„Das Blaulicht ist eine besondere Farbe des Lichtes Jesu“
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz fordert bei Blaulicht-Messe am Libori-Freitag gesellschaftlichen Rückhalt für Einsatzkräfte.
„Sie stehen mittendrin: zwischen Gefahr und Rettung, zwischen Angst und neuem Vertrauen, manchmal sogar zwischen Leben und Tod.“ Das sagte Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz in der Blaulicht-Messe am Libori-Freitag, 31. Juli 2026, im Hohen Dom. Der Paderborner Erzbischof feierte den Gottesdienst mit Mitarbeitenden aus Feuerwehr, Polizei, Bundeswehr, Hilfsdiensten und anderen blaulichtberechtigten Organisationen. „Das Blaulicht ist eine besondere Lichtfarbe jenes Licht, von dem Jesus spricht: dass wir in existentieller Dunkelheit Licht der Welt sein sollen“, zeigte sich der Paderborner Erzbischof überzeugt. Auch NRW-Innenminister Herbert Reul zollte den Einsatzkräften seine Anerkennung – der Dienst der Blaulicht-Familie liegt in seinem Verantwortungsbereich.
In der Libori-Woche besuchen täglich zahllose Menschen den Hohen Dom – um die festlichen Libori-Gottesdienste mitzufeiern oder um die Reliquien des heiligen Liborius zu verehren. Viele geladene Gäste und zahlreiche Gläubige feierten die Blaulicht-Messe, die sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Libori-Format etabliert hat. Dompropst Monsignore Joachim Göbel begrüßte die Festgemeinde vor Beginn der Heiligen Messe – das Metropolitankapitel und die Polizei-, Feuerwehr-, Rettungsdienst- und Notfallseelsorge im Erzbistum Paderborn sind Träger des Gottesdienstes.
Ausdruck eines Versprechens
Dass die Blaulicht-Messe seit einigen Jahren fest zur Libori-Woche gehöre, sei „Ausdruck dafür, dass wir Gott danken für Ihren Einsatz. Dass wir Ihnen danken für Ihren Einsatz“, richtete sich der Paderborner Erzbischof in seiner Predigt direkt an die Blaulicht-Familie. „Ihr Dienst ist Ausdruck eines Versprechens, das wir einander als Gemeinschaft und als Christinnen und Christen geben: im Notfall nicht allein zu sein.“
Einsatzkräfte seien mittendrin und jederzeit bereit, da zu sein, wenn Hilfe notwendig sei, betonte Erzbischof Dr. Bentz in seiner Predigt: „Sie sind da, wenn sich von einer Sekunde auf die andere alles verändert.“ Dabei komme es bei jedem Einsatz darauf an, „dass jeder und jede die eigene, aber immer auch zugleich die gemeinsame Verantwortung kennt“, machte Erzbischof Dr. Bentz deutlich. „Es braucht Verlässlichkeit aufeinander und Vertrauen ineinander, damit Hilfe wirksam sein kann.“ Der Paderborner Erzbischof bezeichnete dies mit Blick auf die Tages-Lesung aus dem Buch Kohelet als „Grundgesetz menschlichen Lebens“: „Wir leben davon, dass jemand da ist, der uns hilft, wenn wir selbst an Grenzen stoßen.“ Dieses Aufeinander-Angewiesensein sei „nicht Schwäche, sondern Stärke unserer menschlichen Würde“, fuhr Erzbischof Dr. Bentz fort: „In der gegenseitigen Zuwendung gerade in Schwäche und Not erfahren wir Sinn und Wertigkeit. Dass der Mensch fähig ist, so zu handeln, macht seine Größe aus.“
Ein verlässliches Füreinander-Da-Sein müsse in allen Kontexten das gesellschaftliche Miteinander bestimmen: „Dieses verlässliche Miteinander lebt aber auch von professionell organisierter Hilfe. Darum sind Ihre Behörden, Organisationen und Dienste für unsere Gesellschaft so unverzichtbar“, betonte der Paderborner Erzbischof und forderte: „Sie alle brauchen die Rückendeckung von Politik und Gesellschaft.“ Es sei „krank und unverständlich, wenn Rettungskräfte in ihrem Dienst bedroht und behindert werden“, kritisierte Erzbischof Dr. Bentz.
Wer andere schütze, bleibe nicht unverwundbar, machte Erzbischof Dr. Bentz deutlich. Daher gehöre zur Blaulicht-Familie auch die Notfallseelsorge, die für Betroffene, Angehörige und für Einsatzkräfte da ist. Sie helfe, „Erfahrungen auszusprechen, Ohnmacht auszuhalten und nach schweren Einsätzen wieder festen Boden unter den Füßen zu finden. Darum gehört für uns als Kirche das Angebot professioneller Seelsorge bei der Polizei und Feuerwehr selbstverständlich dazu“, hob Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz abschließend hervor.
Grußwort von Herbert Reul
Monsignore Wolfgang Bender, Diözesanbeauftragter für die Notfall-, Feuerwehr- und Polizeiseelsorge, versicherte Erzbischof Dr. Bentz am Ende des Gottesdienstes mit Blick auf dessen Predigt: „Die Mitglieder der Blaulicht-Familie werden weiter als Menschen der Hoffnung und des Glaubens in der Gesellschaft wirken – helfend, schützend und dem Leben dienend.“ Der für diese Aussage gespendete Applaus wurde noch größer, als Msgr. Bender den NRW-Innenminister für ein kurzes Grußwort an den Ambo bat. Auch Herbert Reul lobte die Predigt des Paderborner Erzbischofs. „Da wurde alles gesagt und das muss ich nicht wiederholen. Aber auch ich danke Ihnen herzlich und bitte Sie: Passen Sie gut auf sich auf!“
Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz stand dem Gottesdienst vor, als Konzelebranten wirkten am Altar: Monsignore Wolfgang Bender als Diözesanbeauftragter für die Notfall-, Feuerwehr- und Polizeiseelsorge, Pastor Norbert Scheckel als stellvertretender Malteser Diözesanseelsorger, Pfarrer Thomas Stolz (früher Militärgeistlicher in Afghanistan), Pfarrer Peter Scheiwe (lange aktiver Feuerwehrmann sowie Feuerwehr- und Notfallseelsorger) sowie Pfarrer und Polizeiseelsorger Dr. Thomas Roddey. Diakon Heinz-Jürgen Nolde, beruflich und als Seelsorger mit der Feuerwehr betraut, assistierte im Gottesdienst. Die Lektoren- und Messdienerdienste übernahmen Mitglieder der Feuerwehr, der Malteser, der Polizei, des DLRG und der Notfallseelsorge.
pdp
Zur Sache
Der Polizeichor Paderborn gestaltete den Gottesdienst unter der Leitung von Frank Bodemeyer musikalisch. Anastasija Yuschenko spielte an der Domorgel. Die Blaulicht-Familie feierte ihr Zusammensein nach dem Gottesdienst im Zelt des Missionsgartens am Konrad-Martin-Haus weiter.