Simultankirche – Frühe Ökumene im Sauerland

In rund 70 Kirchen in Deutschland feiern protestantische und katholische Gemeinden ihre Gottesdienste unter einem Kirchendach. Eine dieser Simultankirchen steht in Fröndenberg.

Die Stiftskirche Fröndenberg ist eine von der evangelischen Kirchengemeinde genutzte Kirche. Aufgrund eines Simultaneums hat die katholische Kirchengemeinde ein Nutzungsrecht. (Foto: Andreas Wiedenhaus)
Die Stiftskirche Fröndenberg ist eine von der evangelischen Kirchengemeinde genutzte Kirche. Aufgrund eines Simultaneums hat die katholische Kirchengemeinde ein Nutzungsrecht. (Fotos: Andreas Wiedenhaus)
veröffentlicht am 29.10.2021
Lesezeit: ungefähr 4 Minuten

In rund 70 Kirchen in Deutschland feiern protestantische und katholische Gemeinden ihre Gottesdienste unter einem gemeinsamen Kirchendach. Eine solche Simultankirche steht im sauerländischen Fröndenberg. Die Stiftskirche Fröndenberg ist eine von der evangelischen Kirchengemeinde genutzte Kirche. Aufgrund eines Simultaneums hat die katholische Kirchengemeinde ein Nutzungsrecht. Die Geschichte der ursprünglich als Klosterkirche in der zweiten Hälfte des 13.Jahrhunderts erbauten Stiftskirche verdeutlicht, für die Fröndenberger ist der Begriff der Ökumene kein neuer Begriff. Vielmehr ist er eine seit mehreren Jahrhunderten gelebte Tradition.

Die Reformation im 16.Jahrhundert wirkte tiefgreifend auf viele Gebiete des Lebens. Auf Ehe und Familie, Staat und Gesellschaft, Wissenschaft, Wirtschaft und Kunst. Üblicherweise bestimmten die Landesherren über die Konfessionszugehörigkeit auf ihrem Territorium. „Nur in den Grafschaften Mark– zu der die Stadt Fröndenberg gehörte– und Ravensberg war dies anders. Hier fanden sich Stifte, die dauerhaft mehrkonfessionell geprägt waren. Dies lässt sich auf die persönliche Einstellung der Landesherren zurückführen, denen das eine zu katholisch und das andere zu evangelisch war“, erklärt Stadtarchivar und Mitglied im Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde, Jochen Engelhard von Nathusius. Im Laufe der Jahre habe dies dazu geführt, dass in Fröndenberg die Reformation von unten und nicht wie anderswo üblich von oben ausging.

Gemeinsame Nutzung der Simultankirche

Bereits im Jahr 1550 war nur noch vom adeligen Stift die Rede. Dieser wurde von katholischen Damen aus dem Sauer- und Münsterland, lutherischen Damen aus der Mark und reformierten Damen vom Niederrhein besiedelt. „Um das Jahr 1819 lebten in Fröndenberg etwa 900 Einwohner katholischen, lutherischen, reformierten und auch jüdischen Glaubens. Die Lutheraner bildeten dabei etwa 2/3 der Einwohnerschaft“, sagt von Nathusius. Im Jahr 1837 erfolgte die Vereinigung der lutherischen und der reformierten Gemeinde zur unierten evangelischen Gemeinde. Diese erhielt dadurch 2/3 der Nutzungsrechte. 

Die katholische Gemeinde, die im Jahr 1895 die Marienkirche auf dem Sodenkamp erbaute, behielt ihr 1/3-Nutzungsrecht der Simultankirche. Und dieses Recht nimmt sie jährlich wahr. „Am Tag des heiligen Mauritius, dem Stadtheiligen und Patron, feiern wir einen Gottesdienst in der Stiftskirche“, sagt Gemeindereferent Heiner Redeker vom Pastoralverbund Fröndenberg. Auch wenn die gemeinsame Nutzung der Kirche nicht mehr so ausgeprägt sei wie früher, so präge die gelebte Ökumene das Verhältnis der katholischen und der evangelischen Gemeinde bis in die heutige Zeit. Regelmäßig werden gemeinsame Veranstaltungen wie z.B. Orgeltage in der Kirche organisiert.

Besichtigung der Kirche

Die Stiftskirche kann im Anschluss an die wöchentlichen Messfeiern besichtigt werden. Gruppenführungen sind auf Wunsch möglich. Termine können telefonisch (02373/71939) oder per E-Mail (un-kg-froendenberg@kk-ekvw.de) vereinbart werden.

(klei)

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