Interview mit Elisabeth Beckers – Eine Eremitin am Paderborner Dom

Elisabeth Beckers wohnt seit einem halben Jahr am Paderborner Dom. Sie hat hier, wie sie sagt, ihre Bestimmung fürs Alter gefunden.

Elisabeth Beckers
Elisabeth Beckers
veröffentlicht am 25.02.2022
Lesezeit: ungefähr 5 Minuten

Elisabeth Beckers (70) wohnt seit einem halben Jahr am Paderborner Dom. Hier hat sie, wie sie sagt, ihre Bestimmung gefunden und möchte fortan als Dom-­Eremitin wirken. In diesen Tagen wird sie dazu in einer kleinen, nicht öffentlichen Feier den Segen des Domkapitels erhalten.

Frau Beckers erfinden Sie gerade ein neues Amt für Frauen?

Elisabeth Beckers: „Nein, ich sehe es nicht als Amt, sondern als inneren Ruf, der mich ereilt hat und dem ich folgen möchte.“

Und was ist das für ein Ruf? Wohin werden Sie gerufen?

Elisabeth Beckers: „Ich werde gerufen von Gott, um Liebe und Licht in die vielen Brüche der Menschen und vielleicht auch der Kirche zu tragen. Ich erfahre und sehe die Menschen in ihren Begrenzungen, in ihren Sehnsüchten nach Heilung. Und ich spüre in mir so viel Licht und inneren Frieden, dass ich dies gerne weiterschenken möchte.“

Und dazu haben Sie jetzt dieses Wort bzw. eine Art Aufgabenbeschreibung als Domeremitin? 

Elisabeth Beckers: „Dieses Wort ist keine Erfindung von mir. Das eremitische Dasein bedeutet für mich den Rückzug im Gebet. Seit ich hier am Dom wohne, ist mein Haus durch die Domnähe wie eine Eremo geworden: eine Zelle, in der ich mich immer wieder zum Gebet zurückziehen darf und trotzdem ganz im Zentrum bin. Der Dom selbst ist eigentlich mein wahres Zuhause.“

Was macht den Dom zu Ihrer Heimat?

Elisabeth Beckers: „Es ist die Liturgie, die dort gefeiert wird, an der ich teilnehme. Die tägliche Eucharistiefeier oder auch die Anbetungsstunde am Nachmittag sind meine Kraftquellen für den Tag. Es ist für mich ein Kraftort. Ich spüre dort sehr viel göttliche Präsenz, die mich innerlich berührt, die in mir zum Erblühen kommen möchte.“

Was sagen Sie denen, die sagen, also die Frau Beckers, die spinnt?

Elisabeth Beckers: „Das ist mir nicht fremd. Selbst mein Sohn hat zu mir vor Kurzem noch gesagt: „Mama, mit dir war es nicht immer einfach, weil du dich immer im Leben ‚verrückt‘ hast. Aber gerade deswegen bin ich so stolz auf dich, weil du mutig Schritte gegangen bist, die andere nicht gewagt haben.“

Jetzt kommt ja diese Segnungsfeier. Was macht eine Domeremitin? Wie füllen Sie dieses Wort, diese Aufgabe für sich?

Elisabeth Beckers: „Indem ich mich tatsächlich immer wieder in die Stille zurückziehe und in das innere Gebet der Kontemplation. Auf dem kontemplativen Weg bin ich seit 25 Jahren. Dieses immerwährende Gebet in mir hört eigentlich nicht auf.“

Aber Sie leben ja nicht zurückgezogen, wie eine typische Eremitin. Sie sind ja viel im und um den Dom herum tätig, kümmern sich beispielsweise um Obdachlose. 

Elisabeth Beckers: „Das frühere Eremitendasein war sicherlich oft der absolute Rückzug in die Wälder, in das ganz Auf-Sich-Geworfen-­Sein. Aber hier mitten in der Stadt als Eremitin zu leben, im Gebet und im Rückzug zu sein, bedeutet eine besondere He­rausforderung und zu der fühle ich mich berufen. Hier in der Stadt ist der Dom mein Zuhause, mein Rückzugsort und mein Tätigkeitsfeld die Nächstenliebe.“

Diese Aufgabe könnten Sie ja auch ohne den Segen des Domkapitels erfüllen. Warum ist Ihnen diese Feier so wichtig?

Im Segen richte ich mich ganz auf Gott aus. Als Mutter habe ich immer meine Kinder gesegnet, wenn ich sie auf den Weg geschickt habe. Unter Gottes Segen zu stehen ist für mich ein Anker, ein Halt in den Stürmen des Lebens. Der Dom ist das Zentrum von Paderborn. Ich bete hier an diesem Ort für den Erzbischof, für das Domkapitel und für die vielen Menschen, die in der Kirche ihren Dienst verrichten. Ich bete darum, dass von hier aus Segen für die ganze Erzdiözese ausgeht. Mir ist der Segen des Domkapitels wichtig, weil ich spüre, dass sich daraus eine andere tiefere Verbindung ergibt.

Die Sache hat wohl unweigerlich Außenwirkung, auch innerhalb des Domkapitels. Wie sehen Sie das?

Ich begegne den Menschen gerne auf der Herzensebene. Mit dem Segen verbinde ich keine Erwartungen oder Ansprüche. Ich bin im kontemplativen Herzensgebet zu Hause. Für mich ist die Herzensebene die wichtigste Ebene, um Menschen zu berühren. In diesem Herzen bin ich auch dem Herzen Jesu sehr verbunden und sehr nah. Ich fühle mich auch nicht als „Dienerin“ des Domkapitels. Wenn ich jemandem diene, dann nur Jesus Christus.

Warum machen Sie das gerade in dieser Zeit? Man könnte Sie ja wie die Emausjünger fragen, ob Sie die einzige sind, die nicht mitbekommen hat, was los ist. Viele verlassen die Kirche.

Elisabeth Beckers: „Ja und gerade deswegen bleibe ich. „

Zur Person

Elisabeth Beckers (70) kommt gebürtig aus Bödefeld im Sauerland. Nach einem bewegten (Berufs-) Leben verbringt sie nun ihren Ruhestand am Ikenberg neben dem Paderborner Dom. Frau Beckers engagiert sich ehrenamtlich für obdachlose und suchtkranke Menschen in der Stadt, so zum Beispiel bei der Essensausgabe am „Gasthaus”. Außerdem ist sie im Dom für die Initiative Zeitgeschenk, sowie als Exerzitienbegleiterin, geistliche Begleiterin und Lektorin tätig. Vom Metropolitankapitel möchte sich Frau Beckers in diesen Tagen im engsten Kreis als Domeremitin segnen lassen.

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