Erinnerung wachhalten – Jüdischer Friedhof in Willebadessen

Friedensorte sind Leuchttürme für das friedensstiftende Engagement ­unserer Gesellschaft. Ein solcher Ort, der die Erinnerung an die Verfolgung der Juden in der Nazizeit wachhält, ist der jüdische Friedhof in Willebadessen.

Friedhof in Willebadessen. (Foto: Patrick Kleibold)
veröffentlicht am 01.02.2023
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Friedensorte sind Leuchttürme für das friedensstiftende Engagement ­unserer Gesellschaft. Ein solcher Ort, der die Erinnerung an die Verfolgung der Juden in der Nazizeit wachhält, ist der jüdische Friedhof in Willebadessen.

Direkt nach ihrer Machtergreifung am 30. Januar 1933 begannen die Nationalsozialisten, alle Juden aus der Gesellschaft zu verdrängen. Adolf Hitler und seine Mitstreiter erließen etwa 2.000 antijüdische Gesetze und Verordnungen. In historisch beispielloser Schärfe führten die Maßnahmen des NS-­Regimes über den Juden­boykott, Berufsverbote, Auswanderungsdruck, die Nürnberger Gesetze, die Reichs­pogromnacht und Ghettoisierung bis hin zum Holo­caust. 1939 kündigte Hitler die Vernichtung aller Juden in Europa an. Ihr fielen über sechs Millionen Menschen zum Opfer.

Ein Ort, der die Erinnerung an die Verfolgung der Juden wachhalten soll, ist der jüdische Friedhof in Willebadessen. Angelegt wurde er im Jahr 1900. Von den einst 21 Gräbern sind heute noch sieben erhalten. Vermutlich wurden bereits in der Reichspogrom­nacht einige Gräber geschändet. Auch wenn der Friedhof nach dem Zweiten Weltkrieg nicht völlig in Vergessenheit geraten ist, so wurde er über viele Jahrzehnte nicht gepflegt, sodass er zuwucherte und weitere Grabsteine verschwanden.

Dazu verpflichtet, aus der Geschichte zu lernen

Seit dem 3. Juni 1993 steht der Friedhof unter Denkmalschutz und seit einigen Jahren hat er eine neue optische Erscheinung. Die beiden Willebad­essener Bernhard Jacobi und Ansgar Holzknecht haben sich der Betreuung und Pflege des jüdischen Friedhofes angenommen und sich dafür eingesetzt, dass an der angrenzenden Scheune eine Informationstafel angebracht wurde. Auf ihr ist zu lesen: „Im Gedenken an die entrechteten, verfolgten, verschleppten und ermordeten jüdischen Bürgerinnen und Bürger von Willebadessen.“

Eingehend wird auf der Tafel das Schicksal der auf dem Friedhof begrabenen Juden beleuchtet. Ansgar Holzknecht hat in vielen Archiven intensiv geforscht, um das Schicksal der Juden in Willebadessen zu skizzieren. Eine Familie, die besonders im Fokus steht, ist die Familie Stern. Zur Familie gehörte auch Viktor Stern, der den Dachauer Todesmarsch überlebt hat. Am 29. Juni 1943 wurde seine Frau Resi mit den Kindern Manfred und Denny von Berlin nach Theresienstadt und von dort nach Auschwitz deportiert. Dort wurden sie ermordet. Viktor Stern kehrte nach dem Krieg wiederholt nach Wille­badessen zurück, um alte Freunde zu besuchen. Er starb 1987. Holzknecht und Jacobi stehen bis heute intensiv mit dem Sohn von Viktor Stern in Kontakt. Er lebt in Bayern und arbeitet als Journalist. So etwas dürfe sich niemals wiederholen. „Wir sind dazu verpflichtet, aus der Geschichte zu lernen“, sagten die beiden anlässlich einer Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag.

Info

Der jüdische Friedhof in Willebadessen befindet sich Am Greienberg in der Stadt Willebadessen im Kreis Höxter. Als jüdischer Friedhof ist er ein Baudenkmal, das unter der Denkmal-­Nummer 75 steht.

Patrick Kleibold

Friedhof in Willebadessen. (Foto: Patrick Kleibold)

Weitere Friedensorte unter www.derdom.de

Weitere interessante Artikel auf DerDom.de
21.02.2024

 

 

 

 

Zum Abbau von Betreuungsplätzen – Michael Stratmann im Interview

Die Ankündigung der „WIR-Kitas“, in Arnsberg Betreuungsplätze abzubauen, hat für Aufregung gesorgt. Michael Stratmann im Gespräch.

weiterlesen
21.02.2024

 

 

 

 

Kardinal Marx: Kirche darf nicht an der Seite von AfD und Putin stehen

Kardinal Marx mahnt währende der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe die Kirche mit deutlichen Worten zum Einsatz für die Demokratie.

weiterlesen
19.02.2024

 

 

 

 

Die Aufarbeitung hat begonnen

Die ­Lippische Landeskirche will sich der Aufarbeitung stellen und einen Maßnahmenplan erarbeiten. Die ForuM-Studie ist wichtiger Baustein.

weiterlesen