Bitte nach 72 Jahren erfüllt

Zum Tode Verurteilter übergab Abschiedsbotschaft an Franz Stock

Erzbistum/Marseille. Ein Beweis für das Vertrauen, das die französischen zum Tode verurteilten Gefangenen während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg zu Franz Stock, dem Priester aus dem Ezbistum Paderborn, hatten, bestand unter anderem darin, persönliche Gegenstände nach ihrer Hinrichtung ihren Angehörigen zu übermitteln. Diese Bitten hat Franz Stock bis auf wenige Ausnahmen erfüllen können.

Nach 72 Jahren erhielt Josette Cas dieses Foto ihres Vater, auf dessen Rückseite er eine Botschaft hinterlassen hatte.

 

Bei zwei Bildern dauerte es jedoch 72 Jahre, bis die Franz-­Stock-Vereinigung in Frankreich, die „Les Amis de Franz Stock“, für Franz Stock tätig werden und zwei Erinnerungsstücke übergeben konnte.

Eugène Cas wurde am 24.März 1944 im Alter von 22 Jahren auf dem Mont Valérien bei Paris hingerichtet, nachdem er wegen „Partisanentätigkeit“ durch ein Gericht der deutschen Besatzungsmacht in Frankreich zum Tode verurteilt worden war. Er war mit seiner Frau Renée am 11. Dezember 1943 in St. Cloud festgenommen worden, wo sie mit ihrer damals neun Monate alten Tochter Josette wohnten. Renée Cas geb. Rihet überlebte. Sie wurde aber nach Deutschland deportiert. Später konnte sie ihre Tochter großziehen, die zunächst von ihren Großeltern aufgenommen worden war.

Franz Stock kümmerte sich in der Gruppe der acht französischen Männer, die an diesem Tag auf dem Mont Valérien exekutiert wurden, besonders um Eugène Cas. Dieser schrieb auf der Rückseite von zwei Fotos, die er während seiner Haft im Gefängnis Fresnes aufbewahren konnte, zwei Abschiedsbotschaften an seine Frau und seine Tochter. Diese übergab er Franz Stock mit der Bitte, sie an seine Familie weiterzugeben. Stock konnte diese Mission nicht erfüllen. Die Gründe dafür sind nicht bekannt. Sicherlich spielt hier aber die Deportation von Renée Cas, der Frau des Verurteilten, eine Rolle.

Die Franz-Stock-Vereinigung in Frankreich, die „Les Amis de Franz Stock“, ist kürzlich in den Besitz dieser Dokumente gelangt und konnte Josette Cas, die Tochter von Eugène wiederfinden. So konnte ihr in Marseille übergeben werden, was ihr Vater vor 72 Jahren für sie bestimmt hatte.

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