deutlich erhöhen.

Kleiner Koffer mit Medikamenten und Utensilien für die Reise wie Schmerzmittel, eine Zeckenzange, Heilsalbe, Mittel gegen Durchfall und eine Pinzette.
Foto / Quelle: Harald Oppitz/KNA

Welches Pflaster für welche Verletzung?

Für kleine Schnitte genügt ein Standardpflaster. Für Schürfwunden eignen sich größere Wundpflaster oder sterile Auflagen. Bei Blasen sind spezielle Blasenpflaster sinnvoll.

Über Nacht kleben lassen oder lüften?

Moderne Wundversorgung setzt auf ein geschütztes, leicht feuchtes Wundmilieu. Das fördert die Heilung, senkt das Risiko für Krustenbildung und Narben und wird von vielen auch als deutlich schmerzarmer empfunden. Die früher häufig empfohlene „Lufttherapie“ gilt als überholt.

Die Wunde heilt schlecht und nässt auch noch nach Tagen. Wann muss sich das ein Arzt ansehen?

Bei zunehmender Rötung, Schwellung, Schmerzen, Eiter, Fieber oder wenn nach einigen Tagen keine erkennbare Heilung eintritt.

Auch Verbandszeug hat ein Verfallsdatum. Ignorieren oder nach Ablauf wegwerfen?

Steriles Verbandmaterial sollte nach dem Verfallsdatum ersetzt werden. Weil danach die Sterilität nicht mehr garantiert ist.

Die Wunde ist gesäubert und abgedeckt, tut aber immer noch weh. Was lässt sich gegen den Schmerz tun?

Kühlen, Hochlagern und gegebenenfalls ein geeignetes Schmerzmittel können helfen. Auch eine moderne, feuchte Wundversorgung trägt häufig zur Linderung bei. Nehmen die Schmerzen zu oder halten an, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.

Ein Sprichwort sagt: Die Zeit heilt alle Wunden. Was sagt der Fachtherapeut?

Zeit allein heilt keine Wunde. Sie muss gut versorgt werden. Infektionen sollten vermieden und die Ursachen behandelt werden. Die Zeit unterstützt die Heilung – sie ersetzt sie nicht.

KNA
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