Josefstag – Werkeln mit dem Weihbischof

Schrauben, leimen, tackern – die Besucher beim Katholischen Jugendwerk Siegen durften selbst in der Werkstatt anpacken. Hier hat der bundesweite Auftakt zum Josefstag 2022 stattgefunden. Damit machen katholische Einrichtungen der Jugendsozialarbeit jährlich auf sich aufmerksam.

Horst Maciejewski, Teilnehmer der Produktionsschule Siegen, hilft Weihbischof Josef Holtkotte beim beim bundesweiten Auftakt zum Josefstag 2022 in Siegen, ein kleines Gewächshäuschen aus Holz zusammenzutackern. Aufnahmedatum: 16.03.2022
Horst Maciejewski, Teilnehmer der Produktionsschule Siegen, hilft Weihbischof Josef Holtkotte beim beim bundesweiten Auftakt zum Josefstag 2022 in Siegen, ein kleines Gewächshäuschen aus Holz zusammenzutackern. Aufnahmedatum: 16.03.2022
veröffentlicht am 26.03.2022
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

Schrauben, leimen, tackern – die Besucher beim Katholischen Jugendwerk Siegen durften selbst in der Werkstatt anpacken. Hier hat der bundesweite Auftakt zum Josefstag 2022 stattgefunden. Damit machen katholische Einrichtungen der Jugendsozialarbeit jährlich auf sich aufmerksam.

Siegen (Mid). Arbeitsteilung macht vieles einfacher: Horst Maciejewski hält die Holzplatte fest und Weihbischof Josef Holtkotte schießt mit der Druckluftpistole ein paar Klammern hi­nein. “Darum bin ich hier hergekommen, um so was auch mal machen zu dürfen”, scherzt Holtkotte. Horst Maciejewski scheint zufrieden. Er und seine Kollegen dürfen den Gästen des Josefstages dabei helfen, ein kleines Treibhäuschen als Give-­away zu basteln. 

Weihbischof Josef Holtkotte baut mithilfe von Horst ein kleines Treibhäuschen zusammen.

Horst Maciejewski ist einer von aktuell 13 Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Produktionsschule Siegen, die vom Katholischen Jugendwerk Siegen-­Wittgenstein e. V. betrieben wird. Normalerweise erledigt er mit seinen Kollegen echte Aufträge für Kunden. Sie pflastern beispielsweise einen Weg, helfen bei Umzügen oder bauen ein Gewächshaus aus Holz. “Ich persönlich arbeite am liebsten in der Holzwerkstatt”, sagt Horst, “weil hier haben wir fast alle Werkzeuge.”

Jugendliche wie der 20-­jährige Horst können in der Produktionsschule ihre persönlichen Interessen austesten und einen geregelten Tagesablauf einüben. So haben sie später die Chance, in ein normales Berufsleben zu starten. “Ich hatte vorher eine Ausbildung angefangen, die habe ich durch einen dummen Fehler in den Sand gesetzt”, sagt Horst zu seiner Vergangenheit. Den Kontakt zum Katholischen Jugendwerk “Förderband” habe er durch ein anderes Projekt des Vereines, den „Hafen 57“, bekommen.

Nach drei Stationen ist das Treibhäuschen fertig und mit einem kleinen Vergissmeinnicht bepflanzt. Bei den nächsten Stationen ist das Ziel ein anderes: Gäste und Mitarbeitende von “Förderband” sollen ins Gespräch kommen. Zu drei verschiedenen Themen sind große Sprechblasen aufgestellt. Darauf sind Zettel angebracht, auf denen die betreuten Jugendlichen ihre Gedanken äußern. 

“Meine Per­spektive für eine politische Partizipation”

Ein Thema lautet “Meine Per­spektive für eine politische Partizipation”. Für Stefan Westkamp, Streetworker bei „Förderband“, ist Partizipation essenziell. Das Schlimmste sei, wenn Jugendliche das Gefühl hätten, „was ich will, interessiert sowieso niemanden“. Passend dazu ist auf einem Kärtchen zu lesen: “Ich würde gerne mit 16 schon mitwählen.”

“Ein Punkt ist mir beim Rundgang durch die Stationen aufgegangen”, sagt Weihbischof Josef Holtkotte als Vertreter des Erzbistums. “In Einrichtungen wie dieser wird anders auf den Menschen geblickt.” Es sei wichtig, die Menschen erst mal so anzugucken, wie sie sind und nicht nur “Traumbilder” zu erschaffen. Das werde hier getan. “Ich nehme für mich mit, dass wir Jugendsozialarbeit nicht aus dem Auge verlieren dürfen.” 

Der Betrieb der Produktionsschule und die Arbeit von “Förderband” insgesamt wird durch Projekte finanziert. Je nach Zielgruppe und Ausbildungsziel können das Mittel vom Land, Kreis oder anderen Fördersystemen sein. Dazu kommen Spenden, Mitgliedsbeiträge sowie Mittel des Erzbistums Paderborn. 

Nach dem Rundgang richteten Weihbischof Holtkotte und Dietmar Vitt, Geschäftsführer von “Förderband”, noch einige Worte an die Gäste. Für Vitt sind es drei Punkte, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von “Förderband” in ihrer anspruchsvollen Arbeit motivieren würden: “Erstens, die Liebenswürdigkeit der jungen Menschen, mit denen wir arbeiten; zweitens zu sehen, welche schlechten Erfahrungen junge Menschen oft auch schon gemacht haben; und drittens die vielen positiven Fälle, die zeigen, dass Jugendliche es schaffen können.”

Nach einem Segen des Weihbischofs dürfen sich alle am Büfett bedienen und die fast dreistündige Veranstaltung ausklingen lassen. Das Kochwerk aus Wenden, eine weitere Einrichtung von “Förderband”, sorgt für ein reichhaltiges Angebot an Fingerfood.

"Am liebsten arbeite ich in der Holzwerkstatt", sagt Horst Maciejewski, Teilnehmer der Produktionsschule Siegen. (Foto: Martin Schmid)

Info Josefstag

Mit der bundesweiten Aktion Josefstag machen katholische Einrichtungen der Jugendsozialarbeit jährlich auf sich aufmerksam. Sie suchen das Gespräch mit Politikern, Kirchen- und Verbandsvertretern. Ziel ist, benachteiligten Jugendlichen weiterhin zu einer Lebens- und Berufsperspektive zu verhelfen. Der Josefstag wird in Deutschland seit 2007 begangen und bezieht sich auf den heiligen Josef, den Patron der Arbeiter. Sein Festtag ist der 19. März.

Weitere Berichte über das katholische Leben finden Sie in der aktuellen DOM-Ausgabe. Schauen Sie mal rein, es lohnt sich bestimmt.

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