An vergangenes Unrecht erinnern, zukünftiges Leid verhindern
Gedenkort im Paderborner Dom wird am 2. März vorgestellt.
„memory – AUFDECKEN + ERINNERN“: Das ist der Name des Gedenkorts, den der Künstler Christoph Brech in der Brigidenkapelle des Paderborner Domes zur Mahnung und Erinnerung an die sexuelle Gewalt und den geistlichen Missbrauch im Erzbistum Paderborn geschaffen hat. Am Montag, 2. März, laden das Erzbistum, das Metropolitankapitel und die Unabhängige Betroffenenvertretung um 18.30 Uhr zu einer Gedenkstunde im Dom ein, bei der das Mahnmal der Öffentlichkeit präsentiert wird. Alle Interessierten sind herzlich willkommen.
Der Künstler Christoph Brech hat den Gedenkort in enger Abstimmung mit dem Erzbistum, dem Metropolitankapitel und der Unabhängigen Betroffenenvertretung geschaffen. „Das Mahnmal holt die Menschen, die sexuellen Missbrauch erleiden mussten, in den Raum unserer Bischofskirche und macht ihre Stimme hörbar“, unterstreicht Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz. Das Mahnmal zeigt auch die Schuld der Täter auf und bekennt das Versagen der Institution Kirche im Umgang mit sexualisierter Gewalt. „Der Gedenkort ermöglicht allen Besucherinnen und Besuchern des Domes künftig ein individuelles und interaktives Gedenken für die Menschen, die als Kinder, Jugendliche oder Schutzbefohlene sexualisierte Gewalt erleiden mussten“, kündigt Dompropst Monsignore Joachim Göbel an.
Vom memory-Tisch bis zum Hahnenschrei
Im vorderen Bereich des Gedenkortes steht ein Tisch, der dem Memory-Spiel nachempfunden ist. Unter den drehbaren Feldern mit identischer Oberfläche finden sich Paare von Texten, Bildern und Fotografien, als persönliche Zeugnisse eingebracht von Betroffenen. Wer die auch farbig zusammengehörigen Felder aufdeckt, bringt individuelle Geschichten und Gedanken der Betroffenen ans Licht. Die Felder kippen automatisch zurück – damit wird deutlich: Erinnerung ist verletzlich und es liegt noch viel im Dunkelfeld des Verborgenen.
Auf allen Oberseiten der memory-Felder steht die Inschrift “Et gallus cantavit – Und der Hahn krähte“. Dieser aus der biblischen Passionsgeschichte stammende Satz erinnert an das Wort Jesu: Sein Jünger Petrus werde ihn, den Ausgelieferten, dreimal verleugnen, noch ehe der Hahn krähe.
An der Altarwand der Kapelle findet sich der Hymnus „O ew’ger Schöpfer aller Welt“ des heiligen Ambrosius von Mailand. Hier ist der Verrat durch Petrus Aufforderung zu einem Transformationsprozess von Schuldbekenntnis, Heilung und Versöhnung. Über der Inschrift finden sich Glasfenster mit der Struktur schützender, farbig schimmernder Hahnenfedern, die Licht ins Dunkle hineinlassen. An der Außenseite im Osten des Doms ist das Mahnmal durch die Leuchtschrift „memory“ sichtbar – von dort führt eine Lichtlinie zur Brigidenkapelle.
Denk-mal, Mahn-mal, Mach-mal
„Durch seine besondere Konzeption hat das Mahnmal eine konkrete Handlungsaufforderung. Es ist Denk-mal und Mahn-mal – und es ermutigt als ‚Mach-mal‘ zur Interaktion und konkreten Auseinandersetzung“, erklärt Reinhold Harnisch als Sprecher des Vorstands der Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn. „Der Gedenkort macht deutlich: Geschehenes Unrecht braucht Erinnern und Aufdecken, um künftiges Unrecht zu verhindern“, hebt Generalvikar Dr. Michael Bredeck hervor.
Mit der Präsentation des Mahnmals möchten die Unabhängige Betroffenenvertretung, das Erzbistum Paderborn und das Metropolitankapitel gemeinsam ein Zeichen setzen – gegen sexualisierte und jegliche Form von Gewalt, gegen das Schweigen und Vertuschen und für eine Kultur des Zuhörens und der Verantwortung. „Die Verbrechen, die in der Vergangenheit vielen Menschen großes Leid zugefügt haben, dürfen nicht vergessen werden“, betonen Erzbischof Dr. Bentz, Generalvikar Dr. Bredeck, Dompropst Msgr. Göbel und Reinhold Harnisch gemeinsam. Das Mahnmal schlägt auch eine Brücke in die Gesellschaft: Es erinnert daran, dass ein gesamtgesellschaftliches Hinsehen nötig ist, um Menschen bestmöglich vor sexualisierter Gewalt zu schützen.
pdp