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19.03.2026
Eine Frau betet vor dem verschlossenen Haupteingang zur Grabeskirche in Jerusalem.
Foto / Quelle: Debbie Hill/OSV news/KNA

Christen in Jerusalem bleiben zu Ostern wohl unter sich

Der Irankrieg beendet Hoffnung auf neuen Pilgerboom im Heiligen Land.

Jerusalem

Die Erwartungen waren hoch, die Prognosen optimistisch, die Daten und Fakten vielversprechend: Am Jahresbeginn stand die große Hoffnung, dass der Heilig-Land-Tourismus nach langen Dürrejahren wieder in Fahrt kommt und die ausländischen Pilger zum Osterfest nach Jerusalem zurückkehren. Christliche Gästehäuser waren mit dem Abebben der Reisewarnungen endlich wieder gut gebucht, manche ausgebucht. Und für die Heiligen Stätten häuften sich die Anfragen nach Gottesdiensten und Pilgerbetreuung. Die Palmsonntagsprozession vom Ölberg in die Jerusalemer Altstadt versprach wieder ein christliches Massenevent zu werden. Dann noch die Karfreitagsprozessionen über die Via Dolorosa zur Grabeskirche, und schließlich die Feierlichkeiten zum katholischen Osterfest.

Dann aber heulten am 28. Februar um 8.13 Uhr in ganz Israel die Alarmsirenen und schrillten die Warn-Apps des Home Front Command auf den Handys. Der Kriegsausbruch mit dem Iran überraschte die Juden an ihrem Ruhetag Schabbat, und die Muslime nach einem vermutlich ausgiebigen Iftar-Mahl des zweiten Ramadan-Freitags. Und er beendete mit einem Schlag alle Hoffnungen auf Normalisierung, Festfeiern und Frieden. Israel verhängte fürs ganze Land den Ausnahmezustand, verbot Versammlungen und schloss weite Bereiche des öffentlichen Lebens: Schulen, Geschäfte, Arbeitsstätten, aber auch Kirchen und Gebetshäuser, einschließlich christlicher Grabeskirche, jüdischer Klagemauer und muslimischem Tempelberg.

Altstadt bleibt weiter geschlossen

Dieser Ausnahmezustand wurde immer wieder verlängert, freilich mit ersten Lockerungen für Schulen und Versammlungsgrößen. Aber die Jerusalemer Altstadt bleibt bis auf wenige Kioske und Lebensmittelgeschäfte geschlossen, während in der gerade hundert Meter entfernten jüdischen Mamilla-Mall wieder öffentliches Leben zurückkehrt – mit geöffneten Restaurants und Cafés, Mode- und Schmuckläden und Straßenmusikern – bei steigendem Besucherandrang.

Die spannende Frage bleibt, wann das Heimatfrontkommando so viel Sicherheit gewährleistet sieht, dass es das Versammlungs- und Öffnungsverbot für religiöse Stätten aufhebt. Das christliche Osterfest könnte dabei von einem milden Blick der israelischen Sicherheitsorgane profitieren, weil am Abend vor Gründonnerstag das jüdische Pessachfest beginnt. Inzwischen verdichten sich Spekulationen, dass genau an jenem 1. April die Schließung der Heiligen Stätten aufgehoben werden könnte. Dann könnten die Christen ihre Liturgien der Kar- und Ostertage in der geöffneten Grabeskirche und in den Pfarrkirchen des Heiligen Landes feiern.

Eine Passantin geht an geschlossenen Geschäften in Jerusalem (Israel) vorbei.
Foto / Quelle: Debbie Hill/OSV news/KNA

Allerdings wären dann die lokalen Christen und die im Land lebenden Ausländer weitgehend unter sich. Denn mit einer Rückkehr von Pilgergruppen und der Organisation von Besucherflügen ist für die nächste Zukunft nicht zu rechnen, meint der für das Pilgerwesen zuständige Franziskaner-Kustos Francesco Ielpo. Seine Pilgerzentrale am Jaffator hat die Entwicklung erst hoffnungs- und dann leidvoll beobachtet. In den ersten zwei Monaten gingen hier 1.700 Anfragen nach Gottesdiensten ein, gegenüber 2.800 im gesamten Jahr 2025. Aber schon in der zweiten Februarhälfte kamen die ersten Stornierungen an, berichtet Schwester Naomi Zimmermann. Und die häuften sich, bis zum kompletten Einbruch.

Ein Gang durch die Jerusalemer Altstadt zeigt, dass alle größeren christlichen Gästehäuser geschlossen sind. Die „Casa Nova“ der Franziskaner nahe dem Neutor hatte über 90 Anmeldungen, alle haben abgesagt, beklagt Pater Ibrahim Faltas; es sei schlimmer als zuvor. Auch wenige Straßen weiter am Gästehaus der Melkiten ist der Eingang dunkel und verriegelt. In der Dormitio-Abtei der deutschen Benediktiner auf dem Zionsberg gibt es noch einige verbliebene lokale Gäste, ebenso wie im Österreichischen Hospiz an der Via Dolorosa oder im Haus „Maria Bambina“ im Christenviertel. Und sie sind bereit und in der Lage, Gäste bei Anfragen sofort aufzunehmen. Ebenso das noble Notre-Dame-Center außerhalb der Altstadt: Es stünden noch einige Buchungen offen, heißt es. Aber ob die Gäste tatsächlich kämen, sei nicht ausgemacht.

Würdevolles Fest auch ohne Pilgerscharen

Eine Einschätzung der israelischen Tourismusbehörden zu Besuchen an Ostern oder Pessach war derzeit nicht zu bekommen. Angesichts der aktuellen Lage könne man sich dazu erst in ein oder zwei Wochen äußern, so die Antwort.

Aber selbst ohne ausländische Pilgerscharen wird das Osterfest 2026 in Jerusalem mit aller seiner Würde begangen und gelebt, auch mit weniger Personen und weniger festlich, eben mit der lokalen Gemeinde – aber im Namen der ganzen Kirche, betonte Kustos Ielpo. Und das zeige erneut, wie wichtig es sei, dass die einheimischen Christen im Land blieben, dass sie hier lebten und hier eine Zukunft sähen.

KNA

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