Vom Mehrwert eines geeinten Europas

„Experiencing Europe“: Alle profitieren von den internationalen Erfahrungen junger Menschen

Paderborn (CPD). Um die Situation Europas und die Herausforderungen der kommenden Jahre ging es bei einer Veranstaltung in Paderborn, zu der der Caritasverband für das Erzbistum gemeinsam mit der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) eingeladen hatte. Unter dem Titel „Experiencing Europe – Unternehmen engagieren sich für Europa“ diskutierten Experten vor rund 50 Gästen über die Chancen und Probleme eines geeinten Europas insbesondere für die Integration junger Menschen in die Arbeits- und Berufswelt.

Diskutierten den Mehrwert von Europa (von links): Prof. Dr. Micha Bergsiek (FHDW), Stephanie Quest, Birgül Cay, Uwe Kopp (GPM), Elmar Brok, Rüdiger Matisz (Agentur für Arbeit Paderborn), ­Simone Plätzmüller (Schmitz Cargobull AG), Friedhelm Evermann (St.-Johannes-Gesellschaft, Dortmund) und Christoph Eikenbusch (Diözesan-­Caritasverband). Foto: FHDW

 

Gastreferent Elmar Brok, der nach 39 Jahren als Abgeordneter aus dem Europäischen Parlament ausgeschieden ist, plädierte für Europa: „Ja, wir machen in Brüssel Fehler, aber das passiert in Berlin, Düsseldorf und überall anders auch. Vieles in Europa kann besser laufen, aber kein einzelner Staat wird die Herausforderungen wie die Digitalisierung alleine lösen können. Wir brauchen heute mehr mutige Menschen, die auch mal Entscheidungen treffen.“

FHDW-Dozent Prof. Dr. Mi­cha Bergsiek betonte die internationale Ausrichtung von Studiengängen. Insbesondere Erfahrungen im europäischen Ausland seien notwendig und brächten Vorteile bei der späteren Stellensuche.

Nachhaltig wirkten auf die Teilnehmer die Erfahrungsberichte von Stephanie Quest und Birgül Cay über ihre internationalen Praktikumserfahrungen. „Nach einem Aufenthalt im europäischen Ausland fühlt man sich auch als Europäerin“, sagte Stephanie Quest, die im Rahmen ihres FHDW-­Studiums in verschiedenen europäischen Ländern unterwegs war.

Birgül Cay vom Caritasverband Hagen sagte, sie sei bei ihren Praktika, die sie im ­Rahmen der Initiative „­Experiencing Europe“ machen konnte, an ihre Grenzen gegangen und stolz darauf. Bei „­Experiencing Europe“ ermöglichen Unternehmen jungen Menschen Praktika in ihren Auslandsniederlassungen. Knapp 100 junge Frauen und Männer haben davon bereits profitiert.

Bei einem „Runden Tisch“ beklagten die Diskussionsteilnehmer, dass die Errungenschaften der europäischen Integration durch den Ruf nach Abschottung und Protektionismus zunehmend infrage gestellt würden.

„Der Mehrwert eines geeinten Europas ist gerade für junge, sozial benachteiligte Menschen oft nur schwer greifbar“, sagte Christoph Eikenbusch vom Caritasverband. „Gleichzeitig sind es gerade diese Jugendlichen, die nach beruflicher Orientierung suchen, die noch offen sind für neue Berufsfelder. Sie können die Fachkräfte von morgen sein, wenn man ihnen die Chance bietet und sie das Selbstvertrauen aufbringen, diese Chance zu nutzen.“

Die Initiative „­Experiencing Europe“ könne dies leisten, indem sie Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz ein zwei- bis vierwöchiges Berufspraktikum an europäischen Standorten der beteiligten Unternehmen anbiete.

Rüdiger Matisz, Leiter der Agentur für Arbeit in Paderborn, sagte, junge Leute ins europäische Ausland zu schicken, sei immens wichtig. Er begrüßte die Initiative der Unternehmen, würde sich aber über noch mehr Akteure freuen. Erfreulich sei das hohe Interesse der Jugendlichen, deren Nachfrage bei Weitem die Angebote der Firmen überstiegen.

Uwe Kopp, Regionalleiter der Region Bielefeld/OWL der Gesellschaft für Projektmanagement (GPM), sagte, die Initiative belege, wie durch gute Projekte Netzwerke entstünden und Kompetenzen ausgetauscht würden: „Dies bringt Menschen zusammen und fördert sie.“

Simone Plätzmüller von der Schmitz Cargobull AG und Friedhelm Evermann von der Katholischen St.-Johannes-­Gesellschaft (Dortmund) beschrieben die Motivation ihrer Unternehmen zur Teilnahme an der Initiative. „Als Unternehmen haben wir eine soziale Verantwortung für die Gesellschaft, und der Zukunft Europas stehen wir nicht gleichgültig gegenüber“, sagte Evermann.

Die Schmitz Cargobull AG, die die Initiative von Anfang an mit begleitet, hat bereits praktische Erfahrungen mit Auslandspraktikanten in der eigenen spanischen Niederlassung gesammelt und sich von der positiven Wirkung auf deren berufliche Weiterentwicklung überzeugt.

Viele Teilnehmer erfuhren nicht nur persönlich den Wert europäischer Integration; sie sammeln dabei wertvolle Arbeitserfahrung und erhielten so eine Basis, sich beruflich neu zu orientieren.

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