Über die Nachfolge von Bischof Bätzing an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz wird auch im Vatikan spekuliert.
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Chance für einen Neuanfang

Nicht erst seit Bischof Bätzing seinen Rückzug angekündigt hat, wird in Rom über die mögliche Nachfolge spekuliert.

Rom

Die Ankündigung des Limburger Bischofs Georg Bätzing, nicht mehr für den Vorsitz der Deutschen Bischofskonferenz zu kandidieren, hat im Vatikan nicht überrascht. Schon seit Tagen war bekannt, dass der 64-Jährige sich auf die Frage, ob er weitermachen wolle, in einer Weise geäußert hatte, die auf einen Rückzug hindeutete. Erste Spekulationen über einen möglichen Nachfolger gab es schon – verbunden mit der Hoffnung auf einen Neuanfang in einer Bischofskonferenz, die aus römischer Sicht als besonders konfliktgeladen gilt.

Seit über 30 Jahren sind die deutschen Konferenzvorsitzenden für den Vatikan oft schwierige Gesprächs- und Verhandlungspartner. Das fing an mit dem Mainzer Bischof Karl Lehmann. Mit seinem Nein zum päpstlich angeordneten Ausstieg der Kirche aus dem staatlichen Schwangerschafts-Konfliktberatungssystem brachte er in den 1990er Jahren den damaligen Glaubenspräfekten Joseph Ratzinger und den Papst gegen sich auf – und die vatikanische Diplomatie an die Grenzen ihrer Vermittlungsfähigkeit.

Lehmanns Nachfolger Robert Zollitsch ging zwar nicht auf Konfliktkurs mit Rom, weckte aber mit seinem innerkirchlichen Dialog-Prozess in Deutschland hohe Erwartungen insbesondere beim Reformflügel der katholischen Laien. Gleichzeitig verzögerte er beim damals schon drängenden Problem der Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs nötige Schritte.

Ordnungsrufe aus Rom

Zollitschs Nachfolger Reinhard Marx hingegen schaute bei der Missbrauchsaufarbeitung tief ins Auge der Finsternis. Aber aus dem Schrecklichen, das er sah, zog er eine Konsequenz, über die in Rom bis heute Kopfschütteln herrscht: Statt die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen, gründeten die Bischofskonferenz und der Laien-Dachverband ZdK eine Art Nationalsynode. Die berät seit 2019 unter dem Namen „Synodaler Weg“ parallel zum katholischen Kirchenrecht. Und sie fasst aus römischer Sicht sehr weitreichende Reform-Beschlüsse, die dann zum Teil mit vatikanischen Ordnungsrufen wieder eingefangen und abgemildert werden.

Das bischöfliche Gesicht dieses Prozesses war seit März 2020 der Limburger Bischof Georg Bätzing. Unter seiner Ägide weitete sich die bereits von seinem Vorgänger Marx geduldete Beschlussfassung per Mehrheitsabstimmung in der Bischofskonferenz zu einer internen Spaltung aus: Während 23 Ortsbischöfe den Synodalen Weg und seine Beschlüsse mittrugen, scherte eine Minderheit von vier Bischöfen immer mehr aus.

Bätzing gelang es nicht, die konservativen Rebellen einzufangen; statt Einheit unter den Bischöfen herzustellen, trieb er die Reformagenda weiter voran. Und bemühte sich seinerseits, Kompromisse zwischen den noch weitergehenden Reformwünschen des ZdK und der Mehrheit der Bischofskonferenz zu vermitteln.

Das Verhältnis zu Papst Franziskus war in der Ära Marx und Bätzing von tiefen Missverständnissen geprägt. Zuerst glaubten die deutschen Reformbischöfe, sie hätten in dem Lateinamerikaner den Wegbereiter für Aufbrüche zu ganz neuen Ufern gefunden. Doch dann zeigte er ihnen schroff die kalte Schulter und erklärte: „Wir haben in Deutschland schon eine sehr gute protestantische Kirche, eine zweite brauchen wir nicht!“ Zu einem großen theologisch-kirchenpolitischen Streitgespräch in Rom im November 2022 erschien der Papst gar nicht erst – obwohl seine Teilnahme angekündigt war.

Leo will auch in Deutschland versöhnen

Anders als sein Vorgänger hat Papst Leo XIV. die Aussöhnung der zerstrittenen Lager in der Kirche als Ziel verkündet. Das gilt auch für Deutschland. Im Vatikan wird erzählt, dass er im kommenden Jahr nach Deutschland reisen und sich persönlich für die Überwindung der Risse in der Kirche einsetzen will. Die deutschen Bischöfe, die ihn in diesen Monaten zur Audienz aufsuchten, haben ihn darin bestärkt.

Mehr als einer von ihnen würde aus römischer Sicht als Nachfolgekandidat für Bätzing gut ins „Pontifikat der Entpolarisierung“ passen. Der Paderborner Erzbischof Udo Bentz gilt als ein aussichtsreicher Kandidat. Idealerweise wäre es jemand, der einige Jahre in Rom verbracht hat. Dies trifft etwa auf die Bischöfe Stephan Ackermann (Trier), Michael Gerber (Fulda), Bertram Meier (Augsburg) und Heiner Wilmer (Hildesheim) zu. Die zweite Eigenschaft, die ein Wunschkandidat aus römischer Sicht mitbringen müsste, wäre eine „Syntonie“, also ein Gleichklang, mit der Kirchenvision des jetzigen Papstes. Sie beruht auf den beiden Pfeilern der kirchlichen Einheit und der Glaubwürdigkeit bei der Verkündung der Botschaft in der Welt.

KNA

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