Ausmaß ist erschütternd
Nach der Veröffentlichung der Missbrauchsstudie des Erzbistums Berlin sitzt der Schock über das Ausmaß tief. Betroffenensprecher Katsch äußert sich erschüttert und fordert ein neues Zusammenspiel für die Aufarbeitung.
Missbrauchsbetroffene haben mit Bestürzung auf die Veröffentlichung der Missbrauchsstudie des Erzbistums Paderborn reagiert. Der Sprecher der Betroffeneninitiative Eckiger Tisch, Matthias Katsch, sprach von einem „Tag der Trauer und des Zorns“. „Das Ausmaß der Verbrechen im Erzbistum Paderborn, die Anzahl der Priestertäter über die Jahrzehnte und die Gewissenlosigkeit, mit der die Täter geschützt und die Opfer ignoriert worden sind, sind erschütternd“, sagte Katsch der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Donnerstag in Berlin.
Die Studie wurde am Donnerstag in Paderborn vorgestellt. Demnach gab es im Erzbistum sehr viel mehr Fälle von sexuellem Missbrauch als bisher bekannt. Die Fallzahlen der Studie liegen laut Bericht in etwa doppelt so hoch wie die Zahlen einer deutschlandweiten Untersuchung von 2018. Die Autoren der Studien stießen demnach auf 210 Hinweise auf beschuldigte Geistliche. Zudem seien mindestens 489 Kinder und Jugendliche sexuellen Übergriffen von Geistlichen ausgesetzt gewesen. Es handele sich hier lediglich um das Hellfeld.
Die sogenannte MHG-Studie hatte 2018 lediglich 111 Beschuldigte und 197 Betroffene im Erzbistum Paderborn identifiziert. Diese Zahlen beziehen sich auf den Zeitraum von 1946 bis 2014. Die aktuelle Studie umfasst die Amtszeiten der Kardinäle Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt von 1941 bis 2002.
Katsch betonte weiter, die Ergebnisse in Paderborn reihten sich ein in die Vielzahl von Einzelstudien der vergangenen Jahre. Immer dringlicher stelle sich die Frage nach einem Gesamtbild, nach einem Zusammenführen der einzelnen Untersuchungen. Zudem gehöre es zum Prozess der Aufarbeitung, sich künftig anzuschauen, wie es der Kirche im Zusammenspiel mit dem Staat und geduldet von der Gesellschaft gelungen sei, den Prozess der Aufarbeitung derart in die Länge zu ziehen. So lange, bis ja nur keiner der Verantwortlichen mehr zur Rechenschaft gezogen werden könne.
Im Vorfeld der Präsentation der Studie wurden auch schwere Vorwürfe gegen den früheren Erzbischof Degenhardt laut: Er soll nicht nur Missbrauch vertuscht haben, sondern selbst Täter gewesen sein. In der neuen Studie gibt es dazu aber keine konkreten Hinweise.