Gruppenselfie mit Teilnehmern einer Projektwoche der Jugendbewegung Socio Movens in Lippa (Rumänien).
Foto / Quelle: Attila Raul Dobai Mergel/KNA

Europa eine Seele geben: Jugendbewegung erhält Friedenspreis

Ein Friedenspreis für die Nato – damit sind nicht alle einverstanden. Dabei geriet der andere Preisträger etwas aus dem Blick: Socio Movens.

Münster/Dortmund

Helmut Schmidt hat ihn, König Abdullah II. von Jordanien, die baltischen Staaten Estland, Lettland und Litauen und bald auch die Nato: den Internationalen Preis des Westfälischen Friedens. Und auch sie haben ihn: die Sternsinger, der Ring deutscher Pfadfinderverbände, Aktion Sühnezeichen und in wenigen Stunden auch die Jugendbewegung Socio Movens – Giving Europe a Soul (Europa eine Seele geben). Doch was steckt hinter der kirchlichen Bewegung mit dem lateinischen Namen, der sich in etwa mit „gemeinsam bewegen“ übersetzen lässt?

„Jugendliche müssen vor Ort erfahren, dass sie die Gesellschaft voranbringen können“, erklärt Raphael Röwekamp die Idee hinter der Jugendbewegung im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Röwekamp ist stellvertretender Vorsitzender der 2022 gegründeten gleichnamigen Stiftung und war selbst mehrfach in verschiedenen Ländern Osteuropas Teilnehmer an Jugendprojektwochen, dem Herzstück von Socio Movens.

Jugendprojekte in Osteuropa

Aktuell führt die Bewegung Jugendprojekte in Polen, Litauen, der Slowakei, Ungarn, Kroatien und Rumänien durch. In der Vergangenheit zählte auch die Ukraine zu den Projektpartnern. Aufgrund des russischen Angriffskriegs konnten laut Röwekamp seit 2021 dort jedoch keine Projekte mehr umgesetzt werden. Die Anfänge von Socio Movens liegen im Jahr 2013. Damals fanden die ersten beiden Projektwochen in Osteuropa statt. 2014 folgte dann die Gründung des Vereins Socio Movens, seit 2022 gibt es die Stiftung.

Neben den Projektwochen gebe es immer wieder auch größere Begegnungstreffen mit rund 120 Jugendlichen, so Röwekamp. In diesem Jahr fand eines in der Slowakei statt. Ziel der Jugend-Festivals sei es, Jugendliche zusammenzubringen, um Erfahrungen zu teilen. Sie erlebten: „Hey, wir sind mit unserer Erfahrung, dass es soziale Herausforderungen gibt, nicht allein – und auch nicht damit, etwas dagegen zu tun“, sagt Röwekamp.

Zwei Jugendliche halten sich an den Händen bei einer Projektwoche der Jugendbewegung Socio Movens in Lippa (Rumänien).
Foto / Quelle: Attila Raul Dobai Mergel/KNA

Dieser Austausch sei wichtig, um gestärkt vor Ort etwas zu bewegen. Das funktioniere nur über konkrete Projekte und nicht einfach mit Geldern, die nach dem Gießkannenprinzip verteilt würden. Der Stiftungsvorstand hebt auch Möglichkeiten hervor, die das von der EU finanzierte Programm Erasmus+ biete, etwa zur Förderung von Partnerschaften und Kooperationsprojekten.

Die Gruppen seien sehr gemischt, von privilegierten Kindern bis hin zu Jungen und Mädchen am Rand der Gesellschaft, weiß Röwekamp durch die Teilnahme an mehreren Aktionen. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm die abendlichen Reflexionsrunden, nachdem die Gruppe den Tag über im sozialen Einsatz, etwa in einem Pflegeheim, war. Dass die Jugendlichen ihre Erfahrungen teilen und einander zuhören können, sei etwas Besonderes. Solche Räume gebe es viel zu selten.

Am Ende einer Projektwoche gebe es immer wieder Jugendliche, die motiviert seien, sich dauerhaft und konkret zu engagieren. Das sei eine Erfahrung, die Kirche und Gesellschaft unbedingt bräuchten: „Hier ist etwas angestoßen, hier ist ein Stein ins Rollen gebracht worden“, sagt Röwekamp.

Diskussion um Nato-Auszeichnung

Etwas überschattet wird die diesjährige Verleihung des Friedenspreises durch die Kritik an der Auszeichnung für die Nato. Damit würdige man „eine Institution, die in einer Zeit globaler Unsicherheit Verlässlichkeit schafft, Partnerschaft fördert und Frieden durch Stabilität ermöglicht“, erklärte der Vorsitzende der Wirtschaftlichen Gesellschaft für Westfalen und Lippe, Reinhard Zinkann, im vergangenen Jahr bei der Bekanntgabe der Preisträger.

Doch das blieb in Münster nicht ohne Reaktion. Ein neu gegründeter Verein verlieh bereits am Freitag den „Alternativen Westfälischen Friedenspreis“ an den Verein Connection, der sich seit vielen Jahren für Kriegsdienstverweigernde, Deserteure und das Menschenrecht auf Kriegsdienstverweigerung einsetzt.

KNA

Hintergrund

Den traditionellen, seit 1998 verliehenen Friedenspreis erhalten an diesem Donnerstag im Münsteraner Rathaus des Westfälischen Friedens nun die Nato, vertreten durch Generalsekretär Mark Rutte, und Socio Movens. Zu der Verleihung hat sich hoher Besuch angekündigt: Laudatoren werden Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Kurienkardinal Michael Czerny sein.

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