Demokratie

Claudia Auffenberg über ihre Sorge, dass wir uns hierzulande die Demokratie zernörgeln.

Das Reichstagsgebäude in Berlin, Zentrum der deutschen Demokratie.
Das Reichstagsgebäude in Berlin, Zentrum der deutschen Demokratie.
veröffentlicht am 29.08.2021
Lesezeit: ungefähr 3 Minuten

Ach, es ist doch ein Elend mit der Demokratie. Nicht nur, dass man sich informieren und eine Meinung bilden muss, dass man also Verantwortung fürs eigene Leben hat, nein, schlimmer ist, dass man sich hierzulande mit diesem mittelmäßigen Politpersonal herumschlagen muss. Neidisch blickt man zum Beispiel nach Russland, wo Wladimir Putin als Reiter und auch sonst eine herausragend gute Figur macht. Oder nach China, wo Xi Jinping es in all seiner Güte auf sich bzw. auf die Partei genommen hat, das Leben seiner Untertanen bis in das privateste Privatleben hinein zu regeln. Oder, natürlich, nach Nordkorea, wo es kein Corona und keine Probleme mit Übergewicht gibt, wo der Große Führer mehr weiß als Wikipedia, weshalb immer ein paar eilfertige Menschen um ihn herumstehen und alles eifrig notieren, was aus seinem Munde kommt, damit ja keine wegweisende Erkenntnis verloren gehe …

Die Demokratie zernörgeln

So, genug der Satire, nicht dass noch jemand denkt, dies sei ernst gemeint. Nein, ist es nicht! Es ist vielmehr die ironisch verpackte Sorge darum, dass wir uns hierzulande die Demokratie zernörgeln und das Kind mit dem Bade ausschütten. Im Buch Numeri, das ist das vierte Buch Mose, gibt es die Geschichten von den Kundschaftern. Nach der Flucht aus Ägypten, der Rettung am Schilfmeer und der Wüstenwanderung steht das Volk Israel vor den Toren des gelobten Landes. Moses schickt Männer hinein, um zu gucken, wie es da ist. Sie sollen gewissermaßen die Zukunft erkunden. Als sie wiederkommen, sind einige von ihnen begeistert und erzählen von den Möglichkeiten drüben, die anderen warnen vor den Gefahren und schüren Angst. Und was geschieht? Das Volk lässt sich erschrecken, ein Shirtstorm geht über Mose nieder: „Wieso hast du uns hierher gebracht? Wären wir doch lieber Ägypten geblieben. Oder in der Wüste gestorben.“ In diesem Stil wird lamentiert, bis Gott die Nase voll hat und den Israeliten den Wunsch erfüllt. 40 Jahre bleibt das Volk in der Wüste, erst die nächste Generation darf ins gelobte Land.  

Auf die wichtigen Dinge konzentrieren

40 Jahre – so lange können wir nicht mehr warten. Vielerorts ist die Demokratie unter Druck und der Klimawandel bedroht den ganzen Globus. Deswegen müssen wir aufpassen, dass wir uns nicht durch Dauernörgeln gegenseitig zermürben, sondern auf die wirklich wichtigen Dinge konzentrieren. Ja, wir werden von fehlerhaften Menschen regiert, genauer gesagt, wir werden von Menschen regiert, deren Fehler wir erfahren. Und, ja, es ist Wahlkampf. Beides an sich kein Grund, sich aufzuregen, sondern eher dankbar zu sein. Denn beides gehört zur Demokratie. 

Ihre
Claudia Auffenberg

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