… und Lanzen zu Winzermessern

Editorial von Claudia Auffenberg zur neuen Dom-Ausgabe mit dem Titel “Schwerter zu Pflugscharen”.

Schwerter zu Pflugscharen
veröffentlicht am 27.04.2022
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Sie sehen etwas martialisch aus, die Herren auf dem Titelbild, aber sie tun ja auch etwas, das offenkundig körperliche Kraft braucht: Sie schmieden Schwerter zu Pflugscharen. Und Pflugscharen sind, das weiß man sogar als Stadtkind, keine Dekoartikel, sondern Geräte, mit denen man eine ebenfalls körperlich fordernde Arbeit erledigt: einen Acker pflügen, also Lebensmittel erzeugen. Womöglich ist das Pflügen eines Ackers sogar sehr viel anstrengender als das Töten eines Menschen mit einem Schwert. Das muss aber hier Spekulation bleiben, weil man weder das eine noch das andere je gemacht hat und man das andere auch niemals machen möchte.

Dom Cover 17/22

Die Zeichnung auf dem Titel illustriert ein geflügeltes Wort, das viele noch aus der Spätphase der DDR oder von Bannern und Abzeichen kennen, die etwa Petra Kelly mit ihrem Gefolge durchs Land trug. Darauf umkreist der Schriftzug „Schwerter zu Pflugscharen” die Zeichnung einer ebenfalls martialischen Gestalt, die wiederum eine Bronzeskultpur zeigt. Das Original dieser Skulptur steht seit 1959 im Garten der UNO in New York und ist – Überraschung! – ein Geschenk der Sowjetunion.

Ausgerechnet die Sowjets und später ausgerechnet die Friedensbewegten von links, also diese langbärtigen Strickpulliträger, die der Oma äußerst suspekt waren, zogen dereinst unter einem Wort aus der Bibel los. Das fühlt sich auch rückblickend irgendwie falsch an, aber aktuell fühlt es sich nun auch ziemlich falsch an, mit welcher Verve heutige Politiker offenbar Pflugscharen zu Schwertern umschmieden möchten – sogar die politischen Nachkommen Petra Kellys. Man ist geneigt zu fragen: „Frau Baerbock, Herr Hofreiter, sind Sie es?”

Die Rede von den Schwertern und den Pflugscharen stammt aus dem Buch Micha

Die Rede von den Schwertern und den Pflugscharen stammt aus dem Buch Micha, wir sind ungefähr im 8.  Jahrhundert vor ­Christus. Es ist ein verwirrendes Buch, in dem es auch äußerst brutal zur Sache geht. Wie so oft im ersten Testament ist vom drohenden Untergang Jerusalems die Rede, den sich die korrupte Führungselite durch ihren Abfall von Gott selbst eingebrockt hat. Das Buch wechselt zwischen Unheils- und Heilsankündigungen. Eine davon ist eben diese von der Zeit, in der sich der Krieg erledigt hat, in der Gott Recht schafft zwischen Völkern, in der Schwerter zu Pflugscharen und Lanzen zu Winzermessern umgeschmiedet werden. Ein jeder, und wie sehr wünscht man dies den Menschen in der Ukraine und in Syrien und in Afghanistan und, ach, eigentlich doch überall auf der Welt, „ein jeder sitzt unter seinem Feigenbaum und niemand schreckt ihn auf” (Mi 4,4). Welch wunderbare Vision, an der es unbedingt festzuhalten gilt!

Ihre Claudia Auffenberg

Weitere Texte von Claudia Auffenberg finden Sie hier.

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