"Es gibt keine Artenkenner mehr“
Spezialisten für die hiesige Tier- und Pflanzenwelt gibt es immer weniger, sagt ein Forscher. Dabei gehöre Artenkenntnis zur Allgemeinbildung.
Welcher Käfer ist das? Woran erkennt man ein Heuschrecken-Weibchen? – Die Kenntnis von heimischen Pflanzen und Tieren hat nach Einschätzung eines Experten deutlich abgenommen. „Die Artenkenner sind nicht mehr da“, sagte Jonathan Hense, Biologe an der Universität Bonn, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). „Das ist in der Gesellschaft genauso wie in der Wissenschaft allgemein.“
Der Mangel an Fachleuten und die Biodiversitätskrise – also der menschengemachte Verlust von Tier- und Pflanzenarten – verstärkten sich wechselseitig. „Wir können diesen Verlust nicht angehen, wenn wir gleichzeitig keine Spezialisten mehr haben“, sagte der Forscher.
Hense ist Mitinitiator des „Heupferdchens“: Damit wird bei Kindern – nach Art des bekannten „Seepferdchens“ für Schwimmfähigkeit – Kenntnisreichtum in der Tier- und Pflanzenwelt ausgezeichnet. Seit einem Jahr gibt es das Abzeichen; bisher ist es laut Angaben 25.000 Mal vergeben worden oder wird demnächst vergeben. Ziel ist demnach, Artenkenntnis stärker in der gesellschaftlichen Allgemeinbildung zu verankern.
Naturkenntnis für das eigene Wohlbefinden
„Artenkenntnis ist entscheidend, um Natur wahrzunehmen und sie sich auch als Raum anzueignen“, sagt Hense. „Sie sollte dazu führen, dass man die Natur, in der man sich aufhält, auch versteht – also sich orientieren kann und Dinge wiedererkennt.“
Kenntnisse der heimischen Tier- und Pflanzenwelt könnten zudem zum allgemeinen Wohlbefinden des Menschen beitragen. Hense verweist auf Studien, die zeigten, „dass es zur mentalen Gesundheit beiträgt, wenn Menschen sich in der Natur aufhalten – und zwar besonders, wenn das nicht nur passiv, sondern verstehend geschieht.“
Zudem sei die Bestimmung von Arten ein Kulturgut, das es seit tausenden Jahren gebe. „Das ist ein ganz alter Wissensstand. Den haben schon die Menschen in der Steinzeit angefangen aufzubauen.“ Es sei ein Teil der Menschheitsgeschichte, den es zu bewahren gelte, betont der Forscher. Und: „Nur was man kennt, das schätzt und schützt man auch.“