Erinnerung an den Holocaust

Am heutigen Freitag wird weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) nennt wichtige Fakten und Daten zu diesem Tag.

Jüdischer Friedhof in Willebadessen. Gedenken an die Opfer des Holocaust.
veröffentlicht am 27.01.2023
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Am heutigen Freitag wird weltweit der Opfer des Nationalsozialismus, der Opfer des Holocaust, gedacht. Die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) nennt wichtige Fakten und Daten zu diesem Tag.

Warum wird der Gedenktag am 27. Januar begangen?

Am 27. Januar 1945, vor 78 Jahren, befreite die Rote Armee die letzten Häftlinge im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz. Die Sowjets fanden nicht nur völlig abgemagerte Menschen und Hunderte Leichen, sondern auch die Spuren der Krematorien und sechs Warenlager, in denen sich die Habseligkeiten der Häftlinge stapelten: fast 350.000 Anzüge von Männern und 840.000 Frauenkleider – sowie Berge von Frauenhaar und Zahngold.

Seit wann gibt es diesen Gedenktag?

Seit 1996 erinnert die Bundesrepublik auf Initiative des damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog an diesem Tag an die Opfer des Nationalsozialismus. 2006 wurde er auf Beschluss der Vereinten Nationen auch weltweit in den Kalender übernommen.

Was ist in diesem Jahr geplant?

Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr Menschen, die aufgrund ihrer sexuellen Orientierung beziehungsweise geschlechtlichen Identität im Nationalsozialismus verfolgt wurden.

Der Bundestag veranstaltet am Freitag eine Gedenkstunde, die mit einer Ansprache von Bundestagspräsidentin Bärbel Bas beginnt. Dann wird die Holocaust-Überlebende Rozette Kats sprechen. 1942 in einer jüdischen Familie geboren, überlebte sie bei einem Ehepaar in Amsterdam, das sie als ihr eigenes Kind ausgab. Ihre leiblichen Eltern wurden in Auschwitz ermordet. Erst später im Leben nahm sie ihre wahre jüdische Identität an. Vor dem Hintergrund ihrer eigenen Biografie setzt sie sich auch für sexuelle Minderheiten ein. Im weiteren Verlauf der Gedenkstunde wird die nationalsozialistische Verfolgung sexueller Minderheiten anhand zweier Lebensgeschichten vorgestellt.

Seit wann bestand das Lager in Auschwitz?

Das 60 Kilometer von Krakau entfernt gelegene Lager Auschwitz war nach Dachau, Sachsenhausen, Buchenwald, Flossenbürg, Mauthausen und dem Frauenlager Ravensbrück das siebte KZ der Nazis.

Anfang 1940 hatte der „Reichsführer SS“, Heinrich Himmler, in dem verkehrstechnisch gut angebundenen polnischen Städtchen Oswiecim ein Lager für polnische Widerstandskämpfer geplant. Doch der Ehrgeiz deutscher Industrieller trieb die SS dazu, aus den Kasernen der polnischen Armee eine Rüstungszentrale aufzubauen: Die IG Farben wollte ihre Kunstkautschuk-Produktion durch ein neues Werk erhöhen – und der SS kam das gelegen, um sich eine Vormachtstellung in der deutschen Wirtschaft zu sichern. Für ein paar Mark pro Tag wurden die Häftlinge an die IG Farben „vermietet“. Fortan kamen immer mehr Gefangene: In das schon für rund 8.000 Häftlinge viel zu enge Stammlager wurden bis zu 20.000 Häftlinge gleichzeitig gepfercht.

Nach dem Überfall auf die Sowjetunion entstand im wenige Kilometer entfernten Birkenau im Herbst 1941 ein eigenes Kriegsgefangenenlager, das für 100.000 Häftlinge vorgesehen war. 1942 errichtete die IG Farben gemeinsam mit der SS in der Nähe das firmeneigene Konzentrationslager Buna-Monowitz. Tausende von Häftlingen mussten in der angrenzenden chemischen Fabrik zur Produktion von Buna Zwangsarbeit leisten.

Wie viele Menschen kamen in Auschwitz ums Leben?

Mehr als eine Million Menschen wurden im Stammlager Auschwitz und den Nebenlagern Birkenau und Monowitz sowie weiteren Nebenlagern ermordet: meist Juden, aber auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Polen oder sowjetische Gefangene. Zur Todesfabrik entwickelte sich Auschwitz endgültig ab Herbst 1941, als Hitler mit Blick auf den stockenden Russland-Feldzug und den absehbaren Kriegseintritt der USA immer neue Drohungen gegen Juden ausstieß.

Ab Juli 1942 wurde die „Selektion an der Rampe“ eingeführt. Direkt aus den Güterzügen wurden die zur Vernichtung ausgewählten Menschen in die Gaskammern geführt und – seit Herbst 1941 – mit Zyklon B ermordet. Andere Menschen starben massenhaft an Sklavenarbeit, Typhus, Ruhr, Cholera, Misshandlungen und willkürlichen Tötungen.

Im Block 10 des Stammlagers wurden Häftlinge Opfer medizinischer Menschenversuche von SS-Ärzten, darunter Josef Mengele. Block 11 diente als Folter- und Strafblock. An der berüchtigten „Schwarzen Wand“ erschoss die SS tausende Häftlinge. Zehntausende kamen noch im Januar 1945 auf Todesmärschen ums Leben.

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