Wozu sind Sie da, Alfons Hagedorn?

Alfons Hagedorn (54) betreibt mit seiner Frau Daniela einen Schallplattenladen in Salzkotten.

Alfons Hagedorn
veröffentlicht am 25.08.2023
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Musik ist nicht nur im Privaten meine Leidenschaft, sie füllt auch mein berufliches Leben aus. Zusammen mit meiner Frau betreibe ich einen Schallplattenladen, in dem wir ausschließlich gebrauchte Platten verkaufen. Das hat sich eher zufällig ergeben. Mein Sohn hat sich während seines Studiums mit einem kleinen Plattenladen ein paar Euro dazuverdient. Hin und wieder haben meine Frau und ich im Laden ausgeholfen. Als er dann mit dem Studium fertig war und ich aufgrund einer Krankheit nicht mehr Vollzeit als Buchhalter arbeiten konnte, haben wir beschlossen, den Plattenhandel weiterzuführen.

Für mich war das eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Es ist so schön zu erleben, mit welcher Freude unsere Kunden zu uns kommen. Ich habe noch keinen gesehen, der eine Schallplatte gekauft und anschließend den Laden mit einem unglücklichen Gesicht verlassen hat. Das kommt nicht vor. Wenn sie eine der Platten in ihre Hände nehmen, das ihnen aus ihrer Jugend vertraute Cover sehen und die Musik nach langer Zeit wieder auf Platte hören, dann weckt das meistens sehr schöne Erinnerungen. Die Schallplatte erinnert sie an ein Erlebnis mit dem Ehepartner, an eine besonders in ­Erinnerung gebliebene Feier mit der Familie und mit Freunden oder auch an eine geliebte und bereits verstorbene Person. Die Schallplatte ist für ihre Liebhaber wie ein kleines Bilderbuch, mit dem sie in vergangene Zeiten eintauchen können.

Alfons Hagedorn: „Jede Musikrichtung hat ihre Daseinsberechtigung.“

Mir ergeht das ebenso, und im Kontakt mit den Kunden erfahre ich fast täglich, wie stark Emotionen mit einer bestimmten Schallplatte verbunden sind. Eine Kundin ist mir besonders in Erinnerung geblieben. Sie wollte die Plattensammlung ihres verstorbenen Mannes auflösen. Beim Durchstöbern der Platten kamen wir intensiv ins Gespräch. Sie schilderte mir viele schöne Erinnerungen an ihren Mann, die stark mit der Musik verbunden waren. Dabei sind viele Emotionen hochgekommen und ich habe gespürt, dass sie innerlich noch nicht so weit war, sich von der Sammlung zu trennen. Ich habe die Platten nicht mitgenommen. Für sie hängt noch sehr viel daran. Aber auch das ist schön zu sehen.

Diese kleine Anekdote zeigt mir, dass meine Frau und ich neben dem An- und Verkauf von Schallplatten auch dafür da sind, uns Zeit für die Menschen zu nehmen und uns mit ihnen zu unterhalten. In der Atmosphäre unseres Ladens reden die Menschen sehr gerne. Wir hören ihnen gerne zu und wenn dann solche Gespräche wie eben beschrieben zustande kommen, ist das schon sehr berührend.

Und es macht Freude, mit so vielen verschiedenen Menschen über Musik zu reden, egal, ob über Rock, Jazz, Klassik oder eben auch Schlager. Jede Musikrichtung hat ihre Daseinsberechtigung. Jeder soll sich zu uns trauen, weshalb wir auch alle Genres anbieten. Abschließend möchte ich noch eine kleine weitere Anekdote schildern: Einer unserer Kunden sagte einmal zu mir: „Wenn ich den Plattenladen betrete, dann ist das für mich ein bisschen wie eine Therapiestunde. Für mich beginnt dann eine Zeit des Entspannens.“ So was zu hören ist einfach nur schön.

Alfons Hagedorn

Zur Person

Alfons Hagedorn (54) betreibt mit seiner Frau Daniela einen Schallplattenladen in Salzkotten. Der Laden ist von Montag bis Freitag von 10.00 bis 12.30 Uhr und von 14.30 bis 18.00 Uhr sowie am Samstag von 10.00 bis 12.30 Uhr geöffnet. www.schachmatt-­hagedorn.de

Aufgezeichnet und fotografiert von Patrick Kleibold

Unsere Reihe Menschen im Erzbistum

Wozu bist du da, Kirche von Paderborn? Diese Frage stellte der emeritierte Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker dem Zukunftsbild voran, auf dessen Basis das Erzbistum entwickelt wird. Wozu bist du da? Diese Frage kann sich auch jeder Einzelne stellen. Denn die Grundannahme des Zukunftsbildes ist eine biblische, dass nämlich jeder Mensch berufen ist, dass jede und jeder das eigene Leben als von Gott angenommen betrachten darf, dass es einen Sinn dieses Lebens gibt. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, die Frage für sich zu beantworten.

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