Gedenkstätte in Wiedenbrück – Eine zeitlose Mahnung

Friedensorte sind Leuchttürme für das Frieden stiftende Engagement der Kirche und der Gesellschaft. In Wiedenbrück – direkt am Turm der ­Pfarrkirche – erinnert eine Gedenkstätte an die Opfer der beiden Weltkriege.

veröffentlicht am 17.01.2024
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Friedensorte sind Leuchttürme für das Frieden stiftende Engagement der Kirche und der Gesellschaft. In Wiedenbrück – direkt am Turm der ­Pfarrkirche – erinnert eine Gedenkstätte an die Opfer der beiden Weltkriege.

Auch wenn das Mahnmal im Schatten des mächtigen Turmes der St.-Aegidius-­Kirche liegt, fällt es sofort ins Auge. Geschaffen hat das Werk der Wiedenbrücker Bildhauer Hubert Hartmann (1915–2006) im Jahr 1967. Er realisierte in seiner langen Schaffenszeit neben zahlreichen Groß- und Kleinplastiken auch viele Kirchenausstattungen. Als Soldat hatte Hartmann von 1942 bis 1945 selbst die Schrecken des Krieges erlebt. Nach seiner Flucht aus russischer Gefangenschaft ließ er sich 1946 wieder in seiner Heimatstadt nieder und eröffnete ein eigenes Atelier.

Die gut vier Meter hohe runde Stele hat einen sich leicht verjüngenden Durchmesser von etwa einem Meter. Opfer von Krieg und Not, Menschen, die andere Menschen foltern, ihnen Pein und Schmerz zufügen, Gefangene und verstümmelte Menschen sind umlaufend zu sehen – erschreckende Darstellungen, die jedoch in keiner Weise voyeuris­tisch sind, sondern geprägt von großer Empathie. „Jedes Geschlecht und jedes Lebensalter hat Hubert Hartmann ergreifend einfach und mit erschreckend abstrahierender Genauigkeit gezeigt“, heißt es in einer Charakterisierung des Werkes: „Es ging ihm nicht um reißerische Wirkungen zerfetzter Körper, sondern um die Eindringlichkeit von Grausamkeit und Tod, das Leid, das Menschen anderen Menschen zufügen.“

„Nie wieder Krieg“

Auch nach über fast sechs Jahrzehnten hat das Werk nichts von seiner Eindringlichkeit eingebüßt. „Hartmann“, so urteilte ein Kritiker über den Bildhauer, „ist bekannt dafür, dass er Darstellungsmoden, zeittypische Zutaten und Überladungen in seiner Kunst vermieden hat.“ Dadurch, dass die dargestellten Opfer stellvertretend für alle leidenden und geschundenen Menschen zu sehen sind und damit aus dem unmittelbaren Kontext gelöst wurden, entsteht die überzeitliche Wirkung, die der Künstler bei allen seinen Werken erreichen wollte. Das Mahnmal sollte zu jeder Zeit an alle Menschen, die Opfer wurden, erinnern.

Ergänzt wurde die Stele vor einigen Jahren durch eine Acryl­glaswand. Unter der Überschrift „Nie wieder Krieg“ werden die Namen aller Kriegsopfer aus Wiedenbrück aufgeführt.

Gedenkstätte in Wiedenbrück – Eine zeitlose Mahnung

Info

Das Mahnmal liegt an der Pfarrkirche am Kirchplatz in der Wiedenbrücker Innenstadt. Weitere Informationen zum Künstler und seinem Hintergrund gibt es hier: www.wiedenbruecker-­schule.de

Andreas Wiedenhaus

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