Ein Paradies, dem Zerstörung droht – Willi Weitzel im Interview

„Gemeinsam für unsere Erde – in Amazonien und weltweit“ heißt das Leitwort der 66. Aktion ­Dreikönigssingen. Beispielregion ist Amazonien.

Valeria (10) ist das Mädchen auf dem diesjährigen Plakat zur Sternsinger­aktion. Mit ihrer Familie lebt sie in ­Santa ­Sofía, einem kleinen Dorf in Kolumbien, mitten im Amazonas-­Regenwald. (Foto: Kindermissionswerk)
Valeria (10) ist das Mädchen auf dem diesjährigen Plakat zur Sternsinger­aktion. Mit ihrer Familie lebt sie in ­Santa ­Sofía, einem kleinen Dorf in Kolumbien, mitten im Amazonas-­Regenwald. (Foto: Kindermissionswerk)
veröffentlicht am 05.01.2024
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

„Gemeinsam für unsere Erde – in Amazonien und weltweit“ heißt das Leitwort der 66. Aktion ­Dreikönigssingen. Beispielregion ist Amazonien, inhaltlich dreht sich alles um die Themen Natur und Umwelt. TV-­Reporter Willi Weitzel ­erzählt im Interview vom Dreh des neuen Sternsingerfilms. 

Willi, du bist für die Sternsinger diesmal bis zum Amazonas gereist. Bäume und Wasser, so weit das Auge reicht! Das Amazonasbecken ist das größte Flusssystem und hat den größten Regenwald der Erde … Willi, war es dort paradiesisch? 

Willi Weitzel: „Seit meiner Kindheit kenne ich den Amazonas, na ja, kennen ist übertrieben, ich weiß zumindest schon lange von diesem größten Regenwald und dem wasserreichsten Fluss der Welt. Aber das, was ich bei meinem Besuch im Regenwald gesehen, gerochen und erlebt habe, übertrifft alle meine Erwartungen. Es war wirklich wie im Paradies, inklusive Schlangen. Die waren ja auch schon im biblischen Paradies unterwegs. Ich habe mich jedoch nie bedroht gefühlt, eher geborgen, wie ein Teil der Natur. Ja, genau das ist mir dort im Regenwald bewusster denn je geworden: Wir Menschen sind Teil der Natur, Teil der Schöpfung, nicht die Krone der Schöpfung. Die wahre Krönung sind die majestätischen Urwaldbäume, sie tragen ja sogar Kronen, Baumkronen. „

Die Amazonas-­Region ist zugleich in erschreckendem Maße gefährdet: Bodenschätze werden ausgebeutet, der Wald wird großflächig abgeholzt. Was können wir alle tun, um die Natur am Amazonas zu bewahren?

Willi Weitzel: „Genauso, wie diese zweite Frage zu den Problemen des Amazonas direkt nach meiner Schwärmerei über den Regenwald reinknallt, tauchen auf den zweiten Blick zerstörte, kaputte, abgeholzte, abgefackelte Flächen auf. Es ist ein Drama, das traurig und nachdenklich macht. In Südamerika wird im Regenwald so brutal so viel Wald zerstört, dass dadurch jeden Tag sehr viele Arten aussterben, sowohl Tiere als auch Pflanzen, die einfach aus dem Leben gewischt werden und auf ewig verschwinden.

Was können wir hier in Europa tun? Wenn wir zum Beispiel auf Produkte, für die Regenwald abgeholzt wird, verzichten oder sie zumindest nur selten kaufen, betreiben wir aktiven Klimaschutz. Leider sieht man es vielen Produkten nicht an und man muss genau hinschauen, was man konsumiert. Diese Verantwortung haben wir aber, wir Erwachsenen insbesondere für unsere Kinder, die ja auch noch in 50, 60, 70, 80, 90 Jahren hier auf unserem Planeten ein gutes Leben führen sollen.“

Du hast sehr viele Menschen getroffen. Erzähl doch mal.

Willi Weitzel: „Jetzt habe ich fast nur von Bäumen geredet, wie bei allen Sternsingeraktionen und den dazugehörigen Filmen stehen Menschen im Mittelpunkt. Amazonien ist das Zuhause für etwa drei Millionen Indigene, die heute manchmal noch so ähnlich leben, wie ihre Vorfahren seit jeher gelebt haben. Wir haben für die Dreharbeiten das Dorf Santa Sofía in Kolumbien besucht, es liegt am Amazonas-­Fluss, der gleichzeitig die Grenze zum Nachbarland Peru darstellt. Dort lebt die Ethnie der Tikuna, die unsere Gastgeber waren, und ich konnte dort in deren Alltag eintauchen und habe erlebt, wie eng verbunden die Menschen mit dem Regenwald leben. ­Diese Menschen stellen sich nicht über die Natur, sondern sehen sich als Teil des Regenwaldes.“

Wie geht es denn den Kindern dort am Amazonas?

Willi Weitzel: „Als ich dort war fand eine ­Aula ­viva statt, frei übersetzt ein lebendiges Klassenzimmer. Ein Event, ein ganzes Wochenende, zu dem viele Kinder und Jugendliche aus den umliegenden Dörfern zusammenkamen. Bei einer ­Aula ­viva wird traditionelles Wissen von der alten an die junge Generation weitergegeben. Vor allem ging es um Pflanzen des Waldes, die schon seit unzähligen Generationen zur Ernährung der Tikuna beitragen. Ganz viel altes Wissen über Früchte, Gemüse und Heilpflanzen wird dabei an die Kinder übertragen. Wie pflanzt man sie ein, wann erntet man, wo stecken Vitamine drin, welche Pflanzen helfen bei Bauchschmerzen, welche Blätter können zu einem Tee verarbeitet werden, wie macht man aus Kakaofrüchten Schokolade? Wer die Gesetze des Regenwaldes beherrscht, kann ein Leben im Überfluss führen – und braucht im Prinzip nichts aus der modernen Welt.“

Nimmst du Erfahrungen mit nach Hause, die dir helfen werden, noch bewusster mit unseren Ressourcen umzugehen? 

Willi Weitzel: „Eine zentrale Erfahrung war für mich eine Art Erntedankfest im Dorf Santa Sofía. Dabei hat eine große Gruppe von Kindern und Jugendlichen ein sehr bewegendes Gebet gesprochen. Wobei es weniger ein Gebet als vielmehr eine Ansprache an Mutter Erde war, das Ganze mit starker Energie. Ich gebe es mal wieder: „Wir bitten um Verzeihung für all den Schaden, den die Menschen dir zufügen, dass wir dich verschmutzen, dass wir dich verbrennen, dass wir dich vergiften. Mutter Erde … trotz allem schenkst du uns so viel Nahrung.“ Diese Mischung aus Bekenntnis und Dankbarkeit habe ich von meiner Reise mitgebracht und trage sie in mir, insbesondere, wenn ich meinen Einkaufswagen durch den Supermarkt schiebe, denn dort habe ich es in der Hand, was ich kaufe oder links liegen lasse, weil die ökologischen Fuß­abdrücke von vielen Produkten viel zu groß sind.“

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