Synodalversammlung – Die Hoffnung kehrt zurück

Wenig optimistisch sind viele Synodale zur dritten Synodalversammlung gefahren. Hinter der Kirche lagen bittere Wochen, so schien alles möglich: sogar das finale Ende des Synodalen Weges. Doch offenbar war auch der Heilige Geist nach Frankfurt gekommen. Wir haben nachgefragt.

3. Synodalversammlung: Neue Hoffnung
3. Synodalversammlung: Neue Hoffnung
veröffentlicht am 09.02.2022
Lesezeit: ungefähr 8 Minuten

Wenig optimistisch sind viele Synodale zur dritten Synodalversammlung gefahren. Hinter der Kirche lagen bittere Wochen, so schien alles möglich: sogar das finale Ende des Synodalen Weges. Doch offenbar war auch der Heilige Geist nach Frankfurt gekommen. Wir haben nachgefragt.

Lukas Färber

„Ehrlich gesagt bin ich mit einem etwas mulmigen Gefühl nach Frankfurt gefahren“, sagt Lukas Färber, der zu den Vertreterinnen und Vertretern der Jugendverbände gehört. „Schließlich endete die vorige Synodal­versammlung nicht so glücklich.“

Danach habe er sich etwas hoffnungslos gefühlt, doch das habe sich gewandelt. „Ich muss sagen, ich habe jetzt wieder Hoffnung.“ Färber teilt zwar nicht die Euphorie, die, wie er sagt, den Medien teilweise zu entnehmen ist. Denn es sei zwar viel beschlossen worden in erster Lesung, doch die Zwei­drittelmehrheit der Bischöfe, die für die zweite Lesung benötigt wird, sei keinesfalls in allen Fällen sicher. „Trotzdem war die dritte Synodalversammlung für mich ein positiver Schritt“, sagt Färber. „Man merkt, dass harte Kritik weniger wird.“ Positiv in Erinnerung sei ihm das Zitat der Erfurter Theologieprofessorin Julia Knop, die zum Handlungstext „Lehramtliche Aussagen zu ehelicher Liebe“ sagte: „Dieser Text wird die Schlafzimmer nicht katholischer machen, aber er hat das Potenzial, die Kirche menschlicher zu machen.“

Negativ aufgestoßen sei Färber die Aussage einer anderen Teilnehmerin, die aus seiner Sicht homosexuell und pädophil in einen Topf warf. „Mit solchen Aussagen halte ich mich nicht mehr auf“, sagt Färber dazu.

Agnes Wuckelt

Als Durchbruch bezeichnet Prof. Dr. Agnes Wuckelt die Sy­nodalversammlung. „Jetzt haben wir Klarheit darüber, dass die Mehrheit der Bischöfe den Weg gehen will“, sagte sie. Aus inner­kirchlicher Sicht sei man einen großen Schritt weiter. Wenn man allerdings zum Maßstab nehme, was nötig wäre, „dann sind wir davon noch so weit entfernt wie der Mond von der Erde“. 

Mit ein bisschen Angst sei sie nach Frankfurt gefahren: Wie werden die Veröffentlichung des Münchner Gutachtens und vor allem die Diskussionen um Joseph Ratzinger die Stimmung prägen? Diese Angst entpuppte sich als unberechtigt. Insgesamt hätten die Synodalen eine gute Arbeitsatmosphäre gefunden. Mit den Beschlüssen ist sie sehr zufrieden. Zwar stand bei den meisten Texten zunächst die erste Lesung an, aber auch hier sind sie mit einer Zwei­drittelmehrheit durchgegangen – auch das Frauenthema, das ihr besonders am Herzen liegt.

Noch 1999 hatte die kfd, deren stellvertretende Bundesvorsitzende Wuckelt ist, nach einem heftigen Konflikt mit den Bischöfen ähnlich lautende Forderungen zurückziehen müssen. „So etwas ist heute nicht mehr möglich!“ Diese Haltungsänderung habe vor allem der Druck der Gläubigen bewirkt. „Gerade Frauen, die der Kirche treu gedient haben, verlassen sie jetzt, weil sie sich missachtet fühlen, nicht gehört werden oder als minderwertig betrachtet werden.“ Dies hätten die Bischöfe verstanden. Einen Neben­effekt sieht sie im Beschluss zur Grundordnung: Damit habe die Doppelbödigkeit ein Ende. Schon immer nämlich, so sagt sie, haben einige Bischöfe bei ihren Mitarbeitenden Gnade vor Recht walten lassen. Jetzt wird es Sache aller.  

Ludger Hojenski

Ludger Hojenski

„Auch wenn ich nicht euphorisch von der Synodalversammlung zurückgekehrt bin, so ist die Versammlung mutige Schritte gegangen, die große Perspektiven aufzeigen“, sagt der Vertreter des Paderborner Priesterrates, Pfarrer Ludger Hojenski (57) aus Dortmund. „Auch wenn außerhalb der Kirche viele Menschen nicht verstehen, was wir tun und uns mit Skepsis gegenübertreten, so haben wir doch beim Thema Umgang mit queeren Menschen und der Frage nach dem kirchlichen Dienstrecht richtungsweisende Ergebnisse erzielt.“

Die LGBTQ-­Debatte habe verdeutlicht, dass sehr viel Sprachlosigkeit herrsche. „Viele der Synodalen – dazu zähle ich auch mich – haben den Umgang mit queeren Menschen im Lauf ihres Lebens erstmals kennenlernen und erlernen müssen. In meiner Jugend gab es diese Themen nicht, weder im Priesterseminar noch in der Pastoral. Durch die Fernsehsendung „­Out­In­Church“ erfährt dieses Thema jetzt ‚Gott sei Dank‘ eine große Öffentlichkeit. Jetzt heißt es sprachfähig zu werden.“ 

Hojenskis Hoffnung ist, dass der Synodale Weg einen guten Beitrag zur Erneuerung der Kirche leisten kann. Einige Themen können die Bistümer selbst umsetzen, andere müssten auf Ebene der Weltkirche verhandelt werden. „Da wird es sicher Enttäuschungen und Überraschungen geben“. Es bleibe abzuwarten, wie Rom mit den Ergebnissen umgehen werde. 

„Ich glaube nicht, dass die Ergebnisse der Synodalversammlung ohne Weiteres durchgehen werden. Aber deswegen dürfen wir dazu nicht schweigen oder das Thema beiseite tun. Wenn wir aber an die Frage der Bischofswahl herangehen und die Domkapitel aufrufen, sich eine Selbstverpflichtung zu geben, um das Vorschlagsrecht zu erweitern, dann ist das in meinen Augen ein Quantensprung. Jetzt wird es unsere Aufgabe sein, unser Domkapitel anzusprechen. Wir müssen fragen: Wie geht ihr an die Bischofsnachfolge im kommenden Jahr heran? Denn schon bald werden wir vor einer Nagel­probe stehen.“

Nadine Mersch

Darauf ist auch Nadine Mersch, eine von zwei Vorsitzenden des Diözesankomitees gespannt: „Die steht ja im Erzbistum in nicht allzu ferner Zeit an.“

Insgesamt sei sie „ermutigt“ von der Synodalversammlung nach Hause gefahren, sagt sie – allerdings nicht in „Feierlaune“. „Wir sind ein gutes Stück vorangekommen, aber lange noch nicht am Ziel!“ Die große Zustimmung beispielsweise zu den Handlungstexten des Forums zur Sexualmoral stimme sie zuversichtlich. Am gesamten Wochenende sind nach ihrer Meinung von allen Beteiligten „wegweisende“ Texte verabschiedet worden: „Auf diese State­ments haben Menschen Jahrzehnte gewartet!“ In vielem hinke die Kirche einfach zurück.

Dass viele mit Ungeduld auf den Synodalen Weg schauten, verstehe sie, sagt die Vorsitzende des Diözesankomitees im Erzbistum Paderborn. Mit Blick auf die weltkirchliche Dimension und die Rolle Roms in diesem Zusammenhang müssten die Texte allerdings theologisch und kirchenrechtlich fundiert sein: „Das braucht seine Zeit!“ Deshalb sei der Synodale Weg auch nicht das Mittel, um Kirchenaustritte zu vermeiden.

Da sind nach ihrer Meinung eher die Bischöfe am Zug: „Vieles können sie heute auf Diözesan­ebene schon möglich machen!“ Und nach den zahlreichen Bekundungen von Bischöfen während der Synodalversammlung in Frankfurt hofft Nadine Mersch auch, dass sich einiges tut. Als Beispiel nennt sie die Entscheidung im Erzbistum Paderborn, in Sachen Loyalitätspflicht einen Schnitt zu machen und Kündigungen aufgrund sexueller Orientierung auszuschließen (siehe Beitrag auf Seite 22 dieser Ausgabe „Nach ­Outing keine Kündigung“): „Damit ist der Willkür ein Ende gesetzt, diesen Mut sehen die Menschen!“ Nur durch Taten kann nach ihrer Meinung die Kirche wieder an Vertrauen gewinnen: „Das ist die Nagel­probe in Sachen Glaubwürdigkeit!“

Josef Holtkotte

Josef Holtkotte

Erstmals in seinem neuen Amt als Weihbischof war Josef Holtkotte Teilnehmer der Synodalversammlung, zuvor hatte er als Bundespräses des Kolpingwerkes teilgenommen. „Ich fand, es war insgesamt eine gute Atmo­sphäre, in der wir getagt haben. Viele Themen sind zur Sprache gekommen, viele Synodale konnten sich äußern, viele Diskussionen wurden trotz der knappen Zeit geführt“, schildert er seine Eindrücke.

Für ihn sind die Versammlungen ein wichtiger Ort der Beratung, auch wenn die wesentliche Inhaltsarbeit zwischen diesen in den Themen-­Foren geleistet wird. „Die Texte, die vorliegen, sind gut genug, um als Grundlage für die weitere Beratung zu dienen, auf ihnen kann weiterhin aufgebaut werden“, sei nach Ansicht des Weihbischofs eine deutliche Meinung vor Ort gewesen. Dabei habe auch die Aussprache über die aktuelle Situation der katholischen Kirche in Deutschland guten Raum gefunden, unter anderem die Anliegen der Ini­tiative „“#­Out­In­Church“ sowie die weitere Aufarbeitung nach den verschiedenen Missbrauchsgutachten. Holtkotte: „Kirche muss Ort des Heils sein.“

Er spüre das ernsthafte Bemühen, „in und mit dieser Kirche, an einer Erneuerung zu arbeiten“, sagte er nach der Versammlung. Das mache ihm Hoffnung, das Vertrauen in die Versammlung und den Synodalen Weg sei spürbar gewachsen. Weiter erklärte er: „Unsere Kirche als Glaubens-, Hoffnungs- und Lebensgemeinschaft bedeutet den Menschen viel. Deshalb lohnt es sich, daran mitzubauen, dass unsere Kirche einladend, barmherzig und menschennah ist.“ Dies geschehe auch durch die unterschiedlichen Prozesse, die im Erzbistum Paderborn mit dem eigenen Diözesanen Weg 2030+ sowie der Teilnahme am Synodalen Weg in Deutschland und am weltweiten synodalen Prozess zur „Bischofssynode Synodale Kirche 2021–2023“ bearbeitet werden.

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