Wozu sind Sie da, Peter Körtling?

Peter Körtling (47) arbeitet als Redakteur beim Hellweger Anzeiger und ist beim Nachrichtenteam in der Kreisstadt Unna aktiv. (Foto: Patrick Kleibold)

Vor 100 Jahren war es eine Herausforderung, an aktuelle Informationen zu kommen. Dann kam das Radio, das Fernsehen und jetzt erleben wir durch das Internet eine Vervielfachung der Nachrichtenflut. Jeder Mensch kann sein eigenes Medium sein und im Internet schreiben und behaupten, was er will. Unzählige, ungefilterte und auch verfälschte Informationen prasseln täglich auf uns ein. So wird es immer schwieriger und wichtiger, verlässliche und vertrauenswürdige Nachrichten zu finden. Das fängt natürlich im Lokalen vor Ort an. Mein Antrieb als Lokaljournalist ist es daher, die Menschen mit gut recherchierten und faktenbasierten Nachrichten zu informieren und sie dabei auch gut zu unterhalten.

Viele Menschen, die an Journalismus denken, haben zuerst das Fernsehen, die große Politik oder das Showgeschäft vor Augen. Ich nicht. Ich kann mir keinen schöneren Beruf vorstellen als den des Lokaljournalisten, denn die spannendsten Geschichten finden sich oft direkt vor der Haustür. Im Lokalen erlebt man alle Bereiche des Lebens. Das reicht von der Ratssitzung über das Vereinsleben bis hin zu den glücklichen wie auch den traurigen Erlebnissen, die unser Leben ausmachen. Ich bin stets auf der Suche und manchmal finde ich etwas völlig anderes, verwerfe meine ursprüngliche Idee und unerwartet liegt eine andere, lesenswerte Geschichte vor mir.

Zuallererst versuche ich sachlich und kompetent über ein Ereignis zu informieren, muss aber auch bereit sein, kritisch die Finger in die Wunde zu legen. Das gefällt nicht jedem und kann einem den Wind rau ins Gesicht wehen lassen. Zudem muss ich wissen, was die Menschen bewegt und mich über aktuelle Trends und Geschmäcker informieren. Wir Journalisten dürfen niemals stehen bleiben. Um die Menschen abzuholen, müssen wir dorthin gehen, wo sie sind. Dabei müssen wir auch alle Generationen im Blick haben. Dieser Anspruch verändert in der Konsequenz auch die Arbeitsmethoden.

Peter Körtling: „Nicht nur die Grenzen des Sagbaren verschieben sich, auch die Gewaltbereitschaft nimmt bei einigen zu.“

Zwar gibt es den klassischen Termin mit Block, Stift und Kamera immer noch, doch der Arbeitsalltag hat sich vehement verändert. Wir arbeiten immer stärker multimedial und berichten zunehmend mit Videos und Live­übertragungen im Internet sowie den sozialen Medien. Dadurch bieten wir weit mehr als nur die gedruckte Zeitung und sehen an den messbaren Ergebnissen, dass es gut funktioniert. Aber auch wenn sich die Medienkanäle und Arbeitsmethoden ändern, die Sorgfaltspflicht des Journalisten bleibt bestehen.

Das gebot uns gerade der Blick auf besorgnis­erregende Tendenzen wie bei den Pegida- oder Anti-Corona-­Demonstrationen. Nicht nur die Grenzen des Sagbaren verschieben sich, auch die Gewaltbereitschaft nimmt bei einigen zu. Wir erleben auch zunehmend eine Abkehr von der Demokratie und dass Aussagen verdreht und Meinungen manipuliert werden. Daher brauchen wir dringender denn je gut recherchierten, glaubwürdigen und aufklärenden Journalismus. Im Lokalen möchte ich meinen Teil dazu beitragen, indem ich versuche, nah bei den Menschen zu sein.

Ich freue mich schon jetzt auf die nächste spannende Geschichte, die bestimmt schon hinter der nächsten Haustür lauert. Gerade das macht das lokaljournalistische Arbeiten für mich so wunderschön.

Peter Körtling (47) arbeitet als Redakteur beim Hellweger Anzeiger und ist beim Nachrichtenteam in der Kreisstadt Unna aktiv. (Foto: Patrick Kleibold)

Zur Person

Peter Körtling (47) arbeitet als Redakteur beim Hellweger Anzeiger und ist beim Nachrichtenteam in der Kreisstadt Unna aktiv. In seiner Freizeit engagiert er sich sowohl in der KAB, bei den heimatlichen Schützen und im Karneval.

Aufgezeichnet und fotografiert von Patrick Kleibold

Unsere Reihe Menschen im Erzbistum

Wozu bist du da, Kirche von Paderborn? Diese Frage stellte der emeritierte Paderborner Erzbischof Hans-Josef Becker dem Zukunftsbild voran, auf dessen Basis das Erzbistum entwickelt wird. Wozu bist du da? Diese Frage kann sich auch jeder Einzelne stellen. Denn die Grundannahme des Zukunftsbildes ist eine biblische, dass nämlich jeder Mensch berufen ist, dass jede und jeder das eigene Leben als von Gott angenommen betrachten darf, dass es einen Sinn dieses Lebens gibt. Die Aufgabe des Menschen besteht darin, die Frage für sich zu beantworten.

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