Zur Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung

Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung liegt in NRW deutlich über dem Durchschnitt in Deutschland. Neue Potenziale und Netzwerke sind notwendig.

„Wenn Menschen mit Behinderung ihr Potenzial entfalten, ist das eine große Chance, um den Fachkräftemangel abzumildern“, sagte Claudia Middendorf (links), Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, in Paderborn. (Foto: Kolping)
„Wenn Menschen mit Behinderung ihr Potenzial entfalten, ist das eine große Chance, um den Fachkräftemangel abzumildern“, sagte Claudia Middendorf (links), Landesbeauftragte für Menschen mit Behinderung, in Paderborn. (Foto: Kolping)
veröffentlicht am 16.01.2024
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung liegt in NRW deutlich über dem Durchschnitt in Deutschland. Neue Potenziale und Netzwerke sind notwendig. Darum ging es bei einem Treffen, zu dem das Integrations- und Beratungszentrum (IBZ) der Kolping-­Gruppe Paderborn eingeladen hatte.

Hochstift Paderborn (Kol/Dom). Die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung ist in Deutschland 2023 auf knapp 11 Prozent ­gesunken. In Nordrhein-­Westfalen liegt sie bei rund 14 Prozent und damit deutlich darüber. Es besteht Handlungsbedarf.

Viele unterschiedliche Inklusionsunternehmen in der Region sind bereits auf dem Weg. Das wurde bei dem Treffen in Paderborn deutlich, an dem Unternehmen, Bildungsträger, die Agentur für Arbeit und Menschen mit Behinderung teilnahmen. Mit viel Interesse verfolgten sie die Präsentationen von Modellprojekten aus der Region.

Blick auf Inklusionsunternehmen

Als Inklusionsunternehmen aus der Region stellte sich die Josefs-­Brauerei aus Bad Lippspringe vor. Sieben Menschen mit Behinderung sind hier sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sie produzieren Bier und alkoholfreie Getränke. „Wir sind immer offen, Inte­ressierten die Möglichkeit eines Praktikums zu bieten, um zu sehen, ob der Arbeitsplatz passt“, sagt Victoria Schulte-­Broer, die Inklusionsbeauftragte der Brauerei.

Die Aatal-­Klinik in Bad Wünnenberg hat Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung geschaffen, die keine medizinische oder therapeutische Qualifikation erfordern. „Als Reha-­Klinik denken wir ohnehin inklusiv“, sagt Dr. Volker Runge. „Das Thema gehört für uns zum Alltag.“

Neue Möglichkeiten für Menschen mit einem Arbeitsplatz in einer Werkstatt für behinderte Menschen will die Lebenshilfe Paderborn schaffen. In einem Projekt versucht sie, diese Menschen in regionale Unternehmen zu vermitteln und bleibt dabei Beschäftigungsgeber. „Das gibt allen Beteiligten Sicherheit“, sagt Projektleiterin Nadine Kröger, „und damit Raum, Potenziale zu entfalten. Werden diese Menschen in ein festes Arbeitsverhältnis übernommen, kann zum Beispiel der Integrationsfachdienst des IBZ die sozialpädagogische Unterstützung leisten.“

„Wir sind Ihr Lotse“

Mit dem Slogan „Wir sind Ihr Lotse“ wirbt die Einheitliche Ansprechstelle für Arbeitgeber (EAA). „Wir sind seit Anfang dieses Jahres gesetzlich verankert“, berichtet Benjamin Lowack. Auch er sieht den Fachkräftemangel als Chance für Menschen mit Behinderung. Kleinere Unternehmen hätten dabei einen größeren Beratungsbedarf als große, wenn es um rechtliche Rahmenbedingungen und finanzielle Unterstützung gehe. „Insgesamt werden alle Unternehmen offener dafür, Menschen mit Behinderung zu beschäftigen.“

Der Veranstalter des Treffens, die Kolping-­Gruppe Paderborn, ist seit Jahren Vorreiter beim Thema Inklusion. Mit dem „Gasthaus zur Börse“ in Arnsberg und dem Lindenhof in Hamm-­Rhynern haben 2022 und 2023 zwei weitere gastronomische Inklusionsunternehmen im Erzbistum den Betrieb aufgenommen und die Zahl der Kolping-­Inklusionsunternehmen im Diözesanverband Paderborn auf insgesamt elf erhöht. Daneben bietet Kolping in seinen Einrichtungen die gesamte Bildungskette für Menschen aller Altersgruppen an, von der Kita bis zur Altenhilfe.

Wie wichtig die Weiterentwicklung der Inklusion auf dem Arbeitsmarkt ist, stellte Claudia Middendorf, die Beauftragte der Landesregierung für die Belange der Menschen mit Behinderung, fest. Die Landesregierung werde deshalb im Frühjahr kommenden Jahres einen Inklusionspakt auf den Weg bringen. Das Ziel sei, in Landesbetrieben fünf Prozent der Neueinstellungen mit Menschen mit Behinderung zu besetzen. Das Land verbinde damit auch Hoffnungen für den Arbeitsmarkt, betonte Middendorf: „Wenn diese Menschen auf dem Arbeitsmarkt ihr Potenzial entfalten, ist das eine große Chance, um den Fachkräftemangel abzumildern.“

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